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Medien „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston: „Ich war nie ein Spießer“
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06:15 04.11.2012
Hannover

Mr. Cranston, sprechen Sie Deutsch?

Nur ein Wort: (Sagt auf Deutsch) Nein.

Dann kennen Sie das Wort Spießer nicht?

Leider nicht, aber es klingt interessant. Was bedeutet es denn?

Es ist die Steigerung des Bürgerlichen zum Ängstlichen und Angepassten.

Dann war ich nie ein Spießer.

Und Walter White, der Chemielehrer auf dem Weg zum Drogenbaron, den Sie in „Breaking Bad“ spielen?

Schwer zu sagen. Er war deprimiert von den vergebenen Chancen im Leben, seiner Furcht zu scheitern, von seinem unterdrückten Potenzial. Deshalb ist es ein so interessanter Aspekt der Geschichte, dass er ausgerechnet Lehrer wurde. Denn die sind bei uns in den USA zutiefst respektiert. Das mag sich nicht unbedingt im Gehalt ausdrücken, aber im guten Ruf. Diese Mischung aus Selbstzweifeln und Anerkennung, verpassten Chancen, einem guten Leben und der Art, wie das alles in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt wird, macht „Breaking Bad“ so erfolgreich.

Das erklärt vielleicht den Erfolg in den USA, aber nicht unbedingt in mehr als 30 Ländern, in denen die Serie nicht selten als beste aller Zeiten gilt.

Das hat mit Identifikation und Fallhöhe zu tun. „Breaking Bad“ ist die Geschichte eines Mannes aus der Mitte der Gesellschaft, der für das Auskommen von sich und seiner Familie extrem hart arbeitet, bis sein Leben durch ein Schicksal, das jeden treffen kann, komplett ins Wanken gerät.

Sie meinen Krebs.

Genau. Diesen unvermittelten Sturz aus der Normalität können die meisten Zuschauer so gut nachvollziehen, dass selbst seine Flucht ins Verbrechen, sein Weg zum Drogendealer Walter White, ihn kaum Sympathien kostet.
Zumindest in den ersten Staffeln.Ich glaube, sogar fast bis zum Schluss! Seine Methoden mag sicher nicht jeder nachempfinden können, seine Verzweiflung dagegen schon. Deshalb gilt er bis tief in die vierte Staffel für viele noch als Good Guy. Dieser Widerspruch ist die perfekte Voraussetzung einer guten Serie.

Aber was macht sie zur brillanten?

Dass dieser Sympathieträger radikaler auf die andere Seite wechselt als in jeder anderen Serie bisher. Walter macht etwas viel zu Kühnes für einen – wie sagten Sie? – Spießer: Er riskiert etwas, genau genommen sogar alles.

Würden Sie in Walters Situation auch das Schicksal in die eigene Hand nehmen?

Selbstverständlich, darin ähneln wir uns. Wobei ich selbst auch aus der Unterschicht stamme. Natürlich würde ich kein Chrystal Meth produzieren, aber ich würde alles tun, um meine Familie zu retten, wenn sie in Gefahr ist. Darin gleichen sich Walter White und ich am Ende doch. Nur, dass er dann in einen Strudel gerät, der ihn immer tiefer ins Verbrechen zieht. Das Kernthema der Serie ist ja – mehr noch als die Gewalt oder der Abstieg der Mittelschicht: Verführung.

Auch davor wären Sie nicht gefeit.

Das ist niemand. Wenn ich zu Ihnen sage, der Ort, an dem Sie geboren sind, ist einer der schönsten Plätze, an dem ich je war, fühlen Sie sich geschmeichelt und kaufen mir danach vielleicht die größte Lüge ab. Man kann Menschen mit den einfachsten Mitteln manipulieren. Menschen sind Manipulatoren. Menschen im Fernsehen besonders. Das ganze Fernsehen ist Manipulation.

Sie sind also auch ein Manipulator?

Das ist mein Job! Wenn ich Walter White spiele, wie ich ihn spiele, manipuliere ich das Publikum, indem ich es einfach gut unterhalte, indem ich es vielleicht zum Nachdenken bringe.

Haben Sie sonst etwas mit ihm gemeinsam?

Nichts, was für die Serie von Bedeutung ist. Was ich bloß spielerisch tue, macht er mit seiner gesamten Existenz: Walter versucht, jemand zu sein, der er nicht sein kann. Und dabei geht ihm mit jedem Schritt in eine Arena, für die ihm das Rüstzeug fehlt, ein weiteres Stück seiner Seele verloren. Bis sie im Laufe der Serie so gealtert ist, dass sie ihn langsam von innen zersetzt.

Deshalb sieht er in der Serie so viel älter aus als Sie in natura.

Oh, danke! Gut, das zu hören. Meine Seele ist jünger geblieben, obwohl ich äußerlich ebenso altere wie er.

Und je älter Sie werden, desto mehr wird auch das Kino auf Sie aufmerksam, nachdem Sie in Ihrer bisherigen Karriere vor allem in Serien wie „Malcom mittendrin“, „Akte X“, „King of Queens“ und eben „Breaking Bad“ mitgewirkt haben.
Das ist richtig. Ich mache aber auch weiter mit Leidenschaft gutes Fernsehen.

Viele behaupten ohnehin, die großen Erzählungen von Produzenten wie HBO bis AMC übertreffen längst die des Kinos.
Stimmt. TV ist das neue Kino. Dort laufen mittlerweile mehr umfassende, befriedigende Dramen als auf der Leinwand. Nehmen Sie nur „Mad Men“, „Justified“, „Damages“, „Dexter“ – brillant. Aber es gab schon immer gutes Fernsehen, das wird heute oft vergessen.

Das Finale von „Breaking Bad“ werden Sie, wenn man Ihrem Produzenten Vince Gilligan glaubt, nicht überleben dürfen. Mr. Cranston – stirbt Walter White am Ende der fünften Staffel?

Das könnte ich Ihnen nicht mal sagen, wenn ich wollte: Selbst wir Schauspieler erfahren erst kurz vorm Dreh von jeder Folge, wie sie genau aussieht. Ehrlich! Aber es ist schwer vorstellbar, dass sein Leben nach dem Finale einfach normal weitergeht.

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