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Medien Facebook soll zum digitalen Lebensarchiv werden
Mehr Welt Medien Facebook soll zum digitalen Lebensarchiv werden
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19:42 23.09.2011
Von Frerk Schenker
Bislang war die Facebook-Profilseite alles andere als ein optischer Genuss: Altbacken und selten frisch sah das Ganze aus. Mit der jetzt vorgestellten Timeline soll sich das ändern. Der Hingucker der veränderten Profilseite ist ein großformatiges Panoramabild, das sich mit wenigen Klicks austauschen lässt. Ganz verschwunden ist die linke Spalte der Profilseite, in der bislang unter anderem das Profilbild und die Freundesliste angezeigt wurden. Quelle: Screenshot
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Mark Zuckerberg macht Ernst mit der Vision, sein Onlinenetzwerk Facebook zum zentralen Ort in der digitalen Welt zu formen. Der 27-jährige Firmengründer hat am Donnerstag auf der Entwicklerkonferenz f8 in San Francisco einen radikalen Umbau der Plattform angekündigt: Facebook soll zur persönlichen Medienzentrale werden – und zu einer Art digitalem Lebensarchiv. Künftig können die rund 750 Millionen Nutzer ihre Freunde nicht nur in Echtzeit wissen lassen, was sie gerade tun. Facebook sammelt und verwaltet auch alle jemals veröffentlichten „Ereignisse“ in einem endlosen, digitalen Lebenslauf.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Musik, Filme und Nachrichten. So können Nutzer ihren Freunden automatisch mitteilen, welche Musik sie gerade hören, welche Filme sie schauen oder welche Artikel sie lesen. Dafür richtet Facebook ein neues Tickerfenster ein. Zuckerbergs Ziel ist es, dass Nutzer künftig einfach alles, was ihren digitalen Alltag ausmacht, bei Facebook finden und die Seite nicht mehr verlassen müssen. Zudem erhofft sich das Unternehmen noch mehr nutzerbezogene Daten, die sich in Werbegeld ummünzen lassen.

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Die angekündigten Neuerungen, die in den kommenden Wochen nach und nach in Betrieb gehen sollen, verstärkten zugleich Datenschutz-Bedenken. Zwar versprach Zuckerberg, dass die Nutzer selbst entscheiden könnten, ob nur Freunde oder Bekannte oder alle Welt einen Eintrag sehen dürfen. Details sparte er jedoch aus. Zuletzt hatte das Unternehmen mehrfach betont, man habe aus der Kritik am Umgang mit der Privatsphäre der
Facebook-Nutzer gelernt.

Facebook als neues digitales Tagebuch – abgesehen von der Datenschutzproblematik stellt sich die Frage: Nehmen die Nutzer die Neuerungen überhaupt an? Bereits im vergangenen Jahr hatte Zuckerberg mit einer Nachrichtenzentrale für SMS, Mails und Chats die Kommunikation im Netz revolutionieren wollen – nur war den meisten Facebook-Nutzern nicht nach Revolution zumute. Auch diesmal waren im offiziellen Facebook-Blog zahlreiche Kommentare zu lesen, die einen ähnlichen Tenor haben: „Wir wollen unser altes Facebook zurück.“ Nicht ausgeschlossen dass viele zum neuen, schlichteren Konkurrenten Google+ wechseln könnten.

Sollte sich das neue Facebook allerdings durchsetzen, wäre eine neue Zündstufe der Alltagsdigitalisierung erreicht. Das Löschen des eigenen Kontos käme dann dem digitalen Selbstmord gleich, wie ein US-Blogger prophezeite: „Man verliert sein Leben.“

Timeline

Facebook baut die Profilseite des jeweiligen Nutzers zu dessen persönlichem Lebensarchiv um. Die neue „Timeline“ – mit einem großformatigen Foto illustriert – bildet künftig chronologisch alles ab, was der Nutzer jemals über sich bei Facebook eingestellt hat – von der Geburt bis zur Gegenwart. Neben Fotos können das auch besuchte Orte sein oder Aktivitäten bei Facebook. Die Nutzer sollen dabei frei entscheiden können, wer welche Einträge auf der Timeline einsehen darf. Um nicht die Übersicht zu verlieren, lassen sich die Einträge für jedes Jahr einzeln aufrufen. „So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite“, beschrieb Mark Zuckerberg das neue Profil.

Musik und Film

Facebook-Nutzer können ihre Freunde künftig live informieren, welche Musik sie im Moment hören oder welchen Film sie sehen. Auch die gerade zurückgelegte Joggingstrecke lässt sich anzeigen. Dafür sorgen kleine Zusatzprogramme, sogenannte Apps, die entsprechende Statusmeldungen automatisch sammeln und in einem neu eingerichteten Tickerfenster veröffentlichen. Für diese Neuerung kooperiert Facebook mit mehreren Medienunternehmen, darunter den Musikstreamingdiensten Spotify und Netfix und dem Videoanbieter Hulu. Die Apps der drei US-Dienste sind in Deutschland aus rechtlichen Gründen vorerst nicht verfügbar, Facebook hat aber bereits Alternativen angekündigt.

Nachrichten

Facebook will seinen Nutzern auf der eigenen Plattform auch automatisch generierte Nachrichten zur Verfügung stellen – ein Prinzip, das Google mit seinem Dienst Google News vorgemacht hat. Facebook-Gründer Zuckerberg geht jedoch noch einen Schritt weiter: In dem neuen Ticker auf der Profilseite wird künftig aufgelistet, welchen Artikel ein Nutzer gerade gelesen hat. Dafür sorgen – wie schon bei Musikstücken oder Filmen – entsprechende Facebook-Apps. Vorerst kooperiert das Onlinenetzwerk lediglich mit drei großen Tageszeitungen: der „Washington Post“, dem „Wall Street Journal“ und dem britischen „Guardian“. Zudem hat Zuckerberg eine Zusammenarbeit mit dem Google-Konkurrenten Yahoo News beschlossen, der wie Google News Artikel von Nachrichtenportalen aus aller Welt sammelt.

Notausgang

Daran ändert sich nichts: Facebook macht den Austritt nicht leicht. Der Menüpunkt zur Deaktivierung eines Kontos (unter „Konto“, „Kontoeinstellungen“, „Sicherheit“, „Deaktiviere dein Konto“) macht das Profil nur unsichtbar, alle Daten verbleiben jedoch bei Facebook. Wer sein Konto dauerhaft löschen will, muss im Hilfebreich die Frage „Ich möchte mein Konto dauerhaft löschen“ eingeben. Der entsprechende Eintrag führt zur endgültigen Kontolöschung.

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