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20:19 22.06.2009
Moderatorin Britt Hagedorn Quelle: SAT.1

Dominique will ihrem Internetflirt einen Heiratsantrag machen. Mit einem um die Hüfte geschnallten Dampfer aus Pappmaché bittet die 22-jährige Hausfrau ihren Thorsten, doch bitte mit ihr in den „Hafen der Ehe“ einzulaufen. Das meist junge Publikum im knallbunten Talk-Wohnzimmer auf dem Gelände von Studio Hamburg schmunzelt in böser Vorahnung. Passend zum Thema „Schiffbruch – unsere Liebe geht bald unter“ erleidet Dominique nämlich denselbigen. „Das ist ja ’ne totale Pleite, damit hab ich nicht gerechnet“, tröstet Moderatorin Britt Hagedorn und bittet die nächsten Gäste herein. Benny fällt vor Exfreundin Nicole auf die Knie, Ralph bekommt trotz Trunksucht eine zweite Chance von seiner Frau, Dennis zertrümmert vor den Augen seiner genervten Gattin gar seine Playstation zwecks Eherettung. Nach 45 Minuten ist eine neue Folge „Britt –Der Talk um Eins“ im Kasten.

Seit Januar 2001 sehen die Talkshow „Britt“ um 13 Uhr im Schnitt 1,5 Millionen Zuschauer. Wenn heute die 1500. Sendung ausgestrahlt wird, haben sich fast 15 000 Kandidaten zu Themen wie „Wahllos – du treibst es doch mit jedem“, oder „Ekelhaft – meine Oma hat einen Liebhaber!“ echauffiert. Der Mix aus voyeuristischem Fremdschämen auf dem heimischen Sofa und Lebensberatung im Schnellverfahren beschert dem kriselnden Sender SAT.1 mit bis zu 22 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe regelmäßig erstaunlich gute Quoten. Ab Herbst, wenn die letzte Wiederholung des einstigen Talkkonkurrenten „Oliver Geissen“ versendet ist, wird die Hamburgerin Britt Hagedorn die letzte Moderatorin einer Mittagstalkshow sein.

Anders als die Gerichtsshows im Sendeumfeld arbeitet „Britt“ nicht mit Laiendarstellern. Aufgespürt werden ihre Kandidaten durch Aufrufe in den Sendungen, aber auch bei Straßencastings, bei denen potenziellen Gästen eine Themenauswahl vorgelegt wird. Bis ein Bewerber letztlich eingeladen wird, klopfen 14 Redakteure in Vorgesprächen ab, ob diese bereit sind für den möglichst offenen Einblick in ihre intimste Privatsphäre. Der kümmerliche Lohn: 50 Euro Vergütung sowie Anreise und Übernachtung im Hotel.

Donnerstag, 17 Uhr auf dem weitläufigen Areal von Studio Hamburg. Die erste von drei Aufzeichnungen steht an. Auch um 19 und nochmals um 21 Uhr 30 wird Britt Hagedorn wieder Vaterschaftsfragen klären, untreue Partner des Seitensprungs überführen und vermeintlichen Sozialschmarotzern die Leviten lesen. Eine Schlange junger Leute begehrt Einlass in das Studio, das zwischen 80 und 100 Leute Zuschauer aufnehmen kann. Etliche wurden auf Straßenfesten von Promotern angesprochen. „Hoffentlich geht es ordentlich zur Sache“, sagt Katja Eggebrecht aus Gettorf bei Kiel. Selbst auf der Bühne zu stehen, käme für die 27-Jährige freilich nicht infrage: „Ich muss mich nicht zum Horst machen und meine Probleme im TV breittreten“. Das erledigen schließlich andere. Doch bevor es losgeht, bringt Anheizer Christian Oberfuchshuber das Publikum in Beifallslaune. Erste „Mitleidsappläuse“ weichen dank nimmermüder Witzattacken dem gewünschten Jubel. Nicht sichtbar für den Fernsehzuschauer animiert Oberfuchshuber auch während der Aufzeichnung zum Applaus, lacht oder buht vernehmlich, bis das leicht beeinflussbare Publikum mitmacht. Schließlich betritt Moderatorin Britt die Bühne. „Versucht bitte, meinen Gästen die Aufregung zu nehmen“, sagt die 37-Jährige. Zuschauerkoordinatorin Silke Bauer setzt schnell noch ein paar Gäste um. Weiße und schwarze Oberbekleidung sind ungünstig für die Kameras. Hinter den Schwingtüren warten derweil die Kandidaten bereits auf ihren Einsatz. Aufnahmeleiterin Nancy Faloyo mahnt mit Pappschildern wie „NG“ für „Neuer Gast“ oder „Abtritt“ zur Eile.

Verbale Entgleisungen während der Show kann die studierte Literaturwissenschaftlerin Britt Hagedorn nicht immer verhindern. „Das entspricht leider einer bestimmten Klientel, sich auf eine sehr ruppige Art zu äußern. Ich bemühe mich, das Ganze auf ein kompatibles Verbalniveau zu bringen”. Diesmal bleibt es bei Beschimpfungen wie „Du alte Vogelscheuche“ und „Du Trottel“, die sich zwei Partien aus dem Konfliktlager „Mutter und Tochter versus verhasster Schwiegersohn“ an den Kopf werfen. Kommt es zu Handgreiflichkeiten, sorgt ein privater Sicherheitsdienst dafür, dass die Kontrahenten in getrennten Wagen vom Studiogelände in ihre Hotels gebracht werden. In akuten Härtefällen steht der TV-erprobte Psychologe Michael Thiel zur Verfügung. Zum Selbstschutz der Gäste dürfen diese nicht über schwebende Verfahren reden, auch Schuldzuweisungen in Missbrauchs- oder Vergewaltigungsfällen sind tabu. Der Kritik, in Talkshows würden medienunerfahrene, eher schlichte Gemüter mit intimen Geständnissen als Kanonenfutter für das „Unterschichtenfernsehen“ verheizt, wollen die Privatsender seit Ende der neunziger Jahre durch den sogenannten „Code of Conduct“ entgegentreten, eine Art freiwilliger Selbstkontrolle. „Wenn wir merken, dass jemand dazu neigt, sich bloßzustellen, dürfen wir ihn nicht ins offene Messer laufen lassen“, versichert Britt Hagedorn. Und fügt hinzu: „Es fühlt sich auch besser an, wenn die Gäste nicht todunglücklich das Studio verlassen.“

von Alexander Bösch

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