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Medien Durchbruch des HD-Fernsehens steht im Sportjahr 2010 bevor
Mehr Welt Medien Durchbruch des HD-Fernsehens steht im Sportjahr 2010 bevor
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13:11 08.01.2010
HDTV bedeutet in voller Pracht eine Bildschirmauflösung von 1920 x 1080 Pixel. Das entspricht dem Fünffachen der bisherigen PAL-Auflösung von 720 x 576 Pixeln. Quelle: AFP
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HDTV im Sportjahr 2010 vor dem Durchbruch? Wer einmal das hochauflösende Fernsehen HDTV auf einem neuen Flachbildschirm erlebt hat, möchte wohl kaum zurück zum herkömmlichen PAL-Fernsehen: In Comicfilmen wie „Monster AG“ werden Disney-Figuren wie Sulley dank ihres haarfein abgebildeten, wehenden blauen Fells zu neuem Leben erweckt. Harry Potter zaubert in der „Kammer des Schreckens“ beachtliche Farben auf die Mattscheibe; und selbst eine Dokumentation über Ussurien im Osten Russlands wird plötzlich noch einmal sehenswert, wenn der Amur-Tiger in scharf abgebildeten Streifen über den Bildschirm schleicht.

HDTV, das lange angekündigte Fernsehformat, soll in diesem Jahr der Durchbruch gelingen. Wie schon früher bei der Einführung neuer TV-Techniken wollen die Sender Sportereignisse zur Vermarktung nutzen: zunächst die Olympischen Winterspiele in Kanada ab Mitte Februar, dann im Sommer die Fußball-WM in Südafrika. Mit dem Sportereignis in Vancouver starten ARD und ZDF den HDTV-Regelbetrieb. Aber schon jetzt bekommen Besitzer eines HD-Fernsehers einen Eindruck vom hochauflösenden Fernsehen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender strahlen ihre Programme seit Kurzem als sogenannten Showcase, also als Demonstration der Möglichkeiten, parallel zum herkömmlichen PAL-Fernsehen aus.

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Das Erste hat zudem einen zusätzlichen Kanal, einsfestival HD, eingerichtet, auf dem besonders sehenswerte HD-Dokumentationen, HD-Spielfilme und HD-Serien laufen. In Ergänzung dazu strahlen die Sender Anixe HD und MTV HD Videos in hoch aufgelöstem Format aus. Und auch die Privatsender RTL und Vox sowie SAT.1, PRO7 und Kabel 1 haben zusätzliche Kanäle geschaltet, auf denen ihr Programm in HDTV zu sehen ist. Bisher gab es HDTV hauptsächlich über den Bezahlsender Sky, vormals Premiere – zu Extrakosten und nur mit speziellen Receivern. Allerdings sind nicht alle HD-Sendungen automatisch auch um ein Vielfaches schärfer als bisher: Wenn Pippi Langstrumpf in einem HD-Fernseher auf ihrem Pferd reitet, wird das Bild nicht gleich besser, nur weil es vom Sender in HD gesendet wird – das Ursprungsvideo ist und bleibt herkömmlich aufgelöst und entsprechend körnig.

Gravierende Bildverbesserungen gibt es meist nur bei neueren Produktionen. Problematisch ist zudem bei allen neuen HD-Kanälen die Empfangsmöglichkeit. Die besten Chancen hat zurzeit, wer sein Programm über Satellit empfängt. Die neuen öffentlich-rechtlichen Kanäle sowie die privaten Kanäle Anixe HD und MTV HD erhält man am einfachsten per Satellitenschüssel mit einem beliebigen HD-fähigen Satelliten-Receiver. SAT.1, PRO7 und Kabel 1 sowie RTL und Vox erfordern dagegen einen besonderen HD-fähigen Receiver – die Privatsender wollen so ein neues Bezahlmodell etablieren. Ein solcher HD-Plus-Receiver wird im Handel mit einer für zwölf Monate freigeschalteten Smartcard angeboten.

Nach dem ersten Jahr soll die Freischaltung 50 Euro jährlich kosten. RTL und Vox haben mit der Ausstrahlung ihrer HD-Kanäle im November begonnen, SAT.1, PRO7 und Kabel 1 wollen Ende Januar starten. Fernsehzuschauer mit Kabelanschluss erleben dagegen derzeit eine Auseinandersetzung zwischen Kabelgesellschaften und Sendern ums liebe Geld – und schauen solange in die PAL-Röhre. So verlangt Kabel Deutschland von den Sendern eine finanzielle Beteiligung an seinen angeblich höheren Kosten. „Bei einer Beteiligung der Sender könnten wir sofort mit der HD-Einspeisung beginnen“, teilte das Unternehmen mit.

Der Netzbetreiber habe seinen Kunden empfohlen, sich direkt an die Sender zu wenden, um „Druck“ auf sie auszuüben. Die allerdings verweigern sich bislang. Und auch Nutzer eines DVB-T-Anschlusses haben keine Freude mit HDTV. Darüber werden derzeit keine HD-Signale ausgesandt. Neben den Übertragungskanälen Satellit, Kabel und terrestrisch (also DVB-T) gibt es eine vierte Empfangsmöglichkeit fürs Fernsehen: per Internet. Über einen besonders schnellen DSL-Anschluss können Internetnutzer diesen Kanal mittlerweile auch für den TV-Empfang nutzen – auch für HDTV.

Die Telekom hat mit ihrem Paket T-Home Entertain eine Technik eingerichtet, für die keine besonderen Computerkenntnisse nötig sind. Angesichts des klaren Trends hin zu HD reiben sich Verkäufer von Fernsehern schon mal die Hände. Die Branche gibt sich krisenresistent. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik hat kürzlich prognostiziert, dass bis zum Ende des Jahres mehr als 27 Millionen hochauflösende Fernsehgeräte in deutschen Wohnzimmern stehen werden.

Das ist HDTV

HDTV bedeutet in voller Pracht eine Bildschirmauflösung von 1920 x 1080 Pixel. Das entspricht dem Fünffachen der bisherigen PAL-Auflösung von 720 x 576 Pixeln. Diese hohe Auflösung wird auch als 1080i bezeichnet. Daneben gibt es eine geringere HDTV-Auflösung mit der Bezeichnung 720p: Sie bedeutet 1280 x 720 Pixel. Die beiden HD-Formate sind allerdings nicht allein aufgrund der Anzahl der übertragenen Pixel pro Bild vergleichbar: Hinzu kommt die Anzahl der übertragenen Vollbilder pro Sekunde. Bei dem besser aufgelösten 1080i werden in der Regel nur 30 Vollbilder pro Sekunde übertragen, bei dem geringer aufgelösten 720p dagegen 50 Vollbilder. Bei viel Bewegung im Video entwickelt das geringer aufgelöste Bild durchaus Vorteile.

Marina Kormbaki 07.01.2010