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19:41 27.04.2015
Alle wollen ein Stück vom Kuchen: Klassiker von Warner feiern bei SuperRTL im Jubiläumsjahr ein Revival.
Alle wollen ein Stück vom Kuchen: Klassiker von Warner feiern bei SuperRTL im Jubiläumsjahr ein Revival. Quelle: Super RTL
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Köln

SuperRTL, der Kinder- und Jugendkanal von RTL, wird 20 Jahre alt. Wer sich mit den Programmmachern unterhält, merkt schnell: Entscheidend sind oft nicht die Vorlieben der Kinder, sondern die ihrer Eltern. Für Carsten Göttel (50), Programmdirektor des Kinder- und Jugendkanals SuperRTL, lässt sich die deutsche Elternschaft dreiteilen. „Da gibt’s ein Drittel der Erwachsenen, die eher Grün wählen, und in der Toskana Urlaub machen - die lassen ihre Kinder nur Kika gucken. Feierabend. Sobald Werbung kommt, ist für die Schluss. An die kommen wir nicht ran.“ Dann gibt’s das zweite Drittel: „Die dürfen so viel gucken, wie sie wollen. Da gibt’s Durchschnittswerte von bis zu sechs Stunden am Tag. Die haben wir sowieso.“ Und dann gibt es das Drittel, das Göttel „die Diffusen“ nennt: „Die sagen: Es ist für mich schon okay, dass meine Kinder Werbung gucken, aber dann muss auch das Programm dementsprechend hochwertig sein. Und für die müssen wir Zeichen setzen.“

SuperRTL feiert heute sein 20-jähriges Bestehen. Einer hausinternen Überlieferung zufolge wurde der Name gefunden, als einer der Verantwortlichen aus dem Fenster schaute und bei einer Tankstelle hängen blieb. „Diesel RTL“ oder „Normal RTL“ ging überhaupt nicht, so wurde es „SuperRTL“. Der supertolle Einfall war das wohl nicht. Auf dem Bildschirm wird schon seit mehr als zehn Jahren ein anderer Name herausgestellt: „Toggo“. Das Vorschulprogramm läuft unter der Bezeichnung „Toggolino“. Denn mit dem Kürzel „RTL“ verbinden die meisten Eltern Unterhaltungsprogramm für Erwachsene, kein Kinderprogramm.

SuperRTL konzentrierte sich zunächst darauf, Kinderprogramme dann zu zeigen, wenn die meisten Kinder fernsehen: am Vorabend. „Ich bin groß geworden mit ,Percy Stuart‘“, erinnert sich Göttel. Er wünschte sich ein vielfältigeres Angebot für diesen Tageszeit. 16 Jahre lang blieb SuperRTL dann tatsächlich Marktführer vor dem Kika der Öffentlich-Rechtlichen. Dann launchte Disney Anfang 2014 einen eigenen Kanal und zog seine Programme aus SuperRTL ab. Seitdem ist der Kuchen so aufgeteilt, dass SuperRTL und Kika etwa gleichauf liegen bei 20 Prozent Marktanteil. Nickelodeon und Disney kommen auf ungefähr 10 Prozent.

Geschäftsführer Claude Schmit bezeichnet den Weggang von Disney im Rückblick als „Independence Day“. Um das Loch zu füllen, definierte er mit Göttel drei Kernziele. Erstens: nostalgische Werte kreieren. „Wenn die Eltern mal reingucken und das von früher kennen, dann haben sie ein gutes Gefühl“, sagt Göttel. „Da ist Deutschland sehr, sehr konservativ. Das Bekannte wie zum Beispiel Maja, Heidi oder Wickie hat einen unglaublichen Vertrauensvorschuss. Wenn die Generation der 40- bis 50-Jährigen Wickie sehen, dann treten denen die Tränen in die Augen.“ Bei SuperRTL wird dieser Effekt bedient mit Warner-Bros-Figuren wie Bugs Bunny und Tom und Jerry.

Zweites Ziel: zeitgeistige, 3-D-animierte Serien wie „Dragons“, hervorgegangen aus dem Kinofilm „Drachenzähmen leicht gemacht“. Geschichten, die bereits aus dem Kino bekannt sind, werden im Serienformat weitererzählt und bereiten so gleichzeitig auf den nächsten Kinofilm vor. Göttel: „Wir glauben, dass wir uns, was Zeitgeist angeht, ganz klar vom Kika abheben. Älter, cooler und nicht so betulich.“

Drittens will sich SuperRTL verstärkt beim Thema Wissen profilieren. Wissensprogramme und Nachrichtensendungen sind die große Stärke des Kika - der gleichzeitig für sich in Anspruch nimmt, in den letzten Jahren modern geworden zu sein. Kika-Programmgeschäftsführer Michael Stumpf meint: „Wenn ich mir betrachte, wie erfolgreich aktuell unsere 3-D-animierten Formate „Heidi“ und „Robin Hood“ sind, wie gut sich unser Songwriter-Contest „Dein Song“ gegenüber „The Voice Kids“ geschlagen hat, dann finde ich uns nicht wirklich betulich, sondern weit vorne.“

Tatsächlich ist der Gegensatz weniger groß, als beide Sender glauben: Verena Weigand, Vorstandsvorsitzende von „Flimmo“, einem Portal für Medienerziehung, findet, dass beide Sender ein gutes Programm machen: „Natürlich ist es bei SuperRTL so, dass es da sehr viele Unterhaltungssendungen gibt und nicht ganz so viele Wissenssendungen. Das ist aber aus unserer Sicht kein Qualitätsurteil und spricht auch nicht gegen den Sender. Man muss einfach sehen, dass das eine ein kommerziell finanzierter Sender ist.“

Von Christoph Driessen

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