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10:24 03.03.2011
„Mord mit Aussicht“-Schauspielerin Caroline Peters posiert für die ARD. Quelle: dpa
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Die ARD steht vor einem beinahe historischen Umbruch ihres Vorabendprogramms. Die Weichen sind nach langen internen Diskussionen Ende des vergangenen Jahres gestellt worden. Statt müder Quizshows mit stetig sinkenden Quoten nach dem Weggang von Aushängeschild Jörg Pilawa zum ZDF soll nun eine neue „Farbe“ das quotenschwache Werberahmenprogramm zwischen 18 und 20 Uhr bestimmen: Der regionale Krimi mit Witz und Pfiff.

Nach dem Vorbild der Dienstagabend-Krimiserie „Mord mit Aussicht“, in der Hauptdarstellerin Caroