Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Christian Ulmen über „jerks.“: „Ich bin privat eitler als vor der Kamera“
Mehr Welt Medien Christian Ulmen über „jerks.“: „Ich bin privat eitler als vor der Kamera“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:54 13.06.2019
Christian Ulmen Quelle: Foto: André Kowalski/Pro7

Herr Ulmen, schaut man sich Ihren Wikipedia-Eintrag an, findet man neun Berufsbezeichnungen: Sie sind unter anderem Regisseur, Schauspieler, Filmeditor, Satiriker …

Unangenehmer Eintrag, ja. Ich fände gut, wenn da nur „Fernsehen und Streamingdienste, Deutschland“ stünde. Im Hotel gebe ich „Schauspieler“ an, das Finanzamt führt mich unter „Künstler, freischaffend“. All das ist natürlich wurscht …

Sie stehen mit ihrer Ehefrau und ihrem besten Freund Fahri Yardim vor der Kamera. Fällt es schwer, als Regisseur dann so nahestehenden Personen Ansagen zu machen?

Fahri freut sich riesig, denn er hat selten das Drehbuch gelesen und verlässt sich auf klare Anweisungen. Und für meine Frau ist es auch schön, denn als Regisseur erlebt sie mich offen und zugewandt, also ganz anders als zu Hause. Letztlich verstehe ich meinen Job wie den eines Robinson-Club-Animateurs. Gute Laune für alle. Ich finde Regisseure schwierig, die permanent „Konzentration!“ rufen und „Leute, so geht das nicht!“ Das lasse ich deshalb meinen Regieassistenten übernehmen und verhalte mich selber so wie ich es mir als Schauspieler immer von meinen Regisseuren gewünscht habe.

War das auch der Grund, warum Sie selbst Filme machen wollten?

„jerks.“ ist tatsächlich auch ein Experiment gewesen, alles wegzulassen, was mich am Filmemachen immer gestört hat. Das energieraubende Warten ob langer Umbauzeiten zum Beispiel. Wir verzichten auf Lichtsetzen, drehen nur mit vorhandenem Licht, dadurch geht alles schneller. Außerdem habe ich nie verstanden, warum Szenen vorab geprobt wurden. Wenn die Kamera Wochen später lief, war eh alles anders. Ich fand immer das Ungeprobte spannender. Und Text gibt es bei uns auch nicht, der auswendig gelernt würde, nur einen Handlungsstrang. Die Wörter muss jeder selber finden, der Schauspieler hat maximale Verantwortung für seine Figur, was die Kollegen sehr genießen. Das hätte auch alles schiefgehen können – aber es ist mir eine Genugtuung, dass es funktioniert und solchen Spaß macht.

Ein „Tatort“-Dreh muss für Sie dann hart sein.

Der „Tatort“ ist eine völlig andere Nummer und mit „jerks.“nicht zu vergleichen. Klar wird der konventioneller gedreht, aber nach einem halben Jahr „jerks.“ weiß ich Lichtumbaupausen sogar ein wenig zu schätzen: Man kann was essen in der Zeit, Nora (Tschirner) zuhören oder einen alten Freund anrufen. Wann kommt man schon dazu?

Wie eitel sind Sie? Als Regisseur könnten Sie ja alles rausschneiden, was Ihnen nicht gefällt.

Wenn ich alles aussortieren würde, wo ich bescheuert aussehe, dann wäre ich in zwei Jahren nicht fertig. Ich bin privat eitler als vor der Kamera – seltsamerweise. Ich achte darauf, dass ich nicht wie ein Penner aussehe, wenn ich aus dem Haus gehe und dass das Hemd sitzt, aber es stört mich nicht, wenn man in „jerks.“ sieht, wie ich beim Scheißen gucke. Wohl ein Zeichen dafür, dass ich die Serienfigur komplett von mir abgespalten habe und meine privaten Befindlichkeiten hier nicht gelten. Es wird alles der Serie untergeordnet. Vielleicht ist meine Eitelkeit hier auch meine Nichteitelkeit. Keine Ahnung.

Darf Ihre Tochter eigentlich „jerks.“ gucken?

Sie kommt manchmal in den Schnitt. Manche Sachen darf sie sehen, viele natürlich auch nicht. Ich habe eine sogenannte „aktive Ecke“ unten links am Bildschirm, wenn ich da den Mauspfeil hinziehe, geht sofort der Bildschirmschoner an und meiner Tochter wird der Blick auf ihren Vater beim Urologen rechtzeitig verwehrt.

In der neuen „jerks.“-Staffel geht es auch darum, dass sich Ihre Figur unglaublich schwer damit tut, eine Beziehung zu beenden. Wie sehr ist das autobiografisch?

Als erwachsener Mensch war ich nicht mehr in so vielen Beziehungen, aber als junger Mensch wollte ich nie jemanden enttäuschen. Damit hatte ich große Schwierigkeiten. Ich habe mich beim Schlussmachen stets feige aus der Affäre gezogen – zum Beispiel durch einen plötzlichen Umzug.

Sie sind seit mehr als 20 Jahren im Showbusiness, denken Sie manchmal ans Aufhören?

Ich bin erst Anfang 40! Ich habe es mir gerade herrlich eingerichtet. Ich arbeite zuhause, ich drehe vor der Haustür. Ich sehe meine Familie jeden Tag. Und dann fahre ich ab und an mal nach Weimar für den „Tatort“. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dringend aufhören zu müssen, weil’s nervt. Im Gegenteil.

Von Lena Obschinsky

Deutschlands beliebteste Fernsehreihe „Tatort“ geht in Sachen Erstausstrahlungen in die Sommerpause – in einem überraschend starken Jahrgang. Oder?

13.06.2019

Nintendo verzichtete bei der E3 2019 auf eine Pressekonferenz und gab stattdessen wichtige Highlights im Rahmen der Nintendo Direct bekannt, darunter The Witcher 3 für die Switch, Zelda: Breath of the Wild 2, Luigi’s Mansion 3 und Animal Crossing.

13.06.2019

Deutschlands „Top Chef“ steht fest. Am Mittwochabend lief das Finale der Sat.1-Kochshow um Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann. Auf Mallorca mussten sich die letzten zwei Kandidaten einer ganz besonderen Challenge stellen.

13.06.2019