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Medien Experten monieren klischeehafte Darstellung von Juden in den Medien
Mehr Welt Medien Experten monieren klischeehafte Darstellung von Juden in den Medien
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13:28 07.10.2021
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Quelle: Uli Deck/dpa
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Berlin

Jüdisches Leben wird in den deutschen Medien nach Ansicht von Experten und Vertretern der Juden häufig verzerrt und klischeehaft dargestellt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte am Donnerstag bei der Veranstaltung „Medienbild im Wandel: Jüdinnen und Juden in Deutschland“ in Berlin, die Liste der Fehler und Klischees sei lang. Sie reiche von „Juden im Stetl-Look des 19. Jahrhunderts“ bis hin zu „Fotos von Moscheen als vermeintliche Synagogen“. Ursache sei in der Regel keine böse Absicht, sondern meistens Unwissenheit.

Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow räumte ein, dass vor allem in der aktuellen Berichterstattung die Gefahr bestehe, ins Klischeehafte zu verfallen. Grund sei unter anderem der Zeitdruck, welcher dazu führe, dass man auf vorhandenes, schnell verfügbares Material zurückgreife, das eine leicht erkennbare Bildsprache für das Publikum habe. Man habe dieses Problem jedoch erkannt und versuche, die Datenbanken so zu erweitern, dass mehr Bildmaterial zur Verfügung stehe.

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Buhrow wünscht sich unverkrampfteren Umgang mit dem Thema

Bei fiktiven Formaten sei man da schon wesentlich weiter, sagte Buhrow. Er verwies unter anderem auf den ARD-„Tatort“ aus Berlin mit der von Meret Becker dargestellten jüdischen Kommissarin Nina Rubin. Da sei jüdisches Alltagsleben „ganz normal“ in einen Krimi verpackt. Grundsätzlich wünschte sich Buhrow einen unverkrampfteren Umgang mit dem Thema jenseits von Gedenktagen. Hier habe die ARD mit ihrer regionalen Aufstellung die Chance, die Vielfalt des Alltagslebens in der Gesellschaft selbstverständlicher vorkommen zu lassen.

Die Veranstaltung der Initiative kulturelle Integration fand zwei Tage vor dem zweiten Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge von Halle statt. Die Initiative befasst sich mit der Frage, welchen Beitrag Kultur zur Integration leisten kann. Sie wurde im Dezember 2016 gegründet und geht auf eine Anregung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, des Bundesarbeitsministeriums, des Bundesinnenministeriums und des Deutschen Kulturrates zurück.

RND/epd

Der Artikel "Experten monieren klischeehafte Darstellung von Juden in den Medien" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.