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Medien Der stumme Appell der Amanda Todd
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22:00 22.10.2012
„Ich habe mich entschieden, euch von meiner niemals endenden Geschichte zu erzählen“, beginnt Amanda Todd ihr Video. Sie schließt mit dem Appell: „Ich habe niemanden, ich brauche jemanden“. Quelle: YouTube
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Vancouver

Das auf YouTube veröffentlichte Video war der letzte Hilferuf der 15-Jährigen aus der Nähe der westkanadischen Stadt Vancouver. Fast neun Minuten lang hält sie eine beschriebene Karteikarte nach der anderen in die Kamera. Das Mädchen selbst ist nur teilweise, schwarz-weiß und undeutlich im Hintergrund zu erkennen. Doch wie sehr Cybermobbing ihr Leben zerstört hat, wird mehr als deutlich.

Millionen Menschen haben das Video von Amanda Todd seit ihrem Selbstmord vor rund zwei Wochen angeklickt. Tausende twitterten über den Fall oder unterstützten eine in ihrem Namen gegründete Facebook-Seite. Die traurige Geschichte ist keine Ausnahme – Cybermobbing gilt weltweit als wachsendes Problem. In Deutschland wurde Studien zufolge mindestens jedes dritte Kind schon einmal im Netz belästigt. Immer wieder machen Selbstmorde der Opfer Schlagzeilen und lösen Trauer und Entsetzen aus. Selten aber hat eine Betroffene ihre Leidensgeschichte so öffentlich und detailliert dargelegt – und damit so greifbar gemacht - wie Amanda Todd.

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In Kanada gilt sie schon als Symbolfigur für die möglichen schlimmen Folgen von Cybermobbing. Hunderte Menschen versammelten sich am vergangenen Freitag an Plätzen im ganzen Land und zündeten Kerzen für das Mädchen an. Schulen gedachten ihrer mit Schweigeminuten. „Ich habe keine Zweifel, dass Millionen von Menschen, die Amandas Video sehen – ob sie gemobbt werden, oder selber mobben – davon beeinflusst werden“, sagte Navi Gill, Organisatorin einer Gedenkveranstaltung. Die Premierministerin der kanadischen Provinz British Columbia, Christy Clark, forderte eine öffentliche Debatte über Cybermobbing.

„Ich habe mich entschieden, euch von meiner niemals endenden Geschichte zu erzählen“, beginnt Todd ihr Karteikarten-Video. In der siebten Klasse fängt sie an, im Internet zu chatten. Nur aus Spaß. Im Chat trifft sie Männer, die ihr Komplimente machten. Einer bittet sie um ein Foto ihrer nackten Brüste. Todd, jung und naiv, mailt es ihm. Er schickt es an ihre ganze Schule und lädt es bei Facebook hoch. „Ich kann das Foto nie zurückholen. Es wird immer irgendwo da draußen sein“, stellt Todd fest. Ihre Mitschüler fangen an, sie zu hänseln. „Ich habe jede Nacht geweint und alle Freunde verloren.“ Die Angriffe ihrer Mitschüler werden immer schlimmer, schließlich sogar gewalttätig. Todd bekommt Panikattacken und Depressionen, flüchtet sich in Alkohol und Drogen. Mehrmals wechselt sie die Schule, aber ihre Vergangenheit im Internet holt sie immer wieder ein. „Ich wollte nur noch sterben.“ Schließlich trinkt sie Bleichmittel und überlebt schwer verletzt. Ein zweiter Selbstmordversuch Anfang Oktober gelingt.

Die kanadische Polizei sucht intensiv nach dem Mann, der ein junges Mädchen in den Selbstmord trieb. Auch die Hackergruppe Anonymus möchte den Fall aufklären – auf ihre ebenfalls umstrittene Art. Per Online-Video wandten sich die Aktivisten an Todds Peiniger und stellten schließlich nach einer Online-Recherche Name und Adresse des angeblichen Täters ins Netz. Allerdings bestreitet der, Todd gemobbt zu haben. Anonymous will nun weiter nach dem Schuldigen suchen.

Christina Holsten

SAT.1-Thriller zeigt Gefahren im Netz

Terror aus dem Internet – das ist auch das Thema des Thrillers „online – Meine Tochter in Gefahr“, den SAT.1 heute Abend zeigt. Ein mysteriöser Unbekannter hackt heimlich den Computer von Katja (Annette Frier, bekannt als Serienheldin „Danni Lowinski“) und bringt die alleinerziehende Mutter zur Verzweiflung. Der Mann, der zu Hause an seinem Rechner jede E-Mail und jede Online-Banküberweisung Katjas mitlesen kann, zerstört systematisch und skrupellos das Leben der Frau, die lange Zeit keine Ahnung hat, aus welcher Richtung die Bedrohung kommt. Der Thriller  von Regisseur Oliver Dommengets spielt gekonnt mit der Angst jedes Internetnutzers vor dem Datenklau und seinen Folgen – die in Katjas Fall katastrophal sind.

Dabei fängt alles, wie im Thrillergenre üblich, relativ harmlos an: Katja macht sich eigentlich nur Sorgen um ihre minderjährige Tochter Jessy (Jamie Bick), die nur noch vor ihrem Laptop oder Smartphone sitzt, um mit einem ihrer vielen virtuellen „Freunde“ aus dem sozialen Netzwerk zu chatten. Einer davon ist der mysteriöse Unbekannte, und der Zuschauer weiß lange nicht, was die Person, die sich Chrissy nennt, im Schilde führt – handelt es sich um einen gefährlichen Sittenstrolch, der sich an die Minderjährige ranmacht? Ist der Chatpartner Katjas Ex-Mann und Jessys Vater, der auf diese merkwürdige Art Kontakt zu seiner Tochter halten will?

Als Katja schließlich der Kragen platzt und sie ihrer Tochter das Handy abnimmt und den Internetanschluss im Haus kappt, bricht die Verbindung logischerweise ab, was nicht nur Jessy auf die Palme treibt. Auch Chatpartner Chrissy ist erbost und startet online seinen ganz persönlichen Rachefeldzug. Er bestellt in Katjas Namen teure Sachen, die ihr Konto tief in die roten Zahlen treiben, kündigt ihre Wohnung und sorgt mit einer gefälschten E-Mail sogar dafür, dass die alleinerziehende Mutter ihren Job verliert.

Geschickt inszeniert Dommenget den virtuellen Raum als Ort, an dem jedes Geheimnis preisgegeben und an dem alles passieren kann – wenn es nur jemand darauf anlegt.

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