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Medien Beleidigte Griechen zerren "Focus" vor Gericht
Mehr Welt Medien Beleidigte Griechen zerren "Focus" vor Gericht
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10:14 19.08.2011
Ärger wegen einer Fotomontage: Griechen klagen gegen den "Focus". Quelle: dpa
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Athen

Eine „Provokation“ sei das – und außerdem „geschmacklos“, sagt die Griechin Katerini Frangaki. Sie hat zwar nur eine Schwarz-Weiß-Kopie der Titelseite des deutschen Wochenmagazins „Focus“ dabei, aber es ist klar, was ihren Zorn erregt: die Fotomontage einer Marmorstatue der Aphrodite von Milos, die ihren Mittelfinger ausstreckt. Den Schambereich der Liebesgöttin bedeckt eine verdreckte griechische Fahne. „Betrüger in der Euro-Familie“ lautet die Schlagzeile.

„Das Originalheft ist bei den Gerichtsakten“, erklärt Katerini Frangaki, die selbst als Rechtsanwältin tätig ist. Gemeinsam mit sechs weiteren Griechinnen und Griechen hat sie Anzeige erstattet, wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates. Heute kommt der Fall vor dem Athener Landgericht zur Verhandlung. Angeklagt sind Helmut Markwort, Herausgeber des „Focus“, sowie neun Mitarbeiter des Magazins.

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Die „Focus“-Story erschien im Jahr 2010, zu einer Zeit, da sich nach und nach das wahre Ausmaß der griechischen Bilanzkosmetik und Schuldenproblematik abzuzeichnen begann. „Griechenlands Abstieg“, hieß es im Text, „ist beispiellos: von der Wiege zum Hinterhof Europas.“ In der Wirtschaft und in der Politik gelinge so gut wir gar nichts. Und nicht mal das Souvlaki mundete den „Focus“-Kritikern: Um die Speisen der hellenischen Küchenchefs müsse man als „Feinschmecker einen weiten Bogen machen“. Der Niedergang sei „allgegenwärtig“, ätzte das Magazin.

„Das konnten wir nicht schlucken, wir mussten als Griechen unsere Pflicht tun und den Fall vor Gericht bringen“, sagt Katerini Frangaki. Durch den „Focus“-Titel fühle sie sich auch persönlich beleidigt, sagt sie – und stellt zugleich klar: „Wir haben nichts gegen das deutsche Volk, im Gegenteil, wir haben sogar tolle deutsche Freunde.“ Eine Freundin aus München habe sie sogar seinerzeit angerufen und auf den „Focus“-Titel aufmerksam gemacht. „Ihr müsst etwas unternehmen“, habe die Deutsche gesagt, erinnert sich Frangaki.

Herausgeber Markwort und die anderen Angeklagten lassen sich am heutigen Freitag in Athen durch Anwälte vor Gericht vertreten. Was ihnen zur Last gelegt wird, sind keine Kavaliersdelikte. Auf die Straftaten stehen theoretisch bis zu zwei Jahre Haft. Und die griechische Justiz könnte Haftbefehle sogar in Deutschland vollstrecken lassen. Doch dass es dazu kommt, glaubt auch Klägerin Katerini Frangaki nicht: „Wir wollen keine Rache nehmen“, sagt sie. Der Prozess sei „eher symbolisch“. Im Fall einer Entschuldigung könne man ihn einstellen.

Gerd Höhler

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