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Medien Berlin macht Front gegen Reiseportal Airbnb
Mehr Welt Medien Berlin macht Front gegen Reiseportal Airbnb
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08:34 03.03.2015
Das amerikanische Internetportal Airbnb profitiert vom Touristenboom in Berlin. Quelle: Ole Spata
Berlin

Ben Babazadeh ist weggezogen aus dem Wrangelkiez, raus in den Vorort Kleinmachnow. „Das ist kein Ort für die Kinder“, sagt der Immobilienunternehmer.  Es war ihm zu rummelig geworden, zu laut im Haus und zu nah am Drogenumschlagplatz Görlitzer Park. Aus dem ärmlichen hintersten Teil von Kreuzberg ist eine internationale Partyzone geworden, der Hotspot der feierwütigen Jugend der Welt. Clubs, Fast Food, Dope gibt es gleich um die Ecke. Hostels bieten billige Betten.

Ben Babazadeh, der so besorgt um seine Kinder ist, profitiert selbst reichlich vom Touristenboom, der den Wrangelkiez so verändert hat: Er vermietet Ferienwohnungen in dem Haus, in dem er einst wohnte und das ihm gehört. Als Vermieter ist er kein kleiner Fisch: 50 Wohnungen, über die ganze Stadt verstreut, stellt er Touristen zur Verfügung. Über Internet-Buchungsportale wie Airbnb oder Wimdu lockt er die Gäste selbst in entlegenere Ecken der Stadt. Eine riesige Ferienwohnung für 14 Personen vermietet er jetzt allerdings nur noch an Familien, nicht mehr an Gruppen. Die Beschwerden der Nachbarn hatten überhandgenommen.

Berliner sind von Rollkoffern genervt

Beschwerden über lärmende Besuchergruppen gehören inzwischen zur Berliner Folklore. Für viele Hauptstädter gilt Airbnb, der Übernachtungsvermittler aus dem kalifornischen Silicon Valley, inzwischen als Besatzungsmacht. Das Unbehagen am Touristen und seinen Rollkoffern hat einen Namen gefunden.

Das vor sieben Jahren gegründete Verzeichnis privater Unterkünfte ist weltweit aktiv. Das Konzept: Privatwohnungen, die zum Beispiel wegen eines Urlaubs eine Zeit lang leer stehen, werden an Reisende vermittelt. Heute bieten Hunderttausende Halbprofessionelle ein Sofa, ein Zimmer, eine Wohnung als Feriendomizil an. Allein in Berlin ist jede 200. Wohnung bei Airbnb gelistet.

Früher einmal konnte man als Berliner dem Touristen weiträumig aus dem Weg gehen. Dann eroberten die Gäste die Kieze und Clubs. Irgendwann rückten sie noch näher und füllten berauscht das Nachbarhaus, weil der Eigentümer auf die Idee kam, sonst unvermietbare Souterrain- oder Seitenflügelbutzen als „super Apartment in Kreuzberg“ im Netz anzupreisen.

Unvermietbar aber ist im Kreuzberger Wrangelkiez gar nichts mehr, die Mieten steigen hier wie sonst nirgendwo in der Stadt. Und so sind die Ferienwohnungen das Symbol für alles geworden, was vielen Berlinern gegen den Strich geht: der fehlende Wohnraum und der rasante, lärmende Wandel.

Airbnb in Deutschland

38.000 Angebote verzeichnet Airbnb für Deutschland, davon mehr als 15 000 Inserate in Berlin. Die beliebtesten Städte: Berlin, München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Leipzig.
850 Gastgeber gibt es in Hannover.
1.000.000 Gäste übernachteten im September 2014 in Deutschland – im Jahr zuvor waren es noch knapp 250.000 Gäste.
49 Prozent beträgt der Anstieg bei der Zahl der Airbnbs im Vergleich zu 2013.    
133 Prozent beträgt das Wachstum der Deutschen, die mit Airbnb reisten.
35 Jahre ist das Durchschnittsalter der Gäste, 39 das der Gastgeber. Das ändert sich gerade: Die Anzahl der „Empty Nester“ nimmt stark zu – ältere Paare, deren Kinder ausgezogen sind, laden über Airbnb die Welt zu sich ein und bringen so wieder Leben ins Haus.

Die Designerin Alice Bodnar ist mit einer simplen Idee zum Star der Debatte geworden: Sie hat an einem beliebigen Stichtag die Angebote von Airbnb und der Mietwohnungsbörse Immoscout verglichen und für ein Infoplakat  gekennzeichnet. Ferienwohnungen auf Airbnb: 102. Mietwohnungen auf Immoscout: 1.

