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Medien Felicitas Woll als moderne Frau in unmoderner Zeit
Mehr Welt Medien Felicitas Woll als moderne Frau in unmoderner Zeit
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17:17 22.05.2011
Felicitas Woll fährt einen Fiat 500 – und könnte nicht aufs Auto verzichten. Quelle: dpa
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Frau Woll, für die ARD schlüpften Sie in die Rolle der Bertha Benz, Ehefrau des Tüftlers Carl Benz. Interessieren Sie sich eigentlich für Autos?
Nicht übermäßig, aber ich fahre sehr gerne, schaue älteren Modellen hinterher und könnte unmöglich aufs Auto verzichten, aber das Interesse gilt nur der Mobilität. Und der Ästhetik.

Reparieren können Sie also nicht?
Nicht mal eine Zündkerze. Einen umweltfreundlichen Fiat 500 bring ich schön in die Werkstatt.

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Was finden Sie als Zuschauerin also interessanter am Film „Carl & Bertha“ – das Technische oder die Romanze?
Wäre es eine fiktive Geschichte, fände ich die Romanze schöner, aber weil sie wahr ist, hat beides seine Bedeutung. Als ich mich erstmals mit dem Thema befasst hatte, interessierten mich die technischen Aspekte vor allem durch die Vermittlung der menschlichen daran. Wie sich Carl und Bertha gegen alle Konventionen und Widerstände gestellt haben – das beeindruckt mich sehr.

Das wäre dann der mechanische Aspekt des Films. Wie steht es mit dem menschlichen?
Da ist die Textlage eher dünner. Es gibt ein paar Dokumente, dazu noch Lebensläufe, der Rest ist dann der Stimmigkeit der Gesamterzählung geschuldet.

Wie authentisch ist denn die moderne Schilderung der Bertha Benz – ist es die Frau, die wir gern in ihr sähen, oder die, die sie tatsächlich war?
Von beidem etwas. Sie muss eine moderne Frau gewesen sein, um den reichen Bräutigam der Eltern für einen armen Träumer abzulehnen, für dessen Traum sie sich ihre Mitgift auszahlen lässt und später im ersten Langstreckenversuch testet. Das war im 19. Jahrhundert nicht normal.

Bertha Benz, Margarethe Steiff, „Dr. Hope“ – filmen wir uns die Frauen von früher emanzipierter als sie waren?
Frauen wie diese, die sich in Männerwelten durchsetzen konnten, waren ihren Geschlechtsgenossinnen ohne Zweifel voraus. Die hat es immer gegeben, sonst wäre es mit der Emanzipation heute nicht weit her.

Ließe sich eine Filmbiografie auf dem Sendeplatz auch erzählen, wenn sie die ganze Lebenswelt von damals erfasste, die häusliche Gewalt, die Hierarchien, das enge Regelkorsett?
Er ließe sich schwerer unterhaltsam erzählen. Und häusliche Gewalt ist ja weiter so verbreitet, dass sie oft genug zum Thema auch aktueller Filme wird. Man kann nicht in jedem Film alles erzählen, für eine Romanze wäre das untauglich. Man will ja auch mal abschalten von der Realität.

Käme so ein Leben mit fünf Kindern im Schatten eines Mannes für Sie infrage?
Nein, aber es gibt genug Frauen, für die das die Erfüllung von Familie wäre. Ich bin auch gern zu Hause und Mutter, das sollte man nicht zu eindimensional sehen. Zumal so eine Frau für die neue Generation Männer ja auch nicht mehr erstrebenswert ist.

Hat die Mutterschaft Ihren Blick aufs Leben verändert?
Nicht grundsätzlich, aber manchmal fällt auf, wie sich meine Wünsche und Ziele gewandelt haben. Ich bin nicht mehr auf Riesenkarriere aus und überlege mir jeden Auslandsdreh zweimal. Aber es gibt ja auch noch den Vater.

Auch ein Erfinder, der nächtelang an seinem Traum bastelt?
(lacht) Ach, der erfindet und bastelt viel, aber er will damit nicht die Welt verändern.

Carl Benz wollte es und war sich dessen voll bewusst – im Gegensatz zu den Konsequenzen seiner Erfindung. Kann man ihn im Licht des Klimawandels bloß als Erfinder betrachten?
Das muss man sogar. Sein Auto hatte nur einen Hebel, vorwärts und rückwärts; ich bin unlängst mit einem Benz abgeholt worden, der schon mir wie ein Raumschiff vorkam mit all den Schaltern, Monitoren und Hunderten PS. Carl Benz’ Ziel war Mobilität, die Demokratisierung des Transports; von Umweltschutz konnte er noch nichts ahnen, aber wenn er es getan hätte, hätte er es in seine Überlegungen einbezogen. So gut hab ich ihn jetzt kennengelernt.

Das spürt man im Film, wo er durchweg positiv erscheint. Wie Ihre Rolle auch.
Bertha hat aber auch ihre Momente, wo sie nicht mehr kann und es Carl spüren lässt.

Der erste wirklich fiese Charakter, den Sie sich so sehnlich wünschen, lässt aber weiter auf sich warten.
Vielleicht muss ich noch ein bisschen warten. Man braucht da einen Förderer, der dich komplett neu besetzt, wie es Nico Hofmann in „Dresden“ getan hat, als man mich nur aus „Berlin Berlin“ und „Mädchen Mädchen“ kannte.

Haben Sie den Anspruch, emanzipierte Frauen zu spielen?
Überhaupt nicht, das war bislang eher Zufall. Spielst du einmal eine junge, emanzipierte Frau, wird dir das auch öfter angeboten, aber ich will mehr.

Auch auf der Bühne?
Ja, das ist tatsächlich die nächste Herausforderung. Vor dem Theater bin ich lange weggelaufen, als ungelernte Schauspielerin. Nach nunmehr13 Jahren im Beruf mal vor einem Theaterpublikum zu spielen, ist ein völlig neuer Weg für mich. Aber das Lampenfieber wächst. Durch dieses Feuer muss ich eben durch.

Interview: Jan Freitag

„Carl & Bertha“ | ARD
Filmbiografie
Montag, 20.15 Uhr