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13:01 21.12.2012
In der Woche nach Weihnachten gibt es wieder besonders viele „Tatort“-Premieren: drei in sieben Tagen. Quelle: dpa
Berlin

Für „Tatort"-Fans wird 2013 ein ereignisreiches Jahr: fünf neue Teams gehen an den Start. Es gilt, den Überblick zu bewahren und sich im Kalender Termine anzustreichen. Die Schlagzahl ist erhöht. Mit 35 Erstausstrahlungen und viel Theater rund um die Krimireihe waren die vergangenen zwölf Monate bereits ein bewegtes „Tatort"-Jahr.

Am 27. Januar sendet die ARD den Fall „Melinda", der erste neue Saarbrücker „Tatort" mit Devid Striesow und Elisabeth Brück (als Jens Stellbrink und Lisa Marx). Und wahrscheinlich folgt am 10. März (der NDR bestätigt es noch nicht) der lang erwartete neue Hamburger „Tatort" mit Ermittler Nick Tschiller (gespielt von Til Schweiger) und seinem Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim).

Holt der actionreiche Schweiger-Premierenfilm „...und bist du nicht willig" von Regisseur Christian Alvart, in dem es um Kinderprostitution geht, sogar eine höhere Quote als die klamaukigen Münsteraner Rekord-Krimis mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers?
Ende 2013 geht in Erfurt das bislang jüngste Ermittlerteam (Alina Levshin (28), Friedrich Mücke (31) und Benjamin Kramme (30)) auf Verbrecherjagd, außerdem tritt Wotan Wilke Möhring als norddeutscher Ermittler Thorsten Falke an (der erste Fall spielt in Hamburg, trotzdem soll es keine Schweiger-Konkurrenz sein).

Und zu Weihnachten kommenden Jahres gibt es dann den ersten skurrilen Krimi aus Weimar mit Christian Ulmen und Nora Tschirner (er als vornamenloser Kommissar Lessing und sie als Kommissarin Kira Dorn). „Wir beide werden garantiert den weltbesten „Tatort" machen", sagte Ulmen kürzlich ganz unbescheiden der Zeitschrift „TV Movie".

Was das ablaufende Jahr angeht, so ist sich die TV-Nation uneins: War 2012 ein gutes „Tatort"-Jahr oder eine harte Probe? Kaum eine Woche ohne News rund um die beliebte ARD-Krimireihe. Manchen Zuschauer hat das viele „Tatort"-Theater irritiert.

„Das fängt an, auch mich zu nerven", antwortete etwa (der ebenfalls manchen nervende) Thomas Gottschalk in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einer Leserin, die von ihm wissen wollte, wie er sich die Liebe der Deutschen zum „Tatort" erkläre. Und „Stromberg"-Darsteller Christoph Maria Herbst gestand der Illustrierten „Bunte": „Ich habe da komplett den Überblick verloren."

Sogar einige „Tatort"-Kommissare zeigten sich verwundert: „Der „Tatort" ist eine Blase geworden", sagte Ulrich Tukur (der hessische Ermittler Felix Murot, der 2012 keinen Fall im TV hatte) im dpa-Interview. „Es gibt ja fast keine deutsche Stadt mehr über 100 000 Einwohner, die nicht über einen „Tatort"-Kommissar verfügte."

Der Berliner TV-Ermittler Dominic Raacke sagte dem „Focus", die ARD müsse aufpassen, „die Marke „Tatort" nicht immer weiter aufzublasen, am Ende platzt sie noch." Und auch der neue Dortmunder TV-Polizist Jörg Hartmann kritisierte im Magazin „In" die Ermittler-Inflation. „Ich finde es sehr schade, dass die meisten Kommissare keinen persönlichen Bezug mehr zum Ort der Ermittlungen haben."

Was einen guten „Tatort" ausmacht, ist eh umstritten. Die einen wollen es möglichst authentisch, die anderen so künstlich wie geht, einige mögen Krimis, wenn sie sozial engagiert sind, die anderen eher politisch unkorrekt, wieder andere wollen es lustig und die nächsten möglichst ernst oder experimentell. Tukur sagte: „Da muss man mal aus der Reihe fallen dürfen und bei aller Unterhaltung auch ein wenig anstrengen und den Zuschauer etwas höher springen lassen. Sonst wird am Ende alles seicht und beliebig."

Der neue Saar-„Tatort"-Star Devid Striesow meinte: "Sich Sonntagabend um 20.15 Uhr überraschen zu lassen, das wäre meine Motivation den Fernseher anzuschalten!" Er will vielfältige Krimis: „Ich finde es gut, aus jeder Richtung angeregt zu werden: Action, Comedy, Beziehungskisten."

Auf der Karte der Ermittler in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden sich ab 2013 sage und schreibe 21 „Tatort"-Teams. Rechnet man den für 2014 angekündigten Franken-„Tatort" noch dazu, sind es bald 22. Einzige Bundesländer ohne Ermittler sind Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dort ist aber der "Polizeiruf 110" zu Hause.

Bei all den inzwischen angeheuerten Schauspiel-Stars und der begrenzten Zahl von Erstausstrahlungsplätzen am Sonntagabend (es gibt ja noch den „Polizeiruf 110" sowie eine Sommerpause) kommen viele „Tatorte" nur noch einmal im Jahr: Schweiger, Möhring, Tukur, aber eben auch Weimar, Erfurt, Saarbrücken und künftig auch Maria Furtwängler (Charlotte Lindholm/Hannover) machen noch höchstens einen Film pro Jahr.

In der Woche nach Weihnachten gibt es wieder besonders viele „Tatort"-Premieren: drei in sieben Tagen. Am 26. Dezember den Frankfurter Fall „Im Namen des Vaters" (mit Joachim Król und Nina Kunzendorf als Steier und Mey), am 30. Dezember den Münchner Film „Der tiefe Schlaf" (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl als Batic/Leitmayr) und am Neujahrstag den Kölner Krimi "Scheinwelten" (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Ballauf/Schenk).

dpa

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