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Medien Anke Engelke: „Da ist kein Platz für Bullshit“
Mehr Welt Medien Anke Engelke: „Da ist kein Platz für Bullshit“
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00:15 14.02.2013
Von Imre Grimm
Anke Engelke: "Das ist nicht meine Show, da geht’s um Musik." Quelle: dpa
Hannover

Frau Engelke, nun hat’s geklappt: Sie moderieren „Unser Song für Malmö“. War es schwer, Sie zu überreden?
Ach nö, das ging. Es musste einfach passen, das Team, mein Gefühl. Und es passt alles. Ich bin ja sowieso ein Fan des Eurovision Song Contest, das macht’s leichter. Ich freue mich drauf.

In den ESC-Foren herrscht helle Begeisterung. Kommen Sie gut mit hohen Erwartungen zurecht?
Naja, ich mache auf der Bühne einfach, was ich immer mache. Ich habe ja Erfahrung mit dem ESC, ich habe mit Stefan Raab und Judith Rakers 2011 das Finale in Düsseldorf moderiert, ich saß in der Jury, ich habe 2012 die deutschen Punkte nach Aserbaidschan gemeldet ...

... und zwar mit einem zehnsekündigen, freundlichen Appell an das autoritäre Regime in Baku, für den Sie sehr gefeiert wurden. Wann hatten Sie sich das überlegt?
Ich bin da einfach rausgelatscht und habe meine Meinung gesagt. Man hat ja auch ohne ESC eine Haltung zu politischen Zuständen, so war das auch bei mir mit Aserbaidschan, aber die genauen Worte habe ich mir nicht vorher zurechtgelegt. Es ist ja bekannt, dass der ESC ein unpolitisches Festival ist, aber mir war nicht klar, dass ich Roman Lob beziehungsweise seine Teilnahme mit einem Statement gefährde. Aber dann war’s auch schon zu spät.

Gab’s Ärger hinterher? Aus Baku? Oder vom Veranstalter?
Nö, komischerweise nicht. Ich hatte damit gerechnet, als man mich hinterher über die Regeln aufklärt - aber es kam nichts. Ich wollte ja auch gar nichts Konkretes an diesem Abend - nur mal ganz kurz die Hand heben und sagen: Hallo, wir müssen uns unserer Geschenke, unserer Möglichkeiten bewusst sein. Ich wollte einfach klarmachen, dass es hier nicht nur um Musik geht, dass es ein Privileg ist, demokratisch wählen zu dürfen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin keine Politikerin, ich äußere mich nicht politisch, aber meine Arbeit halte ich durchaus für politisch, auch wenn es „nur“ Comedy ist oder Schauspiel. Da steckt viel mehr dahinter, als man so denkt. Im Grunde ist ja alles Politik, was man öffentlich tut oder sagt.

Ist das schwierig, beim ESC diese Balance zu halten zwischen Pathos und Leichtigkeit? Es soll ja alles irgendwie bedeutend wirken und gleichzeitig ironisch. Wie gehen Sie da ran?
Es gibt keinen Plan. Ich hab’ bloß eine Haltung, die steckt in jedem Wort. Wenn ich wie in Düsseldorf in drei Sprachen einen exakt auf die Sekunde getakteten, vollständig vorformulierten Text abliefern muss, dann ist kein Platz für Improvisation. Dann hat man nur eine Chance: authentisch sein, eben wahrhaftig. Man muss das meinen, was man sagt. Das wäre ja sonst die totale Lüge, darauf habe ich keinen Bock. Dann bin ich lieber kitschig, wenn ich mich danach fühle, oder eben ernst. Das hat sich einfach so entwickelt mit den Jahren. Ich hab schon mit zwölf beim Hörfunk moderiert, beim Fernsehen dann mit 13. In dem Alter gibt’s kein Kalkül, da ist kein Platz für Bullshit. Ich verbiege mich nicht.

