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Medien Axel Prahl: „So wie Frank Thiel bin ich nicht mal an schlechten Tagen“
Mehr Welt Medien Axel Prahl: „So wie Frank Thiel bin ich nicht mal an schlechten Tagen“
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11:34 27.09.2019
Axel Prahl und Dagmar Manzel als zerstrittenes Geschwisterpaar – in der Mitte die schöne Kuh Gloria. Quelle: ARD Degeto/Frédéric Batier

Im TV kennt man Axel Prahl vor allem in einer Rolle: als übellaunigen Münsteranter „Tatort“-Kommissar Frank Thiel an der Seite von Jan Josef Liefers. Jetzt ist der 59-Jährige in „Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“ (ARD, Freitag, 27. September, 20.15 Uhr) als Pilot, der zum Bauernhof seines verstorbenes Vaters zurückkehrt, zu sehen. Seine Schwester Jutta (Dagmar Menzel) schmeißt den Hof inzwischen. Dort wohnt auch die schönste Kuh im Dorf: Gloria. Doch Thomas und Jutta haben ganz unterschiedliche Ideen für die Zukunft des Hofes.

Herr Prahl, Sie sind zwar nicht auf dem Dorf, aber doch sehr ländlich aufgewachsen.

Neustadt in Holstein, zwischen Landwirtschaft und Meer gelegen, viel zu tun, viel Halligalli – zumindest im Sommer, als wir bis zum Mauerfall Hamburgs „Badewanne“ waren. Im Winter dagegen: Bürgersteige hoch, zwei Kneipen, das war’s.

Klingt nach einem eher gespaltenen Verhältnis zum Landleben.

Ach, da halte ich es mit der isländischen Sängerin Björk, die von wohltuender Langeweile als Mutter aller Inspiration gesprochen hat. Mit ihr konnte ich das Landleben schon immer genießen.

Konnte heißt, heute eher nicht mehr?

Heute wieder! Ich bin unlängst in eine ganz ähnliche Situation wie im Film gezogen, nach Brandenburg, 400 Seelen, also nicht mal mehr Kleinstadt. Bei bestimmten Witterungsverhältnissen sieht der nahe gelegene See aus wie die Flensburger Förde. Wenn keine Butter im Haus ist, muss man zwar zehn Kilometer weit fahren, aber für jemanden wie mich, der ständig unterwegs ist, habe ich hier endlich ein Zuhause gefunden, einen Rückzugsort, jenseits des Trubels.

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Musik ist für mich auch so ein Rückzugsort

Axel Prahl

In „Gloria“ geht es auch um Verlustängste. Haben Sie die auch manchmal?

Als ich 1992 aus der Kleinstadt nach Berlin gekommen bin, dachte ich, nach dem Ende meines Gastvertrags am Renaissancetheater muss ich sofort wieder zurück – so stark war meine Heimatverlustangst. Aber auch, weil danach alles ganz anders kam, unterscheide ich seither stark zwischen Heimat und Zuhause. Erstere ist für mich nach wie vor das Meer, Letzteres ist inzwischen Brandenburg.

Im Dorf der Preiskuh Gloria sagt jemand, das Zuhause ist dort, wo man sich nicht verstellen muss.

Klingt gut, ist aber auch nur ‘ne Filmweisheit, die man sogar umdrehen kann: Weil man mit der Familie daheim nicht über Dinge wie Liebe oder Kindererziehung diskutieren will, ist dort, bei den Eltern und Geschwistern, der Ort, wo man sich sogar ungestraft verstellen darf.

Aber sind für Schauspieler, bei denen Verstellung ja zum Berufsprofil zählt, Rückzugsräume nicht besonders wichtig?

Auf jeden Fall, so geht es mir zumindest. Musik ist für mich beispielsweise auch so ein Rückzugsort.

Aber gerade Ihre Art zu spielen wirkt oft so natürlich, dass es fast scheint, Sie spielen ein bisschen sich selbst?

Das denkt man, glaube ich, auch bei vielen anderen Kollegen. Was meines Erachtens eher ein Qualitätsmerkmal darstellt. Wenn ich annehme, dass ein Darsteller privat vielleicht auch ein wenig so ist wie die Rolle, die er verkörpert, dann heißt das ja auch, dass ich ihm glaube, was er da spielt. Es wirkt authentisch, und alles was authentisch wirkt, nimmt den Zuschauer sehr viel eher mit auf die Reise der zu erzählenden Geschichte.

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„So bin ich nicht mal an einem schlechten Tag“

Aber so, wie Sie jetzt hier sitzen, unterscheiden Sie sich nicht grundlegend von augenzwinkernden Figuren wie Ihrem Kommissar Thiel?

Sehen Sie, reingefallen! Wir unterscheiden uns in vielem. Ich glaube, Thiel werden viele meiner Charaktereigenschaften einfach unterstellt. Aber er ist häufig übellaunig und unfreundlich, absolut nicht offen, ein Eigenbrötler. So bin ich nicht mal an einem schlechten Tag.

Und jetzt spielen Sie erstmals, so scheint es, eine Rolle, die Sie auch jenseits der Kamera innehaben.

Sie meinen als Musiker? Das ist aber nicht das erste Mal.

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War das Ihre Idee?

Nee, stand im Drehbuch, aber das Stück am Klavier hab ich tatsächlich selbst komponiert, und demnächst gibt es bei einer Degeto-Produktion sogar vier eigene Kompositionen von mir in einem Film zu hören.

Von Jan Freitag/RND

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