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Medien Bremer „Tatort“ greift EU-Flüchtlingsthematik auf
Mehr Welt Medien Bremer „Tatort“ greift EU-Flüchtlingsthematik auf
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08:47 13.05.2011
In einem Asylbewerberheim findet Kommissar Stedefreund einen Pullover mit Bluspuren. Quelle: ARD
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An einem Strand in Nordafrika werden die Leichen von Flüchtlingen gefunden. In der Nacht fällt auf einem Schiff im Mittelmeer mit Bremer Polizisten ein Schuss. Eine junge Frau überlebt, ihre Tochter liegt tot im Sand. Kein Mord aus Habgier oder Eifersucht beschäftigt im neuen Radio-Bremen „Tatort“ „Der illegale Tod“ an diesem Sonntagabend die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen). Hoch emotional spinnt sich die Geschichte um die brisante Flüchtlingsproblematik, um zerstörte Hoffnungen und Verzweiflung. Im Visier der Fahnder stehen auch Kollegen der Wasserschutzpolizei.

Zu Beginn wechseln schnell die Szenen: Mittelmeer, Küste von Tunesien, Containerterminals in Bremerhaven, ein Boot der Wasserschutzpolizei, das Büro von Lürsen, Stedefreund mit seinem besten Freund Peer (Michael Pink) in der Kneipe. Beide betrinken sich mit Tequila. Zusammen mit der illegal eingereisten afrikanischen Asylbewerberin Amali Agbedra (Florence Kasumba) gehen die beiden in Peers Wohnung. Als Stedefreund verkatert aufwacht, sind Wasserschutzpolizist Peer und die junge Frau weg. Blutspuren, K.-o.-Tropfen, vieles deutet auf ein Verbrechen hin.

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Lürsen und Stedefreund ermitteln, zunächst gegen die Kritik von Lürsens Tochter Helen (Camilla Renschke), die zu ihrer Vorgesetzten befördert wurde. Schnell tauchen Fragen auf, was die Beamten der Wasserschutzpolizei verbergen. Sie waren an einem Einsatz zur Sicherung der EU-Außengrenzen beteiligt. Was geschah im Mittelmeer, bevor am Strand die Leichen gefunden wurden, unter ihnen die Tochter von Amali?

Die Kapitänin der Wasserschutzpolizei, Elena Janson (Ulrike C. Tscharre), und ihr Kollege Robert Böhm (Arnd Klawitter) versuchen, etwas zu verschweigen. Wasserschutzpolizist Klaus Kastner (Daniel Lommatzsch) dagegen ist völlig aufgelöst, leidet unter Wahnvorstellungen. „Das ist die Strafe, wir müssen beichten“, sagt er Janson. „Kein Wort zu niemanden. Ich habe das unter Kontrolle“, widerspricht die alleinerziehende Mutter. „Der illegale Tod“ ist ein politischer Krimi, es geht um das Leid von Flüchtlingen, um die kalte bürokratische Abwehr illegaler Einwanderer und eine sehr verflochtene Geschichte. Die Charaktere zeigen viel Emotionen, bei denen Lürsen auch mal die Hand ausrutscht und sie einem Staatssekretär die Nase bricht.

„Die Brisanz liegt für mich im Verdrängen dieses Themas in unserem Land“, sagt Drehbuchautor Christian Jeltsch. Die Flüchtlingsproblematik werde sich verschärfen. „Die Industriestaaten verhalten sich wie kleine Kinder beim Versteckspielen: Hand vor Augen und glauben, man sieht sie nicht.“ Für Regisseur Florian Baxmeyer war die Umsetzung spannend. „In einem guten ,Tatort‘ sollte es um mehr gehen als nur um die Aufklärung eines Mordes.“

Oliver Pietschmann