Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Der große „Check-Check“
Mehr Welt Medien Der große „Check-Check“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:18 15.04.2013
Von Imre Grimm
Im Fernsehen wird getestet und gecheckt, als ob’s kein Morgen gibt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Hannover

Wochenlang haben wir für Sie recherchiert. Dabei interessierten uns folgende Kriterien: a) Die Machart, b) Der Inhalt, c) Der Nutzwert und d) Die Schattenseiten. Los geht’s:

a) DIE MACHART: Keine „Check“-Sendung ohne flottes Kameragewackel und hübsche Unschärfeeffekte. Der technische Aufwand steht in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum Inhalt. Das Ganze sieht aus wie ein Lady-Gaga-Video über Zucchini. Nicht vergessen: ein animiertes Erledigt-Häkchen nach jedem Kapitel. Das wirkt, als habe der Mischmasch tatsächlich eine Struktur.

Anzeige

b) DER INHALT: Weite Teile der Sendung werden in Fußgängerzonen bestritten, wo studierte WDR-Redakteurinnen arglosen Passanten Testprodukte wie No-Name-Leberwurst oder Lavendelshampoo aufschwatzen („Was wissen die Menschen wirklich über Kartoffelstampfer?“). Nicht vergessen: Einkaufskorb, Klappaufsteller mit Sendungslogo, die obligatorische Expertin im Blazer und den unsympathischen Lobbyisten. Auch gern genommen: Weißkittelträger für die unverzichtbare Zentrifugenszene im Labor und Reporterinnen mit Designerbrille, die ihre „Rechercheergebnisse“ mit Konfirmandenschrift auf Post-its schreiben und an eine gut ausgeleuchtete Glasscheibe heften. Sieht nach Mordkommission aus, auch wenn’s in Wahrheit um Toaster geht.

c) DER NUTZWERT: Sensationell. Eine spektakuläre Erkenntnis jagt die nächste. Gemüse ist besser als Milchschnitte. Elektrogeräte gehen kaputt. Biofleisch ist ganz schön teuer, muss aber auch nicht jeden Tag sein. Lidl ist manchmal billiger als Aldi, oder auch umgekehrt, je nachdem. Apple versucht, so viel Geld zu verdienen wie möglich. Coca-Cola enthält Zucker. Fisch wird irgendwann schlecht. Abgelaufene Medikamente sind abgelaufen. Irgendwann kommt der „Große ARD-Illuminations-Check“ mit dem Servicetipp: „Wenn’s dunkel ist, schalten Sie einfach das Licht an!“ Und: Atmen nicht vergessen.

d) DIE SCHATTENSEITEN: Kapitel vier wirft stets ein Schlaglicht auf die dunkle Seite der Materie. Sonst nölen die Gremien und Kritiker (Werbesendung!). Huch: Apple beschäftigt Chinesen. Huch: Schokolade wächst gar nicht im Alten Land. Huch: Zucker erhöht das Diabetesrisiko. Huch: „Check“-Sendungen liefern gar keine originellen Erkenntnisse, sondern billige Allgemeinplätze, für die gesunder Menschenverstand und solides Allgemeinwissen ausreichen.

UNSER CHECKURTEIL lautet daher: „Check“-Sendungen sind aufwendig inszenierte öffentlich-rechtliche Leerstunden voller pseudowissenschaftlich aufgemotzter Belanglosigkeiten, die außer ein paar Serviceredakteuren absolut niemandem nützen. Und damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.