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Medien „Am Kreuzweg“: Fernsehfilm mit Harald Krassnitzer in der ARD
Mehr Welt Medien „Am Kreuzweg“: Fernsehfilm mit Harald Krassnitzer in der ARD
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20:54 08.03.2011
Von Simon Benne
Quelle: ARD
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Traulich schummern die Kerzen in der badischen Barockkirche. Es gibt Weihwasser, Messgewänder und Kruzifixe in dieser Welt, es gibt Tischgebet und Tauferneuerung, und in der Osternacht schallen die „Lumen Christi“-Rufe der Gläubigen feierlich durchs Gotteshaus. Das TV-Drama „Am Kreuzweg“ breitet die ganze Idylle eines katholischen Milieus aus. Natürlich ist klar, dass es sich in einem Mittwochsfilm der ARD dabei nur um eine trügerische Fassade handeln kann. Denn bald taucht die reizende Familie des beliebten Pfarrers Feninger auf, die es nach dem Willen der Kirchenoberen gar nicht geben dürfte, da Priester zur Ehelosigkeit verpflichtet sind. Und schnell ist klar, dass der Film keine gesteigerte Leidenschaft darauf verwenden wird, dem verborgenen Sinn des Zölibats nachzuspüren. Doch bei aller Berechenbarkeit ist Regisseur Uwe Janson über weite Strecken ein facettenreicher Film gelungen, der auf voyeuristische Effekte verzichtet.

Harald Krassnitzer, zuletzt am vergangenen Sonntag als „Tatort“-Kommissar mit permanent unerlöstem Gesichtsausdruck in Wien unterwegs, überzeugt als Pfarrer, der sich in seiner Situation eingerichtet hat: Er ist angesehen in seiner Schwarzwaldgemeinde. Seine Beziehung zu Karin Wagner (Karoline Eichhorn) hält er seit 20 Jahren geheim. Die kleine Marie und der 19-jährige Georg ahnen nicht, dass der Pfarrer, der gerne bei ihnen am Tisch sitzt, in Wirklichkeit ihr Vater ist. Dann allerdings will Sohn Georg seinerseits Priester werden, aus Idealismus, weil es doch noch mehr geben muss als Fressen und Saufen – und die Wahrheit bricht sich Bahn: „Es reicht, dass ich meinen Mann an die Kirche verloren habe. Meinen Sohn gebe ich nicht her“, sagt die verhinderte Pfarrersfrau Karin und räumt mit allen Lügen auf.

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Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman, selbst protestantischer Pastorensohn, beschrieb das evangelische Pfarrhaus einst als eine Art Vorhof zur Hölle. Das katholische Pfarrhaus in diesem Film ist einen Schritt weiter: ruhig und unaufgeregt erzählt „Am Kreuzweg“ von einer vernachlässigten Familie und einer verleugneten Liebe, von Doppelmoral und dem unauflösbaren Konflikt eines Priesters. Der Film skizziert die Wechselwirkungen zwischen Schuldgefühlen und Vorwürfen, Beschweigen, die in so einer Familie herrschen mögen. Die Lüge, das wird klar, ist allzu oft die Schwester des Zölibats. Und die erste Lüge gebiert immer neue Lügen, die dann den Weg zurück immer mehr verstellen: „Wenn ich jetzt die Wahrheit sage, dann bin ich am Ende“, sagt der Pfarrer, der um seinen ganzen Lebensentwurf fürchtet. Wahrheit ist für ihn nicht Befreiung, sondern Bedrohung.

Allerdings scheint der Film seiner eigenen, bewegenden Geschichte nicht recht zu trauen: Pfarrerssohn Georg offenbart sein Familiengeheimnis ausgerechnet einem sinistren Priesteramtskandidaten, der von Ferne an Wilhelm Buschs „Pater Filuzius“ erinnert. Dieser wiederum petzt alles dem Bischof, einem Mann, dessen Dummheit nur noch von seiner Hartherzigkeit übertroffen wird: „Du hast einer Frau Macht über dich gegeben“, herrscht er den gebeutelten Pfarrer im Sound des 19. Jahrhunderts an, „ihr werdet euch trennen!“ Und prompt setzt der Pfarrer zum Befreiungsschlag an: In der voll besetzten Sonntagsmesse legt er vor der Gemeinde eine spektakuläre Generalbeichte ab. Ein Showdown am Altar.

Symbolträchtig diktiert Pfarrer Feninger schließlich seiner Frau einen sogenannten Dispensantrag an den Papst: Er will sich laisieren, also in den Laienstand zurückversetzen lassen, um dann als Pfarrer weiterzuarbeiten – eine Möglichkeit, die das katholische Kirchenrecht in Wirklichkeit gar nicht vorsieht. Zudem garnieren Zölibatsgegner, die dem geschassten Pfarrer beistehen, ihre Kritik überflüssigerweise mit theologischen Halbgarheiten („Erlösung muss auch durch uns selbst geschehen“). Und so wird der Blick auf die Pastelltöne des Films teils von Klischees verstellt, für die es keine Absolution geben kann.

„Am Kreuzweg“ | ARD | Fernsehfilm mit Harald Krassnitzer, Mittwoch, 20.15 Uhr

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