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13:49 28.03.2015
Sarah Brandt (Sibel Kelkilli) und ihr Jugendschwarm Thorsten Rausch  (Tom Wlaschiha) .
Sarah Brandt (Sibel Kelkilli) und ihr Jugendschwarm Thorsten Rausch  (Tom Wlaschiha) . Quelle: ARD
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Kiel

Ein Augenaufschlag, ein nervöser Blick zur Seite, ein zartes Erröten: Sibel Kekilli verhält sich im jüngsten Kieler „Tatort“ so wie das Groupie einer Boyband. Grund dafür ist Torsten Rausch alias Rauschi, der früher mit ihren älteren Brüdern abhing. Angesichts ihres Kinderschwarms verhält sich Kekilli wieder wie das picklige kleine Mädchen von damals und berührt ihren Kollegen Klaus Borowski (Axel Milberg) peinlich mit ihren enthusiastischen Rauschi-Rufen.

Es hat gute Tradition, dass sich „Tatort“-Kommissare zu den düsteren Gestalten hingezogen fühlen, die ihnen im Laufe der Ermittlungen begegnen. Doch so platt muss es dann doch nicht sein, so fremdgeschämt hat man sich für diese Schauspielerin selten. Der Rauschi war damals natürlich unglaublich cool. Das ist Darsteller Tom Wlaschiha immer noch, wenn er als norddeutsche Karikatur des Westernsheriffs in schwarzer Ledermontur sein Viertel durchstreift. Doch unter der Fassade tritt nach und nach ein verletztes Ich zutage, so die vorhersehbare Dramaturgie des Krimis (Drehbuchautoren: Eva und Volker Zahn). Wlaschiha, der im sächsischen Dohna zur Welt kam, entwickelt hier aber immerhin streckenweise eine ähnliche dämonische Anziehungskraft wie als mysteriöser Killer in der Serie „Game of Thrones“, in der auch Kekilli bis zur letzten Staffel mitspielte.

Die Geschichte spielt im Kieler Problemviertel Gaarden. Dort wird ein Mann ermordet, der wegen Pädophilie vorbestraft war. Von den Nachbarn will niemand gemerkt haben, dass bei ihm ständig Kinder zu Gast waren und wilde Partys feierten. Ein Handyvideo zeigt den 15-jährigen Timo in verfänglicher Situation mit dem späteren Opfer. Doch Timo bestreitet, missbraucht worden zu sein.

„Die Kinder von Gaarden“ – der Titel klingt nach den „Kindern von Eden“. Im gleichnamigen Roman von Ken Follett wird eine Kommune zu Terroristen, weil die Menschen für den Bau eines Atomkraftwerks zwangsenteignet werden sollen. Die Umstände machen die Täter – so lautet auch die Grundaussage des Kieler „Tatorts“.

Dessen beste Szenen zeigen Borowski, wie er die Gettojungs befragen will und von ihnen mühelos brüskiert wird. Ein Teenager greift sich in den Schritt und sagt: „Willste auch mal?“ Prekariat trifft auf Beamten im Gaarden Eden, da verliert Borowski sogar seine sonstige friesische Gelassenheit. Da kann er dann schon mal seinen pikierten Gesichtsausdruck trainieren, bis seine Partnerin Sarah Brandt wieder ankommt: „Rauschiiiiii!“

r.

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