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Medien Das Heft in der Hand trotzt dem Internet
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18:44 23.08.2009
Von Dany Schrader
Zum Lesen oder nur zum Durchblättern? Jugendzeitschriften gibt es reichlich. Quelle: Ralf Decker
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Es ist kein guter Tag für Hollywoodschauspielerin Miley Cyrus. Zumindest nicht, wenn es nach dem Eintrag im Internetforum auf Bravo.de geht. „Immer nur diese Disney-Stars auf dem Cover“, schimpft da eine Mandy über die Hauptdarstellerin der Erfolgsfernsehserie „Hannah Montana“. Der Eintrag endet mit der Frage: „Wann macht ihr endlich mal wieder etwas über Monrose?“

Es ist nicht leicht für ein auf Starberichterstattung ausgerichtetes Jugendmagazin in Zeiten einer zersplitterten Popwelt. Die Stars, auf die sich ganze Massen an Fans einigen konnten, sind spätestens seit Mitte der neunziger Jahre und dem Ende der Boyband „Take That“ verschwunden. Die Redaktion des Jugendmagazins „Bravo“ nimmt die Meinung seiner Leser daher besonders ernst. Das zahlt sich neuerdings wieder aus. Während die meisten Kinder- und Jugendzeitschriften deutlich an Auflage verloren haben, verzeichnet die „Bravo“ seit zwei Jahren Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. In Zeiten der Krise ist das fast schon ein kleines Wunder.

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Den neuen Erfolg des Magazins, das den Lesern inzwischen 1,40 Euro ihres Taschengeldes wert sein muss, macht Chefredakteur Tom Junkersdorf an drei Säulen fest: Stars, die in bunten Collagen die Titelseite zieren, die Aufklärungsarbeit des inzwischen legendären Dr.-Sommer-Teams und das Engagement der Zeitschrift im echten Leben der Leser, die etwa Ausbildungsplatzaktionen oder Diskussionsrunden in Schulen organisiert. Bravo ist der gute Freund, den man einfach braucht“, sagte Junkersdorf im Juli im „kressreport“.

Was das bedeutet, zeigte sich zuletzt im Juli: Nach dem Tod von Michael Jackson waren Magazin und Leser in Trauer vereint. Erstmals in seiner 53-jährigen Geschichte lag das Magazin am 1. Juli mit schwarzem Titelbild am Kiosk. Die Ausgabe verkaufte sich 576 615-mal und verbuchte damit ein Plus von 31,8 Prozent im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr.

Dabei hatten viele Experten die Traditionszeitschrift schon totgesagt. Seit Mitte der neunziger Jahre wollten immer weniger Kinder und Jugendliche über die Stars aus der „Bravo“ lesen, die Auflage sackte von fast eineinhalb Millionen bis auf knapp verkaufte 400.000 Exemplare pro Woche ab. Seitdem geht es aber wieder bergauf: Offenbar bietet das reichhaltige, aber unübersichtliche Angebot im Internet nicht allen Orientierung. Mit welchem Popsternchen man auf dem Schulhof punkten kann, steht offenbar immer noch am verlässlichsten in der „Bravo“. Und auch wenn hinter jedem Mausklick Jugendliche inzwischen auf nackte Haut treffen, bleiben Fragen nach dem Erwachsenwerden und der Sexualität oft unbeantwortet – und sind damit ein Fall für das Dr.-Sommer-Team.

Dass sich Kinder und Jugendliche beim Konsum von Medien gern an Bewährtem orientieren, belegt auch die „Kids Verbraucher Analyse 2009“. Demnach steht die gute alte „Micky Maus“ noch immer auf Platz eins der beliebtesten Kinderzeitschriften, dicht gefolgt von „Disney – Lustiges Taschenbuch“ an zweiter Stelle. Zwischen den Klassikern und Zeitschriften, für deren Titel Comicfiguren wie „Prinzessin Lillifee“, „Pokémon“ und „Petersson und Findus“ Pate stehen, und die auch als Marketingwerkzeug für Fernsehserien funktionieren, hat seit ein paar Jahren ein weiteres erfolgreiches Kindermagazin eine Nische für sich gefunden: „Geolino“. Der Ableger des Wissensmagazins „Geo“ erklärt seit 1996 seinen jungen Lesern die Welt. Und das durchaus erfolgreich. Den speziellen Themenmix habe es bisher in dieser Form noch nicht in einer Kinderzeitschrift gegeben, sagt „Geolino“-Chefredakteur Martin Verg. Zwar würden die jungen Leser in Umfragen stets angeben, sich für die Sport, Stars und Schminktipps zu interessieren. In „Geolino“, sagen die Leser, wollten sie diese Themen gar nicht lesen. „Wichtig ist vor allem, dass man den Lesern auf Augenhöhe begegnet.“