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Medien Facebook speichert millionenfach biometrische Daten
Mehr Welt Medien Facebook speichert millionenfach biometrische Daten
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22:47 08.11.2011
Von Dirk Schmaler
Sind Sie nicht Mark Zuckerberg? Der Facebook-Gründer setzt auf Wiedererkennung. Quelle: Montage: Zellmer
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Hannover

Es ist eine Vorstellung, die manch einen schaudern lässt: Man sitzt im Café, am Nachbartisch sitzt eine Frau, über die man gern mehr erfahren würde. Statt ein Gespräch anzufangen, macht man heimlich ein Handyfoto – und, zack, bekommt man Namen, Alter, Beruf, Hobbys und den Beziehungsstatus der Tischnachbarin auf dem Handy angezeigt.

Das Ende der Anonymität? Rechtlich unmöglich? Science-Fiction? Richtig ist: Noch ist diese Funktion nicht verfügbar. Aber das Internetnetzwerk Facebook arbeitet schon seit Monaten an einer Datenbank, die genau das möglich macht.

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Dabei macht sich das US-Unternehmen zunutze, dass es nicht nur das größte der sogenannten sozialen Netzwerke der Welt ist, sondern auch die weltweit größte Bilderdatenbank auf ihren Festplatten schlummert. 75 Milliarden Fotos haben die 800 Millionen Nutzer dem Konzern bereits auf ihre Server übermittelt. Und Facebook lädt seine Nutzer dazu ein, all diese Gesichter auf den Fotos mit Namen zu versehen. Deutsche Datenschützer sind empört, doch bisher lässt sich das US-Unternehmen nicht beirren.

Schon seit einigen Monaten erkennt das Internetnetzwerk automatisch Gesichter auf den Fotos und fragt die Nutzer beim Hochladen, wer auf dem Bild zu sehen ist. Ist das Foto eines Nutzers erst mit einem Namen verbunden, erkennt ihn Facebook aufgrund der gespeicherten biometrischen Daten der Datenbank auf jedem neuen Foto automatisch wieder. Mehr als 450 Millionen Personen wurden nach Unternehmensangaben schon Fotos zugeordnet. Schätzungen zufolge werden pro Sekunde 1000 neue Gesichter erkannt. Sogar Nicht-Facebook-Mitglieder können so ohne ihr Wissen in die Datenbank gelangen.

Datenschützer lässt diese stetig wachsende Sammlung von sensiblen Daten erschaudern. „Facebook baut im Hintergrund die weltweit größte Datenbank für biometrische Daten auf“, beklagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Er hat dem US-Unternehmen, das sein Geld mit dem Verknüpfen von persönlichen Daten für die Werbewirtschaft verdient, deshalb schon vor einigen Wochen ein Ultimatum gestellt. Es ist ein ungleicher Kampf: Hamburg gegen Facebook. „Wir haben Facebook aufgefordert, die Funktion der Gesichtserkennung abzuschalten und die bereits gespeicherten Daten zu löschen.“ Das Ultimatum ist gestern verstrichen, das Angebot ist weiterhin unverändert online. „Uns hat aber ein Antwortbrief von Facebook erreicht, den wir nun erst einmal genau prüfen wollen“, erklärte Caspar gestern, ohne sich zu Details zu äußern. Nur so viel: „Das Problem liegt im Detail.“

Rechtlich ist die Sache kompliziert. Zwar ist die Speicherung von biometrischen Daten ohne Einverständnis nach europäischem Datenschutz eindeutig verboten. Datenschützer fordern deshalb eine „vorab erteilte, unmissverständliche Einwilligung“ der Betroffenen. Facebook interpretiert die Regeln anders. Demnach reicht die Möglichkeit, der Speicherung der sensiblen Daten zu widersprechen.

Die Entfernung der biometrischen Daten ist bisher mühsam. Nur durch die Kontaktaufnahme mit dem „Facebook-Foto-Team“ auf der Internetseite kann man Facebook um Löschung dieser Angaben – nicht aber der Fotos selbst – bitten. Die Bilder verbleiben auf den Servern von Facebook.

Und die Datenschützer? Sie erwägen, eine Untersagungsverfügung oder ein Bußgeld zu verhängen. Das dürfte allerdings nur unter sehr hohen Auflagen 300.000 Euro überschreiten. Facebooks Börsenwert wird aktuell auf 80 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Heike Manssen 08.11.2011
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08.11.2011