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07:46 19.11.2013
Die Schnitzeltruppe am Küchentisch: Günther (Armin Rohde, r.) mit den jungen WG-Bewohnern Robert (Daniel Michel, l.), Tina (Anna Lange, 2. v l.), dem Autisten Hans (Rick Okon, M.). Die Lage entspannt sich, als Kumpel Wolfgang (Ludger Pistor, 2. v. r.) mit anpackt. Quelle: ARD
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Hannover

Autisten, die im Kasino die korrekten Zahlen herbeten – das ist spätestens seit „Rain Man“ mit Dustin Hoffman nicht mehr brüllend originell. Aber der Hollywoodfilm ist ja immerhin auch schon 25 Jahre alt. Lassen wir’s dieser putzigen ARD-Ruhrpottklamotte also durchgehen, dass nicht jeder Gag ein kreativer Volltreffer ist. Schließlich muss die Sache irgendwie in die ARD-Themenwoche „Glück“ passen, deren Penetranz und Monotonie schon am dritten Tag die Geduld selbst wohlmeinender Beobachter strapaziert.

Glück also. Schon wieder. Glück bedeutet vor allem Geld für die beiden rumpeligen Helden aus der Komödie „Ein Schnitzel für alle“. Wir lernen kennen: den arbeitslosen Tierpfleger Günther (Armin Rohde) und den naiven Anlageberater Wolfgang (Ludger Pistor). „Glück ist die Abwesenheit von Unglück“, hat Schauspieler Armin Rohde der ARD gesagt, auch wenn man über den Kern des Satzes stundenlang streiten könnte. Für seine Figur Günther jedenfalls, den speckigen Tierpfleger, gilt die Aussage. Er würde nichts lieber tun, als Robben in Kanada retten, aber der Dame auf dem Arbeitsamt kann er damit nur ein müdes Lächeln entlocken. Günther hat vor allem erst mal Pech: kein Job, keine Frau, keine gute Figur – und einen daueroptimistischen Freund. „Joggen kostet doch nix, da geht der Speck runter wie Butter!“, erklärt Wolfgang jedenfalls ungefragt.

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Das mit dem Sport lässt Günther aber bleiben und sich stattdessen den nächsten ungeliebten Job vom Arbeitsamt aufdrücken: Fahrerservice für drei Kinder mit Behinderung. Weil deren Mutter krank wird, entpuppt sich die Aufgabe als Ganztagsbetreuung. So steht Günther da schließlich mit dem Autisten Hans, mit Robert, der im Rollstuhl sitzt, und mit Tina, die das Down-Syndrom hat. Dass das etwas turbulent werden könnte, merkt er nicht erst, als Robert ihm erklärt: „Wir sind zu dritt, und wir sind gut drauf.“

Günther ist also schon froh, wenn er es schafft, abends alle wieder heil am Küchentisch beim Schnitzel zu haben. Denn die Halbstarken machen ihr eigenes Ding: Tina liebt es, Brautkleider anzuprobieren, Robert daddelt in der Spielhalle, und Hans sagt gerne Zahlenreihen vorher – im Casino. Und genau da wittern der klamme Günther und der – nach der Pleite seiner Firma – gar nicht mehr dauergrinsende Wolfgang ihre Chance: Können sie mit Hilfe des zahlenverrückten Autisten den Jackpot knacken? „Weltmeere, Sonne, Strand“, träumt Wolfgang schon, während Günther befindet: „Nie wieder Scheiße fressen, endlich Überbezahlung.“

Glücksspiel also gleich Glück? So einfach wird es natürlich nicht, doch die kurzweilige Komödie nimmt an Fahrt auf. Das liegt vor allem an dem ungleichen Chaoten-Duo Rohde und Pistor, die schon nach dem ersten Teil „Ein Schnitzel für drei“ (2010) eine Fangemeinde hatten. Wo Rohde grummelt, grinst Pistor, und wo Pistor duscht, macht Rohde, nun ja, sein Geschäft. Neben dem Ruhrpottlern macht die junge Bande den Film sehenswert: Anna Lange spielt die übermütige und lebensfrohe Tina genauso überzeugend wie Daniel Michel den lakonischen Rollstuhl-Fahrer Robert. Einzig Hans, der Autist, den Rick Okon spielt, wirkt überzeichnet und stellenweise eher als Karikatur eines Autisten. Unterm Strich hat die ARD mit diesem Film (Regie: Manfred Stelzer) aber nicht viel falsch gemacht. Und Glück – für Zuschauer – ist ja auch, wenn auch ein Mittwochsfilm mal nicht allzu schwerblütig wird.

Alexandra Stahl, Imre Grimm

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