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Medien Fernseh-Urgestein Heinz Schenk wird 85 Jahre alt
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11:32 10.12.2009
Heinz Schenk feiert 85. Geburtstag.
Heinz Schenk feiert 85. Geburtstag.
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Heinz Schenk - Urgestein der Volkstümlichkeit - zollen sogar Rockmusiker Respekt. „Unser David Bowie heißt Heinz Schenk“, singen die Rodgau Monotones in ihrem 80er-Jahre-Hit „Die Hesse komme!“. Auch wenn der Oberkellner aus der legendären ARD-Show „Zum Blauen Bock“ eher fürs Schunkeln als für schrille Popmusik à la Bowie steht - sein Kultstatus ist unbestritten. Am Freitag feiert der Entertainer und Schauspieler Schenk alias „Mr. Äppelwoi“ seinen 85. Geburtstag.

21 Jahre und rund 200 Folgen lang servierte der Vorzeige-Hesse, der eigentlich gebürtiger Mainzer ist, in der Sendung reichlich Musik, Humor und Äppelwoi. Er begrüßte Showgrößen wie Rudi Carrell, Caterina Valente oder Mireille Mathieu und kalauerte munter auf Hessisch drauflos. Bis zu 20 Millionen Zuschauer schalteten Samstagnachmittag und später Samstagabend ein, wenn sich die Tore von Schenks Äppelwoi-Wirtschaft öffneten. „Die Leute gingen an mir vorbei und grüßten mit ’Guten Tag, Herr Bock!’“, erinnerte sich der Moderator später.

Schon als Jugendlicher hatte der Sohn eines Drogisten und einer Solotänzerin bei Büttenreden in der Mainzer Fastnacht sein Talent als Entertainer unter Beweis gestellt. Mit 15 nahm er Schauspielunterricht, schlug sich nach dem Krieg als Conférencier beim Zirkus und in Varietés durch und landete in den 50er Jahren als Radiomoderator beim Hessischen Rundfunk.

Äppelwoi-Bembel verteilt

Der Durchbruch aber gelang Schenk 1966, als er an der Seite von Lia Wöhr erstmals im „Blauen Bock“ auftrat. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, das Konzept für Showeinlagen sowie die Moderationstexte selbst zu schreiben. Schenk brachte Bernhard Grzimek und Rosi Mittermaier vor laufender Kamera zum Singen, verteilte Äppelwoi-Bembel und schaffte es mit seinem knarrzig vorgetragenen Lied „Es ist alles nur geliehen“ sogar in die ZDF-Hitparade. Erst 1987 hängte er seinen Job als TV-Oberkellner an den Nagel.

Doch auch danach zog es den gelernten Teppichverkäufer auf die Bühne. Er trat im Volkstheater Frankfurt auf, veröffentlichte Bücher und Schallplatten und feierte in den 90er Jahren sogar ein TV-Comeback mit der Sendung „Fröhlich eingeSchenkt“.

Dass manche Intellektuelle über so viel Gemütlichkeit die Nase rümpften, schien dem Moderator nie besonders viel ausgemacht zu haben. Er pflegte seinen eigenen Humor und soll lange Zeit ein Auto mit dem Kennzeichen „WI-TZ 3“ gefahren haben. Eine selbstironische Seite stellte Schenk auch 1993 unter Beweis, als er im Hape Kerkelings Kinofilm „Kein Pardon!“ den eitlen Fernsehmoderator Heinz Wäscher mimte.

Inzwischen ist es allerdings ruhig geworden um den rührigen Entertainer und Schauspieler, der unter anderem mit dem Bambi und dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet wurde. Schenk hat sich aus dem Showgeschäft zurückgezogen und will sich an seinem Geburtstag zuhause in Wiesbaden von Ehefrau Gerti und Freunden feiern lassen.

Auf dem Bildschirm aber ist der babbelnde Fernsehwirt weiter präsent. Der Hessische Rundfunk würdigt Schenk nicht nur mit Sondersendungen, sondern sendet regelmäßig und zur traditionellen Zeit am Samstagnachmittag Ausschnitte alter „Blauer Bock“-Sendungen - mit satten Einschaltquoten, wie ein HR-Sprecher betont.

afp