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22:49 24.11.2013
Von Dirk Schmaler
Das Deutsche Fernsehballett hat besonders in Ostdeutschland eine lange Tradition. Quelle: dpa
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Berlin

Sie tanzten für Carmen Nebel und Florian Silbereisen, sie hatten Auftritte im ARD-„Tatort“ und in unzähligen Volksmusikshows. Das Deutsche Fernsehballett steht seit mehr als 50 Jahren für die ganz große Abendunterhaltung. Und doch steht die traditionelle Tanzgruppe nun offenbar vor dem Aus. Der Grund: Sie werden nicht mehr gebraucht. Für 2014 gebe es kaum gebuchte Auftritte im Fernsehen, sagte Ballett-Geschäftsführer Peter Wolf am Wochenende dem „Spiegel“. Und ein Fernsehballett ohne Fernsehauftritte habe nun einmal keinen Sinn.

Das Deutsche Fernsehballett hat besonders in Ostdeutschland eine lange wechselvolle Geschichte. 1962 wurde es in der DDR gegründet und hatte zahlreiche Auftritte im Deutschen Fernsehfunk. Die Tänzer traten regelmäßig in der großen Abendshow „Ein Kessel Buntes“ auf. Nach der Wiedervereinigung ging das Ballett in einer Gesellschaft des MDR auf, wo das etwa 30-köpfige Ensemble bis heute Auftritte hat.

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2012 kaufte der Künstlermanager und TV-Produzent Wolf das Fernsehballett. Zwar schrieb das Unternehmen auch bis dahin schon regelmäßig rote Zahlen, doch der Manager glaubte an den Erfolg. „Ich hab' ein Gespür für Trends und glaube fest an die Zukunft“, erklärte damals der Ballettinhaber Wolf, der praktischerweise auch Manager von TV-Sängern wie Vicky Leandros und Carmen Nebel ist. Eine finanzielle Wende ist ihm nicht gelungen. Die Fernsehmacher haben offenbar immer seltener Bedarf an den Tänzern, die Generationen von Schlagersängern fröhlich hüpfend bei ihren TV-Auftritten begleitet haben. Zuletzt bemühte sich auch der oft wegen seiner altmodischen Anmutung verspottete MDR um eine Modernisierung des Programms. Das führt fast automatisch zu weniger Ballett im Fernsehen. So wird die „José Carreras Gala“ vom MDR nicht fortgesetzt und wechselt in Kürze zu Sky. Zudem zelebriert Helene Fischer ihre Gala künftig im ZDF, und auch bei Florian Silbereisen soll das Deutsche Fernsehballett in Zukunft seltener auftreten.

Der Betrieb des Ensembles werde spätestens im März 2014 eingestellt, sagte Wolf am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht des „Spiegel“. Dies sei auch notwendig, weil der MDR bestehende Zusagen für Aufträge im Jahr 2014 nicht einhalten könne, erklärte Wolf. „Statt wie vereinbart 24 Auftritte wurden uns für das nächste Jahr schließlich nur sieben angeboten.“ Das sei das „Todesurteil“ für das Deutsche Fernsehballett.

Der MDR selbst will nichts von Zusagen über ein Auftragsvolumen wissen. „Die Kritik ist nicht angebracht“, sagte Sprecher Walter Kehr. „Wir haben alle Verträge mit Herrn Wolf eingehalten.“ Retten kann dies das Fernsehballett aber offenbar nicht. „Hier wird DDR-Kulturgut zu Grabe getragen“, sagt Wolf und fügte hinzu: „Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, aber sie ist unumstößlich.“

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