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Medien Amerikanische Reality-Shows: Manche mögen´s verrückt
Mehr Welt Medien Amerikanische Reality-Shows: Manche mögen´s verrückt
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11:26 02.04.2013
US-Reality-Showsstars Sharon (links), Ozzy und Kelly Osbourne: Amerikanische Fernsehzuschauer können verrückte Schicksale wie das der Osbournes in unzähligen Reality-Shows mitverfolgen. Quelle: dpa
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New York

Die vier Freundinnen kommen aus New York, haben einige Schönheits-OPs hinter sich und streiten gerne. Carla, Karen, Drita und Renee sind die Gangsterversion von „Sex and the City" aus Long Island. In der Reality-Show „Mob Wives", was übersetzt soviel bedeutet wie Mafia-Ehefrauen, begleiten Kameras die vier Frauen im täglichen Leben – während Ehemänner oder Väter wegen Mafiageschäften im Knast sitzen. Streiten sich die Frauen, gehen sie sich schon mal an die Gurgel. Häufigstes Wort ist standesgemäß "Fuck!"

Die Schöpfer von Reality-Sendungen suchen nach den Grenzen des Ertragbaren. Dabei begann alles recht unspektakulär. 1973 startete "An American Family" als eine der ersten Reality-Shows. Die Macher wollten in der Serie das Leben einer durchschnittlichen amerikanischen Familie aus Santa Barbara porträtieren. Schon damals bröckelte die heile Welt, als sich ein Sohn als schwul zu erkennen gab. Mittlerweile hat sich "Reality TV" von der Durchschnittsfamilie entfernt.Starfamilien rücken schon seit Jahren in den Fokus der TV-Macher. "The Osbournes" zeigte das zuweilen spießige Leben des ehemaligen Black-Sabbath-Sängers Ozzy Osbourne. Nach Hotel-Erbin Paris Hilton hat nun Kim Kardashian die Aufmerksamkeit der Reality-Show-Fans. Die kurvige Tochter eines berühmten Anwalts füllt mit ihrem bewegten Liebesleben die amerikanischen Klatschblätter – inklusive Kurzehe (72 Tage bis zur Trennung) und Schwangerschaft.

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Doch eigentlich haben sich die Macher längst auf eine neue Gruppe von Protagonisten gestürzt: Die Verrückten. Der Sender TLC ist spezialisiert auf absonderliche Schicksale. "My Strange Addiction" zeigt Menschen, die sich mehrmals pro Tag einen Kaffee-Einlauf verpassen, Katzenhaare oder Deodorantsticks essen, Benzin trinken oder sich absichtlich von Bienen stechen lassen ("Danach war der Sex immer besser"). Eine andere Show porträtiert Sammelwütige, die das ganze Haus voller Kinderpuppen, Sexpuppen oder Ratten haben ("Mein Mann hat sich wegen der Ratten von mir getrennt").

Minderjährige bleiben bei den TLC-Sendungen nicht verschont. In einer Show treten kleine Mädchen in Schönheitswettbewerben gegeneinander an - und sehen dabei aus wie Barbie-Puppen. Die sechsjährige Alana Thompson benahm sich in der Show so verhaltensauffällig, dass sie unter ihrem Spitznamen "Honey Boo Boo" eine eigene Show bekam und zum Internethit wurde. Die übergewichtige Mutter, die mit großer Besessenheit Rabattgutscheine sammelt, hat der Sender gleich in einer Show über Schnäppchenjäger verwurstet.

Für jede Lebenslage gibt es eine eigene Sendung: Ungewollte Schwangerschaft von Minderjährigen ("Teen Mom"), Suche nach einem Brautkleid ("Say Yes to the Dress") oder das Entrümpeln einer Messie-Wohnung ("Hoarding: Buried Alive"). Selbst für Beerdigungen hat TLC eine Show, in der ein Bestatter der besonderen Art begleitet wird. Die Angehörigen dürfen für die Show "Best Funeral Ever" der Beerdigung ein Thema geben. So wird etwa ein Sarg von Boxern in einen Boxring getragen oder die Trauergäste grillen gemeinsam.

Familienporträts ohne Starfaktor haben die Sender ebenfalls nicht aufgegeben. Das amerikanische Pendant zu der RTL-II-Reihe "Die Wollnys - Eine schrecklich große Familie!" hat sich aus christlichen Motiven entschieden, nicht mehr zu verhüten. "19 Kids and Counting" ist der verheißungsvolle Titel. Die Vornamen aller Kinder beginnen mit J. Ansonsten scheint die Familie relativ normal zu sein.

Im Gegensatz zu Rapper Shawty Lo, der elf Kinder von zehn verschiedenen Frauen hat. Das war zu viel: 40 000 Amerikaner unterzeichneten eine Petition gegen die Sendung. Der Vorwurf lautet, das Format schüre Vorurteile gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung. Die Sendung mit dem Arbeitstitel "All my Babies' Mamas" wurde daraufhin erst gar nicht ausgestrahlt.

dpa