Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Fernsehabend über Gefangene im DDR-Frauengefängnis Hoheneck
Mehr Welt Medien Fernsehabend über Gefangene im DDR-Frauengefängnis Hoheneck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:35 08.11.2011
Von Heike Manssen
Kann es sein, dass ihr Mann ihr nicht glaubt? Zwischen Carola (Anja Kling) und Jochen (Tobias Oertel) tut sich ein Graben auf. Quelle: ARD
Anzeige

Kristin Derfler, die zusammen mit Clemens Murath das Drehbuch geschrieben hat, beschäftigt sich seit Jahren mit der jüngsten Geschichte Deutschlands, unter anderem mit dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck, in dem seit den fünfziger Jahren rund 8000 Frauen aus politischen Gründen unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt waren. Aus Recherchen und Interviews mit Betroffenen ist die Figur Carola Weber entstanden, die Hauptperson im Film – überzeugend dargestellt vom Anja Kling.

Weber ist eine selbstbewusste, glücklich verheiratete Frau, deren verdrängte Vergangenheit sie mit voller Wucht einholt, als sie dem neuen Kollegen ihres Mannes (Tobias Oertel) begegnet: Diese Stimme kennt sie. Sie zu hören, katapultiert Carola in die schlimmste Zeit ihres Lebens zurück – die Haft im DDR-Frauengefängnis Hoheneck wegen versuchter Republikflucht. Carola ist überzeugt, dass Professor Limberg (Ulrich Noethen) jener Arzt ist, der sie damals mit Psychopharmaka zwangsbehandelte, um eine Aussage zu erzwingen – und damit auch verschuldete, dass sie bei der Arbeit im Gefängnis zwei Finger verlor. Damit war nicht nur ihre Karriere als Pianistin für immer beendet.

Anzeige

Getrieben von dem Bedürfnis, ein Bekenntnis, eine Entschuldigung zu hören, konfrontiert Carola den Arzt mit ihrem Wissen. Doch Limberg streitet vehement ab, und nicht nur Ehemann Jochen entfernt sich langsam von seiner Frau. Carola begibt sich allein auf eine verzweifelte Suche nach Beweisen – ohne Rücksicht auf Verluste. Der Zuschauer ist schnell geneigt, Carola zu glauben. Zumal der Beschuldigte distanziert handelt, aber gleichzeitig perfide den angeschlagenen Seelenzustand von Carola für seine Argumentation ausnutzt. Das Psychodrama nimmt seinen Lauf.

Die dargestellte Bedrohung, die spürbare Beklemmung ist nicht nur durch spotartige Rückblenden aus dem Gefängnisalltag erfahrbar, sondern auch durch das gute Spiel von Ulrich Noethen. Schuldig oder nicht schuldig, verjährt, vergessen? „Es ist nicht vorbei“ ist auch ein Drama über die Verdrängung auf beiden Seiten: bei Opfern und Tätern.

Es ist weniger ein Film geworden, der die Geschehnisse im DDR-Frauengefängnis ausführlich beleuchten will. Dafür gibt es im Anschluss die sehenswerte Dokumentation „Die Frauen von Hoheneck – Ein DDR-Gefängnis und seine Schatten in die Gegenwart“ (21.45 Uhr). Die Autoren Kristin Derfler und Dietmar Klein haben in mehrjährigen Recherchen mit vier damals inhaftierten Frauen gesprochen. Drei Beispiele stellen sie vor. Und auch hier wird klar: Es ist nicht vorbei, für keine von ihnen. Zu Recht sind Film und Dokumentation für den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Baden-Baden nominiert. Der Preis wird in zwei Wochen verliehen.

„Es ist nicht vorbei“ | ARD
Psychodrama mit anschließender Doku
Mittwoch, 20.15 Uhr

Medien 20 Jahre Internetkamera - Ohne Kaffee keine Webcam
08.11.2011
08.11.2011