Einem Plakat vorzuwerfen, dass es plakativ arbeite, wäre absurd. Aber Bodnar selbst räumt ein, dass die 102 Airbnb-Inserate nicht alle kommerzielle Angebote wie die von Babazadeh sein können. „Die Grundidee von Airbnb finde ich gut und legitim“, sagt die Designerin, „aber die Grenze ist dort zu ziehen, wo Wohnraum wirklich dem Markt entzogen wird.“  

In einem Hinterhof in Mitte sitzt Julian Trautwein, Sprecher von Airbnb für den deutschsprachigen Raum. Er hat eine Studie zur Hand, die beweisen soll, dass seine Firma doch zu den Guten gehört und jedenfalls keine Schuld  am heiß laufenden Immobilienmarkt trägt. „Die Ferienwohnungen sind nicht das Problem“, sagt er, „das Problem sind vor allem fehlender Neubau sowie Leerstand und Spekulation.“

15 000 Inserate hat sein Portal in Berlin, aber die seien bei Weitem nicht alle gewerblich. 90 Prozent der Vermieter böten nur eine Wohnung an, 88 Prozent seien nicht mehr als 120 Tage im Jahr vermietet. Die durchschnittlichen Einnahmen eines Airbnb-Gastgebers lägen bei 2500 Euro im Jahr. 41 Prozent der befragten Vermieter hätten angegeben, dass sie das Geld als zusätzliches Einkommen brauchen. Fazit: „Die zeitweise Vermietung von Wohnungen und Zimmern trägt dazu bei, der sozialen Entmischung in besonders begehrten Quartieren entgegenzuwirken.“
Doch die Gäste, die bei Airbnb mieten, sind eben Touristen und nicht Berliner auf der Suche nach Wohnraum. „Wer Geld braucht, kann doch auch ein Zimmer regulär untervermieten“, schlägt Reiner Wild vom Berliner Mieterverein vor.

Die Einnahmen aus der zeitweisen Vermietung muss der Gastgeber versteuern, er braucht das Einverständnis des Wohnungseigentümers, die Nachbarn sollten zumindest gefragt werden. Das steht alles in den Airbnb-Richtlinien. Überprüft wird es aber nicht, räumt Trautwein ein. „Und wir fragen auch nicht, ob jemand gewerblich vermietet.“

Das fragen jetzt verstärkt die Behörden – nicht nur in Berlin. Drei Viertel der Airbnb-Angebote in New York seien illegal, sagte kürzlich Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman. Gegen diese will die US-Metropole nun vorgehen. Frankfurt am Main verhängt Geldstrafen bei Zweckentfremdung, München erlaubt nur die Kurzzeitvermietung von maximal 50 Prozent der Wohnung, in Hamburg müssen Airbnb-Wohnungen „überwiegend“ von denen genutzt werden, die dort gemeldet sind. In Berlin haben die Stadtpolitiker eine Antwort, die schon durch ihren Namen alles erschlägt: Die Zweckentfremdungsverbotsverordnung. Nach 2016 soll es keine Ferienwohnungen mehr in der Stadt geben. Wer illegal gewerblich an Touristen vermietet, könnte mit bis zu 50 000 Euro bestraft werden.

Sarah hatte schon Gäste aus aller Welt, aber als Ferienwohnung würde sie ihre 55 Quadratmeter nicht bezeichnen. Hier wohnt sie, und hier wohnt der King. Das lebensgroße Elvis-Bild hat Sarah ins Wohnzimmer geklebt, zwischen  Sechzigerjahre-Möbel vom Flohmarkt. Mindestens so spektakulär ist der Blick vom Balkon: Unten tobt das Leben, hinten glitzern die Spree und der Schriftzug des Musikkonzerns Universal. Partykiezidylle, zu buchen für knapp 60 Euro pro Nacht zuzüglich Airbnb-Gebühren.

Wann  immer Sarah kann, reist sie in die Metropolen dieser Welt. Immer bucht sie bei Airbnb und inseriert für diese Zeit ihre eigene  Wohnung. In dieser Lage findet sie immer jemanden. Ihre Schwestern wohnen in der Nähe, können den Gästen die Schlüssel übergeben, den Kiez erklären und nach der Abreise die Betten abziehen. Und wenn ein Gast trotzdem unzufrieden ist? „Das regelt sich über die Bewertung im Portal“, sagt Trautwein, „so ein Gastgeber wird schlecht bewertet und irgendwann keine Buchungen mehr bekommen.“

Ben Babazadehs Ferienwohnungen sind durch die Bank gut bewertet. Und sie sind legal, viele auch über 2016 hinaus: „Ich habe viele Wohnungen in Gewerbehöfen und Lofts gekauft, die fallen nicht unter das Gesetz.“ Wenn Berlin wirklich ernst macht mit seinem Kampf gegen die Ferienwohnungen, ist Babazadeh immer noch da.

NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann bleibt gelassen, wenn man ihn auf den Vorabend im Ersten anspricht. Das ist nicht selbstverständlich, denn der frühere Kika-Chef ist der Koordinator der Sendestrecke zwischen ­
18 und 20 Uhr, und die Zuschauerresonanz der letzten Jahre ließ doch ziemlich zu wünschen übrig.

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