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Medien Comedy-Elite sagt "Danke, Dirk"
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06:15 05.10.2012
Quelle: dpa
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Köln

Einzig ein paar Kollegen erwiesen dem kleinen großen Mann des deutschen Fernsehens auf dem roten Teppich vor dem Coloneum in Köln die letzte Ehre. Heinrich Schafmeister, Michael Kessler und Dietmar Bär trugen "Danke Dirk"-Aufkleber auf dem Smoking-Revers. Der Tod Bachs, er war nur in Nebensätzen der Rede Wert. Mit dem Moderatoren-Duo aus Heute-Show-Moderator Oliver Welke und Comedian Olaf Schubert regierte in diesem Jahr Witz und Selbstironie auf der großen Bühne. Später gab es Austern und Champagner auf der Galaparty. Fürs Trauern blieb da wenig Platz.Seit 14 Jahren wird der Deutsche Fernsehpreis in Kooperation der vier größten Sender, ARD, ZDF, RTL und Sat.1, vergeben – eine Veranstaltung nach dem Vorbild der US-amerikanischen Emmys.

Und dann doch nur eine von vielen beliebigen Preisverleihungen im deutschen Fernsehen, die mit den immer gleichen Kategorien aufwarten. Einziger Unterschied: Man verzichtet auf jegliche Art von Showprogramm. Die Emotionen der Preisträger sollen reichen. Da dieser Plan bisher nicht aufging, scheint es den Sendern, die in abwechselnder Reihenfolge die Regie übernehmen, offenbar auch nicht möglich, die Verleihung direkt zu übertragen. Heute Abend erst wird der Fernsehpreis im ZDF ausgestrahlt – als Zusammenschnitt der schönsten Momente eines in Wahrheit langwierigen Prozederes bei dem am Ende Norbert Blüm den Ehrenpreis fürs Lebenswerk übergeben dürfte. Den bekam in diesem Jahr Frank Elstner, der Mann der bei einem Glas Rotwein "Wetten, Dass...?" erfunden haben soll.

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Vor Jahren schon entbrannte Kritik am Fernsehpreis, dass die eigentlichen Macher, die die hinter der Kamera arbeiten, keine Erwähnung finden würden. In diesem Jahr gab es nur wenige Stunden vor der prunkvollen Gala die Reaktion darauf: 2013 will die deutsche Akademie für Fernsehen einen Tag vor der Verleihung ihren eigenen Preis für kreative Einzelleistungen in der Branche vergeben.Als kreative Einzelleistung gilt auch die Arbeit der Bild und Tonfabrik, die die Talkshow Roche und Böhmermann seit Frühjahr diesen Jahres auf ZDFneo produzieren. Für die beiden Firmengründer und Studenten der Kunsthochschule Köln, Phillip Käßbohrer und Matthias Schulz, gab es den Förderpreis. 

Der Rest: absehbar.Wotan Wilke Möhring  wurde die Trophäe als bester Schauspieler für "Der letzte schöne Tag" übergeben. Ein  Film über einen Familienvater, der angesichts des Selbstmords seiner Ehefrau wie im Schockmodus zu funktionieren scheint. Barbara Auer und Ina Weisse ("Das Ende einer Nacht") wurden von der Jury als beste Schauspielerinnen geehrt. Und weil die Moderationskumpel Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Unlauf derzeit auf einer beneidenswerten Erfolgswelle schwimmen, beim Preis für die beste Unterhaltungssendung aber gegen die ProSieben/Sat.1-Produktion "The Voice" verloren, gab es für die  zwei schnell noch den Preis für besondere Leistungen im Fach Unterhaltung.Ansonsten glänzte die wirklich  große Fernsehprominenz durch Abwesenheit. Markus Lanz - keine Zeit vor der "Wetten, dass ...?"-Premiere am Sonnabend. Jörg Pilawa - mit der Familie in den Herbstferien. Jauch, Gottschalk, Schmidt - ebenfalls nicht da. Warum, darüber lässt sich vor allem im Fall von Gottschalk und Schmidt spekulieren: Wollten die beiden nach ihrem persönlichen Krisenjahr 2012 nicht zu Nebendarstellern werden unter all den glücklichen Gewinnern? Oder verzichten mittlerweile auch die Altmeister der TV-Unterhaltung lieber aufs langwierige Live-Erlebnis, wenn man zwei Tage später die ehrlichsten Freudentränen von der Couch aus bewundern kann? Möglich. Und vielleicht sieht man dann auch noch mal die schönsten Momente aus den letzten Jahren mit Dirk Bach. Das Fernsehen macht's möglich. 

Die Preisträger: Bester Fernsehfilm: "Das Ende einer Nacht" (ZDF). Bester Mehrteiler: "Der Mann mit dem Fagott" (ARD). Beste Serie: "Der letzte Bulle" (Sat.1). Bester Schauspieler: Wotan Wilke Möhring ("Der letzte schöne Tag"). Beste Schauspielerin: Barbara Auer und Ina Weisse ("Das Ende einer Nacht"). Beste Dokumentation: "Nine Eleven" (ZDF). Beste Reportage: "ZDFzoom: Mr. Karstadt" (ZDF). Beste Information: "Stern TV" (RTL). Beste Sportsendung: "Für ihre Spielanalysen zur Fußball-Europameisterschaft" (ARD) Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl. Beste Unterhaltung Show: "The Voice of Germany" (ProSieben/Sat.1). Beste Unterhaltung Doku/Dokutainment: "Cover my Song" (Vox). Beste Comedy: "Knallerfrauen" (Sat.1). Publikumspreis (Bestes Frühstücksfernsehen): "Moma - Das Erste am Morgen" (ARD). Ehrenpreis der Stifter fürs Lebenswerk: Frank Elstner. Fernsehpreis für Besondere Leistungen: Bereich Fiktion: Hermann Joha. Bereich Information: Stephan Lamby. Bereich Unterhaltung: Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt. Förderpreis: Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz, Produzenten der Sendung "Roche & Böhmermann".

Nora Lysk

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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