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00:15 14.11.2013
Von Imre Grimm
„Kacka Anna Nopita Terijaki“: Die deutsche Siedlerin Mila (Emilia Schüle) und Indianer Buffalo Hump (Wesley French) kommen sich näher. SAT.1 Quelle: SAT.1
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Kacka Anna Nopita Terijaki“, sagt der Indianer. Er steht auf einer Wiese in Südafrika, die aussehen soll wie die texanische Prärie. Dazu erklingt Musik, die gerne von John Barry gewesen wäre. „Hucka Packa Kucko Hammer“, sagt der Indianer und guckt verstopft. Das soll Indianersprache sein, sie haben sie extra für den Film entwickelt. Es klingt aber eher wie Kalle Blomquists „Räubersprache“ oder eine Speisekarte im Asia-Imbiss. „Träume sind wie Sonnenaufgänge – sie zeigen uns die Zukunft“, schwurbelt ein anderer Indianer. Das ist inhaltlich zwar Murks, macht sich aber hübsch im Postkartenshop. Damals, als wir Kinder waren, erzählten sie uns, Indianer tränken warmen Apfelsaft und kennten keinen Schmerz. Heute machen sie stattdessen solche Filme.

SAT.1 hat einen Western drehen lassen. Da schlägt sich also eine arme schlesische Weberin und Jungwitwe namens Mila 1844 ganz allein nach Amerika durch, in rehäugiger Grazie gespielt von Emilia Schüle („Tatort: Wegwerfmädchen“, „Helden“). Im Schiffsbauch singen die Auswanderer gemeinsam „Kein schöner Land“. Das Orchester übernimmt, die Musik schwillt an, der Wind bläht die Segel – und das ist schon die schönste Szene im ganzen Film. Das Problem ist bloß: Sie kommt nach fünf Minuten.

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Natürlich ist „In einem wilden Land“ nicht der erste Western, in dem falsche Indianer in allen möglichen prärieähnlichen Weltgegenden unter Umgehung sämtlicher Fakten allerhand Wirres tun. Viele meinen, dass die Berge im alten Jugoslawien sowieso die besseren Rocky Mountains sind. Aber das hier ist doch arg burlesk. Mila verdingt sich im Treck eines Preußenprinzen als Zofe der kreuzunglücklichen Gräfin und frühen Homöopathin Cecilie (übellaunig: Nadja Uhl), deren Gatte Arnim ein gewalttätiger und machtgeiler preußischer Oberst ist (noch übellauniger: Benno Fürmann). Derweil kündigen sich im hohen Gras frisurreiche Komantschen an wie der T-Rex in „Jurassic Park“. Es fehlt nur noch das zitternde Wasserglas. Schließlich landen Gräfin und Zofe am Marterpfahl.

Zum Film

„In einem wilden Land“

SAT.1-Westernmelodram mit
Emilia Schüle und Gojko Mitic.

Dienstag, 20.15 Uhr

HAZ-Wertung: Verunglückt

Ein Hauch von historischer Akkuratesse soll das Melodram unterfüttern: Mitte des 19. Jahrhunderts lockte Amerika mit Träumen von Freiheit und Gleichheit. Der „Mainzer Adelsverein“ lotste Tausende deutscher Handwerker und Bauern nach Texas, auch in der Hoffnung auf neue Märkte in der Kolonie. Noch heute pflegen Deutschstämmige im „German Belt“ in New Braunfels oder Fredericksburg ihr Brauchtum. Alles schön und gut. Aber es ist halt ein SAT.1-Film. Mit einem smarten Neowestern hat das schwergängige Melodram von Regisseur Rainer Matsutani so viel zu tun wie SAT.1 mit der Marktführerschaft. Auch wenn man den Mut würdigen muss, sich überhaupt an das schwierige Genre zu wagen.

Jeder Westernmacher kämpft mit großen Vorbildern, vordefinierten Erwartungen, tradierten, ikonografischen Bildern. Und 1700 Statisten, 140 Stuntleute, 400 Tiere sind für eine deutsche Produktion ja auch eine eindrucksvolle Grundlast. Aber das große Versprechen, das dieser Film – auch mit der Titelanlehnung an das Hollywood-Epos „In einem fernen Land“ – abgibt, hält er nicht ein.

Das liegt nicht einmal an den Bildern, auch wenn die natürlich nicht die staubig-schwelgerische Schönheit von „Rio Bravo“ oder den groben Charme manches Italo-Western erreichen. Das liegt daran, dass mancher Nebendarsteller schauspielerisch ans Limit gerät. Und am irrlichternden Drehbuch: Von „Rothäuten auf dem Kriegspfad“ ist da ernsthaft die Rede, vom „großen Rohr aus Eisen“, und Milas Indianername lautet tatsächlich „Frau mit dem Donnerherzen“. Das ist peinliche Feuerwasser-Lyrik.

Dazu gibt’s die ewigen Rohe-Leber-Knabbereien, die gebrochenen Planwagenräder und einmal mehr den großen alten Klassiker des Wild-West-Dialogs: „Wie viele Weiße werden noch kommen?“ – Schweigen. Dramatischer Blick. – „Viele.“ Im Western nichts Neues also. Zäh wie der Mississippi fließt die Sache dahin. Motive und Ziele der Figuren bleiben unklar. Wer reitet warum wohin? Was soll die Rangelei jetzt wieder? Warum schießt Fürmann mit Pfeil und Bogen? Warum spricht der Indianer Buffalo Hump (Wesley French) Deutsch? Warum sieht Fort Cooper aus wie ein Pfadfinder-Sommerlager? Und warum versteht sich Mila plötzlich als Kulturbotschafterin? Nur weil sie einmal mit einem Komantschen geschlafen hat?

Den Häuptling der Ureinwohner spielt Gojko Mitic (73), „Chef-Indianer“ der DEFA und „Winnetou des Ostens“, der sogar selbst spricht. In der DDR wurde er noch synchronisiert, der Produktionsleiter fand damals: „Unsere Indianer sprechen einwandfreies Deutsch.“ Aus diesem Besetzungscoup freilich macht der Film nichts. Am Ende bleibt kaum mehr haften als „Kacka Anna Nopita Terijaki“.

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