Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien „Financial Times Deutschland" ist am Ende
Mehr Welt Medien „Financial Times Deutschland" ist am Ende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:38 22.11.2012
Von Imre Grimm
Opfer der Finanzkrise: Die „Financial Times Deutschland" ist am Ende. Quelle: dpa
Hamburg

Nein, es war keine gute Woche für die deutschen Printmedien. Die „Frankfurter Rundschau“ ist pleite, das Stadtmagazin „Prinz“ ist tot - und nun trifft es auch die „Financial Times Deutschland“ (FTD). Das Blatt steht vor dem Aus. Gestern tagte in Hamburg der Aufsichtsrat des Mutterverlags Gruner+Jahr. Offiziell wurde noch nichts mitgeteilt, aber die „FTD“-Redaktion selbst preschte vor und bestätigte, was der Vorstand am Dienstag bereits beschlossen haben soll: Es ist vorbei. Auf der „FTD“-Homepage hieß es gestern: „Die Financial Times Deutschland steht vor der Einstellung. Jetzt warten wir die Entscheidung unserer Verlagsführung ab. Dann blicken wir nach vorn.“

Zwölfeinhalb Jahre hat der deutsche Ableger der britischen „Financial Times“ durchgehalten. Am 21. Februar 2000 war die erste Ausgabe erschienen - auf rosafarbenem Papier, etwas dunkler als das berühmte lachsfarbene des Londoner Mutterblattes. Gruner + Jahr und der britische Konzern Pearson hielten jeweils 50 Prozent. Man war stolz auf die „erste Zeitungsgründung des 21. Jahrhunderts“ (O-Ton G+J). Das Blatt habe sich „als eines der wichtigsten meinungsbildenden Medien etabliert“, hieß es noch gestern schwärmerisch im Netz.

Pearson zog sich 2008 zurück. G+J versammelte kurz darauf seine Wirtschaftstitel in einer Gemeinschaftsredaktion unter einem Dach - und macht nun offenbar Tabula rasa: Die „FTD“ wird eingestellt, die Magazine „Impulse“ und „Börse Online“ sollen verkauft werden. Was aus dem schrillen Frischling „Business Punk“ wird, einer Art „Neon“ für Workaholics, ist unklar. Nur „Capital“ werde weitergeführt, heißt es, zieht aber von Hamburg nach Berlin. Betroffen sind 330 Mitarbeiter, davon rund 200 Redakteure. Bis zum Jahresende solle es keine Kündigungen geben, sagte G+J-Vorstandsmitglied Julia Jäkel am Abend. Was danach kommt: Schweigen.

Das finden zynischere Zeitgenossen bei Twitter und Co. natürlich bemerkenswert, dass ausgerechnet die „FTD“, die nichts so streng tadelte wie schlechtes Wirtschaften, nun selbst vor dem finanziellen Ruin steht. Dass ausgerechnet eine Wirtschaftszeitung nie auch nur eine müde Mark verdient hat. Als müsse eine Kinozeitschrift jederzeit in der Lage sein, einen Blockbuster zu drehen. Als müsse die Redaktionsmannschaft von „11Freunde“ jederzeit den FC Bayern schlagen können.

Hat das Zeitungssterben jetzt endgültig Deutschland erreicht? Ist das Siechtum der „FTD“ nach der Pleite der „Rundschau“ das nächste bittere Symptom der Printkrise? Man darf die Situation nicht schönreden. Ja, die Anzeigenerlöse sinken, die Leser werden weniger. Aber: Die existenzielle Krise der „FTD“ ist keine Folge der veränderten Medienwelt. Sie wäre wohl auch ohne die digitale Revolution unter die Räder gekommen. Die „FTD“ war ein Kind der schillernden Millenniumsjahre, gedacht als modernes Hausblatt für die Dotcom-Businessjungs. Damals, als die Wirtschaft brummte, als Start-ups mit coolem Personal, Büropartys und Kicker das Erwerbsmodell der Zukunft waren. Aktien galten als das ganz große Ding, Verlage schubsten Magazinneugründungen wie „Bizz“ (G+J), „Focus Money“ (Burda) oder „Net Business“ (Milchstraße) auf die Schiene. Nein, die „FTD“ ist kein Opfer der Printkrise, sondern der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Wie auch die „Frankfurter Rundschau“ machte die Zeitung Jahr für Jahr Verlust. Mal 50 Millionen Euro (2001), mal 30 Millionen Euro (2003), in diesem Jahr rund zehn Millionen Euro. Gruner+Jahr soll rund 250 Millionen Euro investiert haben, immer in der Hoffnung auf einen Boom 2.0 - am Ende nütze auch der längste Atem nichts. Die „FTD“ hatte nie mehr als 68000 Käufer (Abo und Einzelverkauf), zuletzt waren es nur noch 47000. Der Verlag hatte vor Jahren 120000 Käufer als Zielmarke genannt.

Ein Geburtsfehler: Anders als die Generalisten der Tagespresse hatte die „FTD“ als stark spezialisiertes Fachblatt kaum Chancen, sich neu zu erfinden. Die Zielgruppe schrumpfte - und setzte gleichzeitig immer stärker auf Zahlen, Daten, Fakten in Echtzeit, statt auf knisterndes Papier. Der „FTD“-Klientel geht es nicht so sehr um Muße, Genuss und Haptik, sondern ums Geschäft. Online aber hatte die „FTD“ gegenüber dem größeren Konkurrenten „Handelsblatt“ klar das Nachsehen.

Zum Schicksal der „FTD“ und der Frage, ob sie als reine Digitalmarke weitergeführt wird, äußerten sich die Eigentümer gestern nicht. Gruner+Jahr („stern“, „Geo“, „Brigitte“ und „Neon“), gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den größten Verlagen in Europa. Mehrheitseigner ist mit 74,9 Prozent Bertelsmann. Die Hamburger Verlegerfamilie Jahr hält eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

Unterdessen verdüstert sich wie befürchtet auch bei der „Berliner Zeitung“ die Lage: Nach der Pleite des Schwesterblattes „FR“ sind auch den Berliner Mitarbeitern Abfindungen angeboten worden. Kollegen, die spätestens zum 3. Dezember freiwillig kündigen, sollen einen Grundbetrag von 10000 Euro sowie pro Jahr der Betriebszugehörigkeit 150 Prozent eines Bruttomonatsgehalts erhalten, berichtete die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch gestern. Die „Berliner Zeitung“ liefert bisher die Mantelseiten für die Frankfurter Kollegen. Bei den Mitarbeitern sei die „Stimmung auf dem Nullpunkt“.

Facebook-Nutzer haben die Möglichkeit, mit Abstimmungen über Regeländerungen mitzuentscheiden - doch nur wenige machten Gebrauch davon. Nach einer Mini-Beteiligung von 0,04 Prozent sollen die Abstimmungen wegfallen.

21.11.2012
Medien Der Star der Stars - Jimi Hendrix wäre 70 geworden

Er gilt als der innovativste Gitarrist der Rockgeschichte - Jimi Hendrix. Am 27. November wäre der Amerikaner 70 Jahre alt geworden.

21.11.2012
Medien ARD-Quotenhitserie „Mord mit Aussicht“ - Krimiland Eifel lockt immer mehr Verbrecher an

Alles Eifel: Krimiromane, Krimihotel, Krimifestival und jetzt noch eine beliebte Krimiserie in der ARD: Der Boom an Geschichten um Mord und Totschlag aus der Eifel ist ungebrochen.

21.11.2012