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Medien Donnerstag läuft die 2000. Folge von „Richterin Barbara Salesch“
Mehr Welt Medien Donnerstag läuft die 2000. Folge von „Richterin Barbara Salesch“
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18:29 04.05.2011
Seit fast zwölf Jahren „verhandelt“ Barbara Ludovika Salesch in ihrer gleichnamigen SAT.1-Show Justizfälle. Quelle: SAT.1
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Frau Salesch, am gleichen Tag, an dem die 2000. Folge Ihrer SAT.1-Gerichtsshow ausgestrahlt wird, werden Sie 61 Jahre alt: nämlich heute. Welches Urteil würden Sie über Ihr bisheriges Leben fällen?
Ich schaue strahlend zurück. Wenn das auch weiterhin so gut läuft wie in den vergangenen 61 Jahren, bin ich sehr zufrieden und glücklich.

Dass viele Leute Ihre Show als Klamauk oder Krawall bezeichnen, stört Sie nicht?
Es stört mich nicht, zumal genauso viele oder sogar noch mehr meine Sendung gut finden. Diese Stimmen machen sich nur nicht so laut bemerkbar.

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Der Vorwurf, dass Sie Unterschichtenfernsehen betreiben, lässt Sie völlig kalt?
Schon den Begriff „Unterschichtenfernsehen“ halte ich für außerordentlich fragwürdig. Das ist eine Überheblichkeit, die mich sehr stört. Ich empfinde das geradezu als Zuschauerbeleidigung. Wer diesen Begriff gebraucht, macht das ja in der Regel auch nur, um sich selber aufzuwerten. Was oft übersehen wird: Eine Unterhaltungssendung muss in erster Linie abwechslungsreich sein, das ist doch völlig klar. Sogar der frühere Präsident des Bundesgerichtshofs, Günter Hirsch, hat über meine Sendung gesagt, dass man die Justiz den Menschen auch mit Mitteln der Unterhaltung näherbringen kann.

Einspruch, Euer Ehren: Mit dem realen Gerichtsalltag hat Ihre Show doch nichts zu tun.
Stattgegeben. Sie hat mit dem realen Gerichtsalltag genauso wenig zu tun wie jeder „Tatort“ mit dem Alltag der Kriminalpolizei. Das Fernsehen, und das gilt selbstverständlich auch für meine Sendung, zeigt nicht den Alltag, sondern immer etwas Besonderes, das spannend ist. Meine Zuschauer wollen Abwechslung haben und sind alt und weise genug, um zu sagen, dass es so bei Gericht nicht zugeht. Allerdings würde es so mancher echten Verhandlung guttun, wenn die Beteiligten mehr reden und aus sich herausgehen dürften.

Das wäre ein ziemliches Chaos, wenn es sich so abspielen würde wie bei Ihnen: Jeder beschimpft jeden, und manchmal mischen sich sogar Zuschauer ein.
Natürlich nicht so wild wie in einer Unterhaltungssendung, da haben Sie recht. So etwas muss bei Gericht natürlich anders gehandhabt werden, ist im Rahmen einer Unterhaltungssendung aber völlig legitim. Meine Sendezeit ist begrenzt, ich muss mit einem Fall in einer Stunde fertig werden, der Zuschauer möchte schließlich ein Ergebnis. Ich lege allerdings Wert darauf, dass es bei mir juristisch korrekt zugeht. Juristische Schnitzer kann ich mir als bestbeobachtete Richterin auch gar nicht leisten. Meine Urteile, die ich in der Sendung fälle, entsprechen denen, die ich im wirklichen Leben in einer vergleichbaren Situation auch fällen würde. Nur hatte ich früher für die Begründung mehr Zeit als zwei Minuten.

Warum sind Sie denn vor mehr als 30 Jahren Richterin geworden?
Das war reiner Zufall, ich wollte eigentlich Anwältin werden. Wesentlich war für mich vor allem, dass ich selbstständig arbeiten kann. Ich habe dann aber einen wunderbaren Richter beim Oberlandesgericht in Hamburg getroffen und als Referendarin erlebt. Danach hat mich der Richterberuf fasziniert. Man kann beide Seiten sehen und muss erst dann entscheiden – ein phantastischer Beruf.

Und irgendwann war Ihnen der Job beim Landgericht dann langweilig und Sie sind lieber zum Fernsehen gegangen.
Das kann ich so nicht sagen, dazu bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Meine Hamburger Landgerichtspräsidentin wurde gefragt, ob sie jemanden kennt, der im Fernsehen ein Schiedsgericht übernehmen könnte. Mit echten Parteien und echten Fällen, so haben wir ja angefangen. Und da hat sie gleich an mich gedacht. Den Leuten vom Fernsehen hat meine spontane Art gefallen, und so kam es dazu.

Gucken Sie Ihre eigene Sendung?
Definitiv. Schon um zu sehen, was ich verbessern kann. Und wenn ich im Urlaub bin oder wenn ich mal krank bin und die Beine hochlege, dann sogar regelmäßig. Ich schau auch bei den anderen gelegentlich mal rein, beim Kollegen Alexander Hold oder „Zwei bei Kalwass“.

Sie sind seit zwölf Jahren Fernsehrichterin. Wann ist Schluss?
Spätestens mit 65 Jahren höre ich auf. Dann werde ich auch in Hamburg pensioniert. Es wird auf keinen Fall länger gehen.

Und was kommt dann?
Dann widme ich mich nur noch der Malerei und der Bildhauerei, das war schon immer mein Ziel. Ich studiere derzeit parallel zu meinem Hauptberuf an der Kunstakademie in Bad Reichenhall – eine Vorbereitung auf mein neues Leben nach der Juristerei sozusagen. Ich beschäftige mich aber schon seit 20 Jahren aktiv mit der Bildenden Kunst, hatte schon in Hamburg mein Atelier.

Was malen Sie denn für Bilder?
Abstrakt, völlig abstrakt. Definitiv nichts Konkretes. Derzeit zu Themen wie Dynamik, Kraft und Bewegung. Am liebsten groß und mit so viel Farbe, dass es eine Lust ist.

Interview: Martin Weber