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Medien „Auf See macht der Tod uns alle gleich“
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11:30 02.11.2011
Von Sophie Hilgenstock
Foto: Ein Hauch von Wolfgang Petersens „Boot“ im ARD-Zweiteiler „Laconia“: U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein (Ken Duken, Mitte) bekommt Skrupel und lässt die Schiffbrüchigen der „Laconia“ von seiner Mannschaft retten.
Ein Hauch von Wolfgang Petersens „Boot“ im ARD-Zweiteiler „Laconia“: U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein (Ken Duken, Mitte) bekommt Skrupel und lässt die Schiffbrüchigen der „Laconia“ von seiner Mannschaft retten. Quelle: ARD
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Menschlichkeit und Krieg – das passt eigentlich nicht zusammen. Aber manchmal anscheinend dann doch: Humane­ Gesten inmitten des Gefechts, wenn der Feind zum Freund und der Gegner gerettet wird, scheint es gegeben zu haben, selbst im grausamen Nazi-Deutschland. So erzählt es zumindest der Fernsehzweiteiler „Laconia“, zu sehen Mitttwoch- und Donnerstagabend in der ARD. Es ist die Geschichte des deutschen U-Boot-Kommandanten Werner Hartenstein, der ein britisches Truppenschiff im Zweiten Weltkrieg erst torpedierte – und anschließend die Schiffbrüchigen rettete.

Die unglaubliche Kriegsepisode war bislang über Historikerkreise hinaus kaum bekannt und wurde niemals erzählt, weder im Film noch literarisch. Bis jetzt. Produzent Nico Hofmann, prädestiniert für deutsche TV-Katastrophenfilme („Hindenburg“, „Mogadischu“, „Die Luftbrücke“, „Dresden“), entdeckte den Stoff vor ein paar Jahren für sich. Gemeinsam mit der englischen Produzentin Lorraine Heggessey entwickelte er ein pathetisches Kriegsdrama, für das die BCC und die ARD eine seltene Allianz eingingen.

Für ihre etwa zwölf Millionen Euro teure Koproduktion verpflichteten die beiden Öffentlich-Rechtlichen den renommierten britischen Drehbuchautor Alan Bleasdale („Boys from the Blackstuff“) und den deutschen Regisseur Uwe Janson („Baal“, „Vulkan“). Ihnen ist es gelungen, die historischen Tatsachen in einer fiktiven Handlung aufleben zu lassen, die beiden Nationen gerecht wird. „Laconia“ ist in vielerlei Hinsicht ein völkerverbindender Film, und so lautete auch die Absicht der Produzenten: „Wir haben lange nach einem Stoff gesucht, der Deutsche und Engländer verbindet“, sagt Nico Hofmann.

Der Plot des Films rankt sich um den 12. September 1942, den Tag, an dem das englische Schiff „Laconia“ von Hartensteins U 156 vor der westafrikanischen Küste angegriffen und versenkt wird. Auf dem U-Boot wird der „Volltreffer“ zunächst gefeiert, doch als sich die Deutschen dem Wrack nähern, werden sie stutzig. „Da stimmt was nicht“, murmelt Hartenstein (Ken Duken).

Und sein Leitender Ingenieur Rostau (Matthias Koeberlin) stammelt verblüfft: „Das Schiff hat wirklich Truppen transportiert, aber, wie mir scheint, keine feindlichen.“ An der Unglücksstelle treiben Tausende Menschen im Meer, und das Sprachgewirr der Hilfeschreienden macht klar: An Bord der 20.000 Tonnen schweren „Laconia“ waren nicht – wie vermutet – allein britische Soldaten und Bomben: Tatsächlich befanden sich 2740 Menschen auf der Reise von Suez nach Liverpool, neben Flüchtlingen, Frauen und Kindern im Bauch des Schiffes auch 1800 italienische Kriegsgefangene.

Hartenstein zögert nicht, sondern lässt „so viele Schiffbrüchige an Bord nehmen, wie es geht“, und zwar ungeachtet ihrer Nationalität. „Mit dem, was wir jetzt tun, handeln wir nach dem Gesetz der Meere: Auf See macht der Tod uns alle gleich“, beruhigt der Kapitän seine Mannschaft. Bald treibt U 156 mit mehreren Hundert Überlebenden auf dem Atlantik, Hartenstein bittet in einem offenen Funkspruch um Hilfe und setzt sein Schiff damit der Gefahr alliierter Bomber aus.

In einem gelungenen Drama darf aber die Liebe nicht fehlen, daher gibt es die Rolle der Hilda Smith (Franka Potente). Sie gibt sich als Britin aus, ist in Wahrheit aber die Münchenerin Hildegard Schmidt, die von der Gestapo wegen Hochverrats gesucht wird.

Im Film wirkt sie völkerverbindend zwischen dem „Laconia“-Offizier Thomas Mortimer (Andrew Buchan) und Kapitän Hartenstein, die beide ein Auge auf sie geworfen haben – die alte Geschichte der Frau zwischen zwei Männern vor historischer Kulisse. BBC und ARD haben für diesen Film viel Aufwand betrieben – Nachbau eines 70 Meter langen deutschen U-Boots, wochenlange Dreharbeiten in Südafrika – und Werner Hartensteins Akt der Zivilcourage damit ein würdiges Denkmal gesetzt.

Der U-Boot-Kommandant selbst überlebte den Krieg nicht, seine barmherzige Aktion bewirkte hingegen den unmenschlichen „Laconia“-Befehl von Admiral Dönitz, der der deutschen Marine die Rettung von feindlichen Schiffbrüchigen fortan untersagte. Das historische Gewicht dieser Verfilmung lässt verschmerzen, dass manche Szenen und Phrasen allzu pathetisch wirken oder ins Schnulzige abdriften. Eine gelungene Mischung aus „Titanic“ und „Das Boot“ ist „Laconia“ aber dennoch – je nach Geschmack mehr zur einen oder zur anderen Seite tendierend.

Ursprünglich sollte „Laconia“ in Deutschland und England parallel ausgestrahlt werden, und das schon 2010. Weil es aber zwei verschiedene Fassungen gibt – in jedem Land ist anderes Hintergrundwissen vorauszusetzen –, hätte sich die Arbeit etwas länger hingezogen, erklärte ARD-Sprecherin Regina Krachowitzer. Bei den Briten lief der Film nun schon Anfang Januar, mit ordentlichen Quoten: 2,9 Millionen Zuschauer (12,1 Prozent) sahen das Kriegsdrama.

Von Sophie Hilgenstock

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