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08:12 16.11.2014
Ein fulminanter Abgang: Boris Aljinovic verabschiedet sich als Berliner „Tatort“-Kommissar. Quelle: dpa

Was für ein famoser Abgang! Aber nach 13 Jahren Dienst im Berliner-„Tatort“-Dezernat hat Boris Aljinovic alias Kommissar Felix Stark solch ein anrührendes Ende auch verdient. Und er beweist dabei nach dem vorzeitigen Ausstieg seines Kollegen Dominic Raacke, dass er auch ganz gut allein eine Folge der beliebtesten deutschen Krimireihe tragen kann.

Wer sich auf den Film mit dem ungewöhnlichen Titel „Vielleicht“ (Buch und Regie: Klaus Krämer) einlässt und die Logik ein wenig beiseiteschieben kann, wird vom Geschehen fasziniert sein. Und von einer Schauspielerin, der Norwegerin Lise Risom Olsen, die in ihrer ersten deutschsprachigen Rolle einen starken Eindruck hinterlässt. Olsen spielt die aus Norwegen stammende Studentin Trude Bruun, die eines Tages im Morddezernat erscheint. Sie berichtet davon, dass sie von einem Albtraum gequält und verfolgt wird. In ihm träumt sie – immer wieder – vom Mord an einer Kommilitonin. Der Täter sei ein Mann mit Latzhose. Zudem habe sie schon seit ihrer Kindheit die Gabe, Dinge vorherzusehen. Und viele dieser Visionen seien dann auch auf erschreckende Weise wahr geworden. Trude wirkt verzweifelt: „Ich weiß nicht, warum ich die Dinge sehen kann.“

Das alles hört sich das neu zusammengestellte Team um Kommissar Stark zwar sichtlich beeindruckt an und glaubt auch die Ängste der überzeugend auftretenden Studentin, kann aber allein aufgrund einer solch befremdlichen Aussage erst einmal nichts unternehmen. Und auch dem Zuschauer, der so etwas nicht von vornherein als puren Blödsinn abstempelt, geht es ganz ähnlich. Nach diesem seltsamen Auftakt wird es richtig mysteriös, als einige Wochen später Stark zu einem Tatort gerufen wird. Eine Studentin ist in ihrer Kreuzberger Wohnung ermordet worden. Und, wie es sich alsbald herausstellt, handelt es sich bei dem Opfer um die junge Frau, deren Tod Trude Bruun vorhergesehen hat.
Stark jedenfalls macht sich danach Vorwürfe, nicht auf die damalige Aussage der Norwegerin reagiert zu haben. Und gemeinsam mit seinem Team – besonders seiner jungen Kollegin Paula Wimberg (Laura Tonke) und dem Polizeipsychologen Robert Meinhardt (Fabian Busch) – versucht er Trudes Visionen zu verstehen und zu entschlüsseln.

Aljinovic spielt den Kommissar dabei noch stiller und sanfter als sonst, ja, seine Figur versinkt zunehmend in bedrückender Melancholie, und manchmal wirkt seine gezeigte Betroffenheit auch ein wenig übertrieben. Weniger wäre da wohl manchmal mehr gewesen. Aber es kommt noch schlimmer. Auch für ihn. Nicht nur Trude Bruun gerät selbst in Lebensgefahr, sondern sie hat eine weitere unheimliche Vision, von der auch Stark existenziell bedroht ist. Dies ist alles ein wenig sehr verrätselt – und dennoch sind die letzten 20 Minuten dieses „Tatort“ enorm spannend inszeniert.

Boris Aljinovic’ Abschied von dieser Krimireihe ist endgültig. Im nächsten Jahr übernehmen Meret Becker und Mark Waschke die Ermittlungen an der Spree. Und der kleine Kommissar, der lange Jahre meist nur wie der Gehilfe seines dominanten Partners gewirkt hat, hat zum Schluss die Messlatte für seine Nachfolger ziemlich hoch gelegt.

Ernst Corinth

Fernsehtipp

„Vielleicht“ | ARD „Tatort“ mit Boris Aljinovic | Sonntag, 20.15 Uhr

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