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Medien Apple blamiert sich mit Karten-Dienst
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13:27 21.09.2012
Foto: Die Nutzer des neuen Apple-Betriebssystems klagen über ungenaue und falsche Karten. Die Calenberger Neustadt etwa ist falsch geschrieben.
Die Nutzer des neuen Apple-Betriebssystems klagen über ungenaue und falsche Karten. Die Calenberger Neustadt etwa ist falsch geschrieben. Quelle: Radix
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Ein Wermutstropfen für den erfolgsverwöhnten Konzern ist die massive Nutzerkritik an seinem ersten eigenen Kartendienst, die in der neuen Version des Betriebssystems iOS 6 für iPhone und iPad die bisherigen Google-Karten ersetzt. Die Apple-Karten sind ärmer an Details und zum Teil auch fehlerhaft. Nutzer dokumentierten die Fehler seit Mittwochabend in Blogs wie "The Amazing iOS 6 Maps". Darunter waren gewellte 3D-Ansichten, falsch platzierte Ortschaften, Bahnstationen oder Restaurants sowie Fehler in Städtenamen.

Apple versprach Verbesserungen und bat die Kunden um Geduld. Das Unternehmen arbeite permanent an Korrekturen, und "je mehr Menschen den Dienst nutzen, desto besser wird er", sagte eine Sprecherin dem US-Blog "All Things D".

Die Kritik an den Karten bremste jedoch nicht die Begeisterung der Fans für das iPhone 5. Auch die anfängliche Experten-Kritik, das neue Apple-Telefon bringe zu wenig Neues und lasse einige Funktionen von Konkurrenzgeräten wie das Galaxy S3 von Samsung vermissen, hielt sie nicht ab. Allerdings hatte das iPhone in ersten Testberichten auch viel Lob für die Qualität des Displays, sein edles Gehäuse aus Aluminium und Glas und zahlreiche Detailverbesserungen eingeheimst.

Das neue Apple-Betriebssystem iOS 6 kommt nicht nur beim iPhone 5 zum Einsatz, sondern kann auch kostenlos auf die meisten älteren iPhone- und iPad-Modelle aufgespielt werden. Deshalb geht die Kritik an den Apple-Karten über das neue iPhone hinaus. Da sich Millionen Nutzer das Update herunterluden, verzeichnete der Netzdienstleister Akamai einen um 50 bis 75 Prozent höheren Datenverkehr weltweit als sonst. So konnten sich auch viele erstaunt über den Fehltritt des sonst so auf Benutzerfreundlichkeit bedachten Konzerns zeigten.

Apple sei bewusst, dass die Karten ein großes Projekt seien, bei dem man erst am Anfang stehe, erklärte Sprecherin Trudy Muller. "Wir sind für alle Hinweise der Nutzer dankbar." Apple arbeite hart daran, die Karten "noch besser" zu machen. Apple hatte an dem Kartendienst mehrere Jahre gearbeitet und auch einige Spezial-Anbieter gekauft. Sie liefern unter anderem 3D-Ansichten von Städten in den neuen Karten. Eine Kooperation mit dem Navi-Spezialisten TomTom soll zudem für die Wegbeschreibungen sorgen.

Seit dem Start des iPhone vor über fünf Jahren waren die Google-Karten fest installiert. Der Internet-Konzern hat seinen Kartendienst immer weiter verfeinert. Doch seit Google mit seinem mobilen Betriebssystem Android zum wichtigsten Konkurrenten vo Apple bei Smartphones wurde, hat sich das Verhältnis der beiden Unternehmen drastisch abgekühlt. Unter anderem setzte Apple eine Lawine von Patentklagen gegen Android-Hersteller wie Samsung oder in Gang.

Mit dem neuen Kartenangebot müssten die Nutzer eine "Strategie-Steuer" bezahlten, brachte es das "Wall Street Journal"-Blog "Digits" auf den Punkt: Apple nehme einen Schwächeren Dienst in Kauf, um die Kontrolle über das wichtige Kartengeschäft wieder an sich zu reißen.

Eine neue Karten-App direkt von Google gibt es zwar nicht, die Karten des Internet-Konzern sind aber weiter über den Browser nutzbar - ebenso wie das konkurrierende Angebot von Nokia. Die Karten können über die Web-Adresse maps.google.com beziehungsweise m.maps.nokia.com auf den Bildschirm geholt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Apple den Start eines Dienstes verpatzt. Noch unter dem legendären Gründer Steve Jobs ging 2008 das Debüt des Online-Dienstes MobileMe mit E-Mail und Speicherfunktionen daneben, Nutzer klagten massenhaft über Ausfälle.

dpa

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