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Medien Arte zeigt letzte Staffel der Serie „KDD - Kriminaldauerdienst“
Mehr Welt Medien Arte zeigt letzte Staffel der Serie „KDD - Kriminaldauerdienst“
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20:06 11.01.2010
Während die LKA-Beamtin Carla Wagner (Henny Reents) versucht, Mehmet Kilic (Billey Demirtas, 2.v.l.) von einem Undercover-Einsatz zu überzeugen, sind Dienstgruppenleiter Helmut Enders (Götz Schubert, li.) und Karsten Stieglitz (Michael Rotschopf, 2.v.r.) dagegen. Quelle: ZDF
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Mit diesen Polizisten möchte man nicht tauschen. Das Team vom Kreuzberger „KDD – Kriminaldienst“ ist wieder da und steckt wie bereits in den vorherigen Staffeln der mehrfach preisgekrönten Serie nicht nur in Ermittlungen kleinerer und größerer Fälle, sondern vor allem ganz tief drin in privaten Problemen. Beinahe alle auf der Polizeiwache im roten Backsteinbau scheinen von ihrem Job überfordert zu sein oder von ihrem Privatleben – oder von beidem.

So manövriert sich Polizist Mehmet Kilic (Billey Demirtas) gleich zu Beginn der zweiteiligen Pilotfolge „Chancen“ in eine schier ausweglose Situation. Kilic verfällt mehr und mehr seiner Kokainsucht, nutzt beschlagnahmte Drogen für den Eigengebrauch und ist immer weniger in der Lage, den Polizeialltag zu bewältigen. Bei seinem Nebenjob als Türsteher in der Diskothek von Veli Gür, einem türkischen Landsmann, der Kontakt zum Waffenhandel hat, enttarnt Kilic versehentlich einen Polizeikollegen, der dort verdeckt ermittelt. Nachdem die wahre Identität aufgeflogen ist, wird der V-Mann ermordet. Und gegen Kilic wird bald intern ermittelt.

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Schutzpolizistin Maria Hernandez (Jördis Triebel) vernachlässigt derweil ihren wenige Monate alten Sohn. Hilfe des mutmaßlichen Vaters Jan Haroska (intensiv und authentisch gespielt von Manfred Zapatka), eines Polizisten und ehemaligen Alkoholikers, lehnt sie jedoch vehement ab. Und Sylvia Henke (Melika Foroutan) möchte nur noch weg vom „KDD“. Allein Wachdienstführerin Kristin Bender (Saskia Vester) ist glücklich, denn sie hat sich in die lebenslustige Müjde (Adriana Altaras) verliebt.

„KDD“ das ist viel Nacht und wenig Tag, viel Verzweiflung und wenig Glück. Ausgerechnet das ZDF, Haussender betulicher Krimiserien wie „Derrick“ oder „Der Alte“, brachte mit „KDD“ im Februar 2007 eine der innovativisten deutschen Fernsehserien ins Programm. Ein bis in die Nebenrollen (Jürgen Vogel, Devid Striesow, Laura Tonke) exzellent besetztes Projekt mit dicht erzählten Geschichten aus einem harten, realistischen Polizeialltag. Manchmal ist das Tempo der Serie ein wenig zu hoch, die ein oder andere Folge überladen. Dennoch entwickelt „KDD“ einen Sog. Wie bei einer Seifenoper entsteht die Spannung daraus, den einzelnen Hauptpersonen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, ihr Leben zu meistern.

Die Serie von Drehbuchautor Orkun Ertener, der dafür unter anderem mit Regisseur und Autor Mathhias Glasner („Der freie Wille“) zusammenarbeitete, erinnert in ihrer Machart an erfolgreiche US-amerikanische Serien. Wie in „Emergency Room“ werden in „KDD“ stets mehrere Handlungsstränge gleichzeitig erzählt. Pro Folge wird nur ein Fall zu Ende erzählt. Alle anderen, vor allem die persönlichen, Geschichten setzen sich über mehrere Wochen fort. Wie in „24“ oder „Dr. House“ sind auch die Hauptpersonen in „KDD“ keine ungebrochenen Helden. Sie sind drogensüchtig, verraten Kollegen, haben Sex ohne einander zu lieben, müssen in die Therapie, haben Schulden oder sind mit ihrer Mutterrolle überfordert.

Wie bei „CSI“ spielen Farben und Kulisse bei „KDD“ eine große Rolle: Alles scheint in bräunlich-gräuliches Licht getaucht, die Farben Kreuzbergs. Die einzelnen Kulissen sind auf den jeweiligen kantigen Charakter abgestimmt. So hängt beispielsweise im Büro von Dienstgruppenleiter Helmut Enders (Götz Schubert) ein Plakat des US-Anarchokrimiautors Kinky Friedman.

„Ich würde ,KDD‘ nicht einmal als Krimiserie sehen, sondern als Drama. Mein Hauptantrieb bestand darin, Menschen zu zeigen“, hat Autor Ertener mal in einen Interview gesagt. Das ist ihm auch in der dritten Staffel gelungen. Weil das ZDF jedoch nie mit den eher mäßigen Quoten zufrieden war, halfen weder Grimme- noch Fernsehpreis. Das Aus der Serie stand nach der zweiten Staffel fest. Koproduzent arte zeigt von heute an die letzten acht Folgen, das ZDF wiederholt diese dann ab April.

Die Geschichten der sieben Kreuzberger Polizisten seien auserzählt, hatte das ZDF offiziell mitgeteilt. Das sieht Orkun Ertener anders. „Ich denke schon, dass da noch Stoff für eine vierte und auch eine fünfte Staffel gewesen wäre“, sagte er der Berliner Tageszeitung „taz“. Er zeigte sich insgesamt von dem fehlenden Mut der Sender enttäuscht: „Wir wollen nicht alle ,Die Bergwacht‘ schreiben beziehungsweise inszenieren.“

Von Christiane Eickmann

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