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Medien Falsche Hasen beim Hamburger „Tatort“
Mehr Welt Medien Falsche Hasen beim Hamburger „Tatort“
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00:16 06.04.2015
Rosa Hase trifft Kommissar: Axel (Tim Grobe) klärt Falke (Wotan Wilke Möhring) über die Aktivistenszene auf.
Rosa Hase trifft Kommissar: Axel (Tim Grobe) klärt Falke (Wotan Wilke Möhring) über die Aktivistenszene auf. Quelle: NDR
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Hamburg

Ein verdreckter Kleintransporter biegt zu den aggressiven Klängen von Rage Against The Machines „Bomb Track“ um die Ecke. Der Wagen hält an, fünf Menschen in Hasenkostümen, Springerstiefeln und mit furchteinflößenden Hasenmasken steigen aus.

Schnitt - Kommissar Jan Katz (Sebastian Schipper) bläst ein Ei aus. Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke) steht amüsiert daneben. Der Auftakt von „Frohe Ostern, Falke“ ist genial, doch leider auch so ziemlich alles, was an diesem „Tatort“ gelungen ist.

Wer angesichts der gruseligen Verkleidungen an den unheimlichen Hasen aus dem Kultfilm „Donnie Darko“ denken muss und sich auf einen verrätselten Thriller freut, wird böse enttäuscht. Die Handlung in diesem „Tatort“ ist hanebüchen: Eine Gruppe linker Hamburger Aktivisten macht traditionell jedes Jahr zu Ostern im Hasenkostüm als „Bad Easter Bunnies“ auf politische Missstände aufmerksam, meist mit Farbbeutel-Anschlägen. Kürzlich allerdings ist diese Gruppe von einer Art oberbösem Chefosterhasen namens Frank (Thomas Sarbacher) unterwandert worden. Und der bringt der eigentlich eher verschusselten Gruppe den Einsatz von Schusswaffen bei. Na klar. Erwachsene Männer, die bisher mal den ein oder anderen Farbbeutel geworfen haben, lassen sich mal eben, ohne näher nachzufragen, zu Hobby-Terroristen umschulen.

Das aktuelle Ziel der „Bad Easter Bunnies“ ist ein Charity-Essen, bei dem sich 80 Gäste des gehobenen Bürgertums in Abendrobe versammelt haben. Es wird Geld für Flüchtlinge gesammelt. Zufällig ist auch Falkes Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) unter den Gästen und muss so miterleben, wie die schwer bewaffneten Hasen mit dem Ruf „Dieses Jahr werden wir nicht eure Eier färben, sondern euch“ die Gesellschaft in Geiselhaft nehmen.

Die vermeintliche Forderung der Aktivisten: Amnestie für Abschiebehäftlinge. Die gesamte Aktion wird live im Internet übertragen. Von Anfang an ist die Stimmung, die vor allem Anführer Frank verbreitet, giftig und aggressiv. Bald wird scheinbar wahllos die erste Geisel erschossen. Ebenfalls zu Tode kommt eine als „Bunny“ verkleidete junge Frau, die als Showact aus einem übergroßen Ei schlüpfen sollte und von der Geiselnahme gar nichts mitbekommen hatte. Die Szene gerät Thomas Stiller (Drehbuch und Regie) zum Slapstick-Moment.

Doch wie kommt nun Bundespolizist Falke ins Spiel? Kommissarin Lorenz hat ihr Smartphone im Abendkleid versteckt und kontaktiert per SMS ihren Kollegen. Doch der weiß erst einmal nicht, wo die Geiselnahme sich ereignet hat. Mithilfe des Kiffers Axel (Tim Grobe), der bei den „Bad Easter Bunnies“ ausgestiegen ist, beginnt Falke zu ermitteln. Auch versucht die Polizei, das Smartphone der gefangenen Kommissarin zu orten. Doch das gestaltet sich zunächst schwierig.

Die Voraussetzungen dafür, in diesem seltsamen „Tatort“ wenigstens Spannung aufkommen zu lassen, sind eigentlich gut. Doch es will nicht so richtig gelingen, haben doch die Hasen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Feuer schon zu Beginn der Geiselnahme verschossen.

Nicht richtig zum Zuge kommt auch Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring. Und das ist schade. Denn eigentlich ist sein Kommissar Falke eine wunderbar erdig-norddeutsche Type. Er gerät in der holprigen Handlung irgendwie zur Nebenfigur. Schmidt-Schaller dagegen hat große Auftritte. Sie ist Opfer und erfolgreiche Ermittlerin gleichzeitig. Und doch wurde nun bekannt, dass die Schauspielerin beim „Tatort“ aussteigt: Nach ihrem sechsten Einsatz im Herbst - mit dem Titel „Verbrannt“ - ist Schluss. Angesichts der mäßigen Drehbücher, die der NDR bisher für Kommissar Falke und sein Team eingekauft hat, kann man es ihr kaum verdenken.

Möhrings neue Partnerin steht bereits fest: Franziska Weisz (34) spielt Julia Grosz. Sie wird als Kommissarin der Bundespolizeiinspektion am Flughafen Hannover für das Zugangsmanagement und die Schließanlagenverwaltung zuständig sein. Die Fälle des NDR-Teams wandern aber dennoch weiter durch Norddeutschland, einen zweiten Hannover-„Tatort“ neben Maria Furtwängler/Charlotte Lindholm gibt es also nicht. Die Dreharbeiten für den ersten Fall des neuen Teams beginnen noch im April.

Von Christiane Eickmann

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