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21:23 10.01.2016
Der Politikversessene: Burghart Klaußner als Regierender Bürgermeister von Berlin, der in der neuen ARD-Serie nicht von der Macht lassen kann. Quelle: ARD
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Herr Klaußner, Nach „House of Cards“ und „Borgen“ macht auch die ARD eine Politserie - in Zeiten, da Politikverdrossenheit in Politikerverachtung umschlägt. Ein Trend?

Das vermag ich nicht zu sagen; dafür kenne ich mich mit Fernsehen zu wenig aus. Ich bin froh, mit einer interessanten Figur vor realem Hintergrund mitmachen zu können, weil momentan ein düsteres Kapitel der Politik aufgeschlagen wird. Was Sie Politikerverachtung nennen, ist zum Großteil Selbstverachtung von Leuten, die dazu neigen, persönliche Unzufriedenheit auf vermeintliche Sündenböcke abzuwälzen. Die öffentliche Auseinandersetzung ist eskaliert, wie ich es nicht mehr für möglich gehalten hätte. Die Bemühungen meiner Generation, eine zivilisierte Gesellschaft zu errichten, scheinen mir durchaus gefährdet.

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Haben Sie als öffentlich vernehmbare Stimme die Chance, darauf Einfluss zu nehmen?

Da sind durchaus Schritte möglich, die zwar - wie in der Kunst üblich - eher Millimetergröße haben, aber keineswegs folgenlos sind. Insofern: Ja.

Eine Serie wie „Die Stadt und die Macht“ kann also in Diskurse eingreifen?

Ich glaube schon, allein über die Zahl der Zuschauer. Die Frage ist halt nur: Wo zielen wir hin, was wollen wir erzählen?

Ja?

Mir ist wichtig, dass Politik immer von Menschen gemacht wird, nicht von Marionetten. Anders als von Pegidisten beschworen, sind sie allenfalls Teile von Machtapparaten, aber doch Personen aus Fleisch und Blut, mit Meinungen und Haltungen. Ich bin ein großer Freund derer, die sich ohne absoluten Machtanspruch für Politik engagieren, sonst wäre unsere Zivilisation zum Scheitern verurteilt. Davon erzählt diese Serie, von Demokratie und dem gefährlichen Bestreben, sie zu unterwandern.

Wodurch genau?

Betrug - an sich und anderen, nach dem Motto: Einen trink ich noch, den sieht die Leber gar nicht.

Wie unterhaltsam ist denn Ihr Bürgermeister Degenhardt, der als kalter Machtmensch geschildert wird?

Im Rahmen unserer Geschichte ist meine Figur vor allem Funktionsträger. Aber es wird deutlich darauf hingewiesen, dass auch dieser Bürgermeister mal von Idealismus getrieben wurde, der sich im System bloß abgenutzt hat. Je länger man sich auf Posten festsetzt, desto schwerer lässt man sich davon verdrängen. Aber auch er hat natürlich eine Leiche im Keller. Die hat ja fast jeder.

Sie auch?

Nein, ich nicht. Für Degenhardt ist Berlin - die einzige Analogie zu Klaus Wowereit - wie eine eigene Westentasche, in der er sich durch so manche Legislaturperiode wurschtelt.

Liegt es am Angebot, dass Sie so oft reale Figuren der Zeitgeschichte spielen?

Ich glaube, dass fiktionale Figuren ebenso real sein können. Selbst Superhelden können viel über normale Menschen erzählen; das ist eine Frage der Herangehensweise. So richtig fremd sind mir daher nur völlig ausgedachte Charaktere, ohne Bezug zur Wirklichkeit.

Ist das ein Grund dafür, dass man Sie nie in Komödien sieht?

Davon abgesehen, dass gute Komödien explizit an die Realität andocken, haben Sie recht: Das Genre fehlt mir zurzeit, zumindest im Film.

Müssen Sie halt was Eigenes entwickeln.

Eigentlich schon, oder? Irgendwann ist das Genre fällig.

Interview: Jan Freitag

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