Ist das Comedy-Stigma eigentlich ein Hindernis, wenn Sie große Galas moderieren? Erwarten die Leute das Falsche?
Ich moderiere ja gar nicht klassisch. Ich finde das sehr schwierig. Mit „Anke Late Night“ in SAT.1 bin ich deswegen ja auch gescheitert, es entspricht einfach nicht meinem Naturell. Wenn da einer steht, der sich nicht wohlfühlt, merken die Leute das. Die lassen sich nicht verarschen. Und ich habe mich nicht wohlgefühlt, das war nicht meins. Ich mag internationale Galas wie die Berlinale, ich mag Liveshows, ich mag diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lässigkeit. Ich kann besser Sachen präsentieren, die ich selber cool finde, als mich selbst zum Thema zu machen. Und wenn ich mich mal verstelle, dann so offensiv, dass es wirklich jeder merkt. Bei mir ist immer klar, die ist jetzt Anke Engelke, oder: Die Tante hat jetzt’n Text gelernt, die ist jetzt jemand anders.

Sie sagen, Sie sind Fan des ESC. Warum eigentlich?
Ich mag einfach diese Idee, mal zu gucken, was die anderen Länder so treiben - mit der eigenen Musikkultur, mit dem europäischen Gedanken. Was weiß ich denn sonst von albanischer Musik? Oder litauischer? Und plötzlich - bäm! - steht da so’n Ding, und man freut sich. Und stellt fest, ob die was Eigenes mitbringen oder sich verbiegen und sagen: Geige hat letztes Jahr funktioniert, also Geige. Oder ob sie schockieren wollen oder herum experimentieren. Das ist doch irre! Malta zum Beispiel: Regelmäßig stellen die mir da eine Bombensängerin nach der anderen hin. Wo kommen die alle her? Und dann entwickelt man so irrationale Sympathien, total subjektiv. Das ist wahnsinnig spannend. Ich bin sonst kein Wettbewerbstyp, schon als Kind nicht, bei den Bundesjugendspielen hab ich immer total abgelost. Oder das Guinness-Buch: nicht mein Ding. Aber beim ESC gefällt mir das. Ich mache immer zwei Listen: eine, wie das Ergebnis lauten sollte, und eine, wie es lauten wird. Letztes Jahr gab’s eine Premiere: Ich hatte Loreen mit „Euphoria“ auf beiden Listen vorn.

Was war denn Ihre ESC-Einstiegsdroge?
1974, ABBA, „Waterloo“. Da war ich acht Jahre alt. Wer das mitsingen kann, der ist alt. Von dem Posaunisten Nils Landgren gibt’s ‘ne tolle Platte mit ABBA-Songs, „Funky ABBA“. Als ich auf seinem Konzert in Bonn war, war ich die Einzige, die alle Texte konnte. Und zwar, weil ich mir die Platten damals am Erscheinungstag gekauft habe. Das ist krass. Aber ABBA ist ein gutes Fundament. Wenn ABBA meine musikalische Sozialisation ist, kann nichts schiefgehen.

ARD und Pro7 verzichten in diesem Jahr auf eine Kooperation, statt Casting gibt es nur noch eine Show. Eine gute Entscheidung?
Ich finde das gut. Das wird eine starke Show, es sind ein paar echte Überraschungen drin, die Mischung stimmt einfach. Die zwölf Kandidaten repräsentieren die deutsche Musik.

Was erwartet die Zuschauer denn in Hannover? Singen Sie auch?
Nee, ich halte mich zurück. Das ist nicht meine Show, da geht’s um Musik. Das sollen die Leute auch spüren. Lena wird da sein und Loreen, das wird super, sehr sexy. Ich habe zwei totale Favoriten und einen Joker, den ich nicht mehr aus dem Ohr kriege - aber ich bleibe natürlich neutral.

Der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest, „Unser Song für Malmö“, geht am Donnerstag, 14. Februar 2013, in der TUI Arena in Hannover über die Bühne. Die ARD sendet live ab 20.15 Uhr.

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