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Medien Axel Milberg als „Doktor Martin“
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14:46 04.05.2009
Axel Milberg erneut in die Rolle des Zynikers „Doktor Martin“.
Axel Milberg erneut in die Rolle des Zynikers „Doktor Martin“. Quelle: ZDF/Christine Schroeder/ddp
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Es war ein Desaster, als sich Martin Helling (Axel Milberg) und Thea Sonnabend (Ina Weisse) 2007 am Ende der ersten Staffel von „Doktor Martin“ küssten. Der endlich ausgelebten Leidenschaft folgte die Ernüchterung: Martin attestierte Thea Mundgeruch, woraufhin sie sich verletzt zurückzog. Folglich ist das Verhältnis zwischen ihnen in der zweiten Staffel merklich abgekühlt. Und dennoch fühlen sich der kauzige Arzt und die sensible Lehrerin, nun von Margit Sartorius dargestellt, unverändert zueinander hingezogen. Am Donnerstag (7. Mai, 20.15 Uhr) setzt das ZDF die hoch gelobte Serie „Doktor Martin“ mit acht neuen Folgen und der Frage fort: Kriegen sie sich dieses Mal?

Die Satire, die im verschlafenen Neuharlingersiel an der rauen Küste Ostfrieslands spielt, basiert auf dem britischen Original „Doc Martin“. Darin lässt Autor Dominic Minghella die Protagonisten seit 2004 in den Untiefen der Grafschaft Cornwall aufeinanderprallen. In ähnlich skurriler Manier wie sein englisches Pendant Martin Clunes spielte sich Milberg vor knapp zwei Jahren in die Herzen des deutschen Publikums und wurde dafür 2008 mit dem Bayerischen Fernsehpreis belohnt. In dieser Serie, urteilte die Jury, zeige Milberg die „ganze Palette seines Könnens“ - von zynisch bis liebenswert, komisch bis mitleiderregend.

Daran hält der 52-Jährige, seit 2003 auch „Tatort“-Kommissar, in der zweiten Staffel fest. Zumindest in der Auftaktfolge “(K)eine Frage des Alters“ scheint ein Happy-End mit Thea in weite Ferne gerückt zu sein. Es gelingt dem wortkargen Mediziner einfach nicht, sich bei seiner heimlichen Liebe zu entschuldigen. Stattdessen stammelt er bei einer zufälligen Begegnung in der Apotheke: „Schön Dich zu treffen.“ Erbost antwortet sie ihm: „Ja, Leute zu treffen ist wirklich Dein Ding und zwar da, wo es am meisten weh tut.“

„Thea ist die Liebende, sie ist die Strenge, sie ist die Fürsorgliche und auch die Verrückte“, beschreibt Sartorius, die Weisse in der Rolle der Thea Sonnabend ablöst. An dem sonderbaren Helling fasziniere Thea, dass er etwas Schräges, Unangepasstes, Geheimnisvolles habe. In ihrer Liebe zu ihm spiegele sich etwas von ihr selbst wider. Denn auch Thea sei eine Einzelgängerin, habe eine ähnliche Angst vor Bindungen, was die beiden sich nie eingestehen würden, sagt Sartorius („In deiner Haut“).

So spitzt sich die Situation für den verschlossenen Helling zu, als er mit Erik Honsberg (Max Urlacher) einen ernsthaften Rivalen in der Gunst um Thea bekommt. Zudem ist seine unfähige Arzthelferin nach Frankreich durchgebrannt und hat ihre Cousine Paula (Nora Binder) - ebenso hübsch wie inkompetent - als Vertretung „eingestellt“. Und trotz der erfolgreichen Notoperation in der ersten Staffel hat sich nichts an Martins Blutphobie geändert.

Dennoch lebt sich Helling, einst gefragter Gefäßchirurg in Berlin, immer mehr als Landarzt in Ostfriesland ein - sei es aus tiefer Zuneigung zu Thea oder wegen des besonderen Charmes der schrulligen Bewohner und ihrer Wehwehchen. An seinem Charakter ändert das aber nichts: Nach wie vor lächelt Helling nicht, ist unfreundlich und mit einem akuten Mangel an zwischenmenschlicher Kompetenz ausgestattet. Er hält nicht Händchen, wenn dem Patienten der Schuh drückt. Stattdessen vermittelt der Miesepeter seine fachlich brillanten Diagnosen ungeschickt ehrlich und zuweilen trotzig, wenn er nicht gerade am Strand stolpert oder sich an Türrahmen stößt.

Diese Mischung aus Humor und Drama gelingt auch in der Fortsetzung, in der sich ein herrlich tollpatschiger, grimmiger und traumatisierter Milberg abermals mit den spröden, aber liebevollen Ostfriesen duelliert. Das wunderbare Ensemble runden erneut Ellen Schwiers als Martins Tante Alma und Max Hopp als gehemmter Dorfpolizist Mark sowie Hans-Martin Stier und Florian David Fitz als klempnerndes Vater-Sohn-Gespann ab. Ferner gibt es ein Wiedersehen mit Uwe Bohm als Förster Thorsten, der in der ersten Staffel mit einem unsichtbaren, zwei Meter großen Eichhörnchen zusammenlebte.

ddp