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Medien Cascada und das vermeintliche Plagiat
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18:23 18.02.2013
Von Imre Grimm
Cascada Quelle: dpa
Hannover

Ein paar halbherzige Radioaktivitäten, ein paar Pflichtminuten in „Brisant“ - das war’s. Keine Spur von einer raabschen Welle, einem landesweiten Hype gar. Dann kommt die Show, die Quote bleibt mau - aber keine 24 Stunden später redet sich das halbe Land die Köpfe heiß über den deutschen Beitrag „Glorious“ des Bonner Dance-Trios Cascada. Künstlerpech.

Der Auslöser ist banal und verrät viel über die Ökonomie der Aufmerksamkeit, deren Regeln ein solches Event nun mal folgt: Die „Bild am Sonntag“ pflanzt sich an die Spitze derer, die den Siegersong aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen - und setzt die 31-jährige, frisch promovierte „Phonetikerin“ Dr. Tina John („Sprechstunde: nach Vereinbarung“) von der Universität Kiel darauf an. John hat ihre Magisterarbeit zum Thema „Eine akustische Analyse der Lenis/Fortis-Opposition in Varietäten des Sächsischen“ geschrieben und scheint schon deshalb prädestiniert für die Feinheiten des europäischen Discopop.

Dr. Tina John kommt zu dem Schluss, dass es zwischen Cascadas „Glorious“ und Loreens schwedischem Siegerlied „Euphoria“ Übereinstimmungen gebe - analysiert mittels eines „Oszillogramms und Sonagramms in dreidimensionaler Frequenzdarstellung“, was so irre wissenschaftlich klingt, dass es einfach stimmen muss. Der NDR schickt eigene Gutachter los, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen - und beschwichtigt gleichzeitig: „Plagiatsvorwürfe gehören zur ESC-Folklore“, sagt ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber. Im Falle eines Falles würde der Zweitplatzierte nachrücken - also die bayerischen Barfußbläser LaBrassBanda.

Der ESC aber ist immer auch Bauchgefühl, und das sagt: 1. Jawohl, „Glorious“ und „Euphoria“ klingen ähnlich - für Menschen, für die auch AC/DC und Status Quo ähnlich klingen. Es sind nun mal genretypische Dancetracks mit konstantem Großraumdisco-Stampf - basierend auf denselben zwölf Tönen wie alle Popsongs. 2. Nein, es ist nicht schön, dass Deutschland in Malmö mit einem seelenlosen Schaumpartyknaller antritt, der eher nach Autotuning-Messe klingt als nach zeitgemäßem Pop. Und 3. Wenn hier irgend etwas ein Plagiat ist, dann die Plagiatsdebatte selbst: nämlich ein Plagiat der ewigen ESC-Plagiatsdebatten.

Schon 2000 hieß es, Stefan Raabs „Wadde Hadde Dudde Da“ klinge wie die Spice Girls. 2001 dann sollte eine Kölner Sängerin Michelles Siegertitel von Hannover („Wer Liebe lebt“) schon einmal eingesungen haben. 2006 hörte sich „No, No Never“ von Texas Lightning angeblich wie der dänische Beitrag „Never Ever Let You Go“ der Band Rollo & King an. 2008 hieß es, der Titel „Disappear“ der No Angels klinge wie „Break The Silence“ von Steffi List. 2011 musste sich Roman Lob anhören, sein „Standing Still“ klinge wie der aserbaidschanische Siegertitel „Running Scared“. Und 2012 hieß es, Loreen habe bei David Guetta und Rihanna abgekupfert. Quelle in allen Fällen: „Bild“.

Ein einziges Mal, 1999, wurde eine deutsche ESC-Kandidatin des Plagiierens überführt: Corinna May mit ihrem Lied „Hör den Kindern einfach zu“. In allen anderen Fällen war schnell Ruhe. Und es its ja auch schön: Das Land hat was zu quatschen, die ARD profitiert von der Erregung, und wer Cascada ist, wissen jetzt auch ein paar mehr.

Stefan Raab möchte sehr gern das anstehende Kanzlerduell mit moderieren. Um letzte Zweifel an seiner Qualifikation zu zerstreuen, gab er sich in seiner Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ geradezu einschläfernd seriös.

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