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Medien Angestellte in China wird per Internet zur Heldin
Mehr Welt Medien Angestellte in China wird per Internet zur Heldin
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23:05 15.06.2009

So wie in ihrer jüngsten Schlacht, die sie im Namen einer Fußpflegerin schlägt, der wegen Mordes die Todesstrafe drohte – bis in der Internetöffentlichkeit die Frage nach Tätern und Opfern aufkam.

Begonnen hat alles mit einer Kurzmeldung auf der Nachrichtenseite des Städtchens Enshi in der Provinz Hubei. Am 10. Mai sei der Chef der örtlichen Investitionsbehörde im Xiongfeng-Hotel von einer Angestellten namens Deng Yujiao erstochen worden. In Dengs Handtasche habe die Polizei Psychopharmaka gefunden, hieß es. Eine Verrückte also.

Dennoch erregte der Fall in Enshi Verdacht. Schließlich betrieb das Xiongfeng-Hotel das Badehaus „Traumstadt“, das wie viele Badehäuser auch als Bordell fungierte. Schon bald war in Chaträumen eine detailliertere Version des Tathergangs zu lesen: Die 21jährige Deng Yujiao, die in dem Hotel seit kurzem als Fußpflegerin arbeitete, hatte am besagten Abend im Badetrakt ihre Wäsche gewaschen und war von dem Kader und zwei Untergebenen aufgefordert worden, mit ihnen in die Wanne zu steigen.

Als sie sich weigerte und erklärte, dass sie nicht für „besondere Dienstleistungen“ zu haben sei, versuchten die Männer sie zu vergewaltigen. In ihrer Not griff sich Deng ein Obstmesser und rammte es dem Beamten in den Bauch.

Die Polizei, die sie danach anrief, verhaftete sie wegen Mordes und schickte sie in eine psychiatrische Anstalt, wo man sie ans Bett fesselte und mit Medikamenten ruhig stellte.

Die Geschichte verbreitete sich bei den chinesischen Nutzern des Internets wie ein Lauffeuer. Prominente Blogger und Journalisten reisten nach Enshi, um selbst zu recherchieren. Dass mehrere von ihnen zusammengeschlagen wurden, bewies,dass die örtliche Polizei viel zu verbergen hatte. In Chatforen wurde Deng als „Heldin des Jahres“ gefeiert. „Unser Land ist voller ekelhafter Beamten“, lautete ein anonymer Eintrag. „Gut, dass wenigstens einer tot ist.“

Die Partei reagierte alarmiert – wohl wissend, dass sich die Internetgemeinde mit Deng nicht nur solidarisiert, sondern auch identifiziert. Nachdem die Behörden drei Wochen bei ihrer alten Version blieben, legten sie einen neuen Polizeibericht vor, der eingesteht, dass Deng aus Notwehr gehandelt habe, wenn auch „mit übertriebenen Mitteln“. Vor Gericht wird Deng, die inzwischen wieder zuhause wohnen darf, nun nicht mehr wegen Mordes, sondern nur noch wegen Totschlags angeklagt. Außerdem mussten die beiden Begleiter des Getöteten ihre Posten in der Stadtregierung räumen.

Enshis Behörden kündigten, künftig scharf gegen Prostitution, Glücksspiel und Drogenkonsum vorgehen zu wollen. Sollte es der Regierung damit tatsächlich ernst sein, müsste sich das schnell umsetzen lassen. Schließlich wissen Beamten genauestens Bescheid, wo sie die Bordelle finden.

von Bernhard Bartsch

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