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19:52 09.06.2009

Andrea Kiewel Quelle: RTL

Plötzlich war sie wieder da. Es war Anfang Mai, Andrea Kiewel stapfte im luftigen Kleidchen durch den ZDF-„Fernsehgarten“, der Wind blies ihr die blonden Ponysträhnen ins Gesicht. Man konnte ihr nicht in die Augen sehen, als sie sich bei den Zuschauern entschuldigte und treuherzig versicherte, sie hätte aus ihrem Fehler gelernt.

Worin der bestand, musste sie nicht erklären. Auch so wusste jeder, was gemeint war. Andrea Kiewel hatte nicht nur ohne das Wissen des ZDF einen lukrativen Werbevertrag für die „Weight Watchers“ unterschrieben. Sie hatte auch TV-Auftritte genutzt, um für die Organisation zu werben – so oft und so auffällig, dass sie der in Werbefragen versierte Kollege Johannes B. Kerner in seiner Talkshow fragte, ob sie etwa für die „Weight Watchers“ werbe. Sie verneinte. Diese Lüge kostete sie ihren Job.

Und jetzt also das Comeback. Sie habe butterweiche Knie, beteuerte sie bei ihrem ersten Auftritt im „Fernsehgarten“, doch wer ihren Werdegang seit dem Rauswurf beim ZDF verfolgt hatte, kaufte ihr dieses Geständnis nicht ab. Tatsächlich schienen „Kiwi“, wie sie sich selber nennt, keinerlei Gewissensbisse zu plagen. Stattdessen schien sie sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Hätte sie sonst das Angebot angenommen, das ihr RTL schon im Frühjahr 2008 machte?

Für den Kölner Sender moderiert sie jetzt „Einspruch! – Die Show der Rechtsirrtümer“. Andrea Kiewel präsentiert sich dort in einer Rolle, die wie geschaffen scheint, um ihr Image als ausgebuffte Lügnerin zu widerlegen: Sie macht auf arglose Verbraucherin. In der Sendung kokettiert Andrea Kiewel damit, dass sie sich im Paragrafendschungel nicht zurechtfindet. Mit ironischem Unterton erklärt sie, sie frage sich oft: „Darf ich das? Darf ich das nicht?“

Wie zum Beweis stellt sie dann Fragen, die so abseitig sind, dass man sich fragt, ob sie sich tatsächlich ein Laie oder nicht vielleicht doch eher ein Jurist mit Prädikatsexamen ausgedacht hat. Zum Beispiel die, ob das Steak im Restaurant genauso schwer sein muss wie auf der Speisekarte angegeben. Ein Rechtsanwalt, der aus dem Fernsehen schon bekannte Ralf Höcker, steht ihr Rede und Antwort.

So schafft sie es, ihren Fauxpas in einen PR-Coup umzumünzen. Und so verkauft sie ihre Zuschauer für doof. Denn so naiv, wie Andrea Kiewel in der Show tut, ist sie keineswegs.

Man hätte sie gerne gefragt, was ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner dazu sagt, dass sie, kaum wieder rehabilitiert, bei RTL mit den dunklen Flecken auf ihrer blütenweißen Bluse hausieren geht. Sie hatte sich angeboten, Fragen schriftlich zu beantworten. Doch eine E-Mail bleibt unbeantwortet. Ihr Management erklärt auf Anfrage, es sei nicht mehr für sie zuständig. Man möge sich an RTL wenden. Die Pressestelle schlägt einen Termin für ein telefonisches Interview vor, macht aber kurz davor wieder einen Rückzieher. Frau Kiewel hätten die Fragen nicht gepasst, heißt es. Sie selber schickt dann doch eine E-Mail: „Zu dem Thema ist alles gesagt.“

Souverän ist dieser Umgang mit den eigenen Fehlern nicht. Wer damit im Fernsehen kokettiert, muss auch damit rechnen, darauf angesprochen zu werden. Kiewel blendet dieses Kapitel einfach aus. Auf ihrer Homepage findet sich kein einziger Hinweis auf den Schleichwerbeskandal. In ihrer Biografie listet sie unter der Überschrift „Werbung“ nur einen einzigen Job auf: „2000–2001: Testimonial für „,Philadelphia‘.“ In einem Interview mit dem Zentralorgan der Ostalgiker, der „Super-Illu“, räumte sie immerhin ein, dass sie nach ihrem Rauswurf freundliche und weniger freundliche Briefe bekommen habe. „Und danach habe ich dermaßen den Kopf eingezogen, dass ich nur sehr wenig gehört und gesehen habe. Aber irgendwann sprach mich eine Frau an, die sagte: „Der ,Fernsehgarten‘ ohne Sie ist wie ein Erdbeerkuchen ohne Erdbeeren.“

Ähnliche Gedanken mögen auch dem ZDF-Unterhaltungschef durch den Kopf gespukt sein. Sieben Jahre lang hatte Kiewel den „Fernsehgarten“ moderiert, einen bizarren Mix aus Bundesgartenschau und musikalischem Allerlei. Immer ein wenig atemlos, immer eine Spur zu fröhlich, um authentisch zu wirken. Wenn sie lacht, lachen ihre Augen nicht mit. Doch auf die vielen Zuschauer jenseits der 68 stieß ihre Art auf besonders viel Zuspruch. „Kiwi“, das gut gelaunte Mädchen aus dem Osten, ehemalige Leistungsschwimmerin in der Nationalmannschaft der DDR, ging auch dahin, wo es wehtut. Dafür liebten sie ihre Fans, vor allem die Männer. Eine wie sie sprang nach der Sendung schon mal mit Klamotten ins Wasser. Ihre nasse Bluse bot ungewohnte Einblicke.

Kein Wunder also, dass die Quote dramatisch einbrach, als das ZDF sie nach dem Schleichwerbeskandal herauswarf. Neben „Kiwi“ wirkte ihr Nachfolger, Ernst-Marcus Thomas, wie eine Baldriankapsel. Auf einer Webseite maulten Fans: „Kiwi ohne Fernsehgarten ist wie ein Pool ohne Wasser.“

Wer die Seite ins Netz gestellt hat, erfährt man nicht. War es möglich, dass sie Bestandteil einer Kampagne war, mit der das ZDF ihre Rehabilitation einläutete? Oder bereitete hier jemand selber sein Comeback vor? Die Kommentare zu der „Weight Watchers“-Affäre lasen sich wie bestellte Leserbriefe. „Aber ehrlich“, schrieb etwa ein gewisser „Hummel“, „das machen doch alle (behaupte ich jetzt mal)“.

Am 23. Oktober 2008 durfte die alleinerziehende Mutter zweier Söhne zum ersten Mal wieder im Zweiten auftreten, wenn auch nur als Kandidatin eines Promiquiz für die Welthungerhilfe. Das ZDF hatte sie zuvor nach Indien geschickt. Die Aufnahmen aus der Dritten Welt wurden als Einspieler während der Show gezeigt. Sie sollten wohl ihren Wandel zur Büßerin dokumentieren. „Kiwi“ in Kalkutta, auf der Säuglingsstation eines Missionskrankenhauses, mit Neugeborenen auf dem Arm.

Dieser Plan ging nicht auf. Die neue „Kiwi“ war die alte „Kiwi“. Sie steht wie bestellt und nicht abgeholt in den Slums. Sie sagt: „Mein erster Eindruck war: Entsetzen.“ Auch diesmal passt ihr Gesichtsausdruck nicht zum gesprochenen Wort: Sie grinst dabei.

von Antje Hildebrandt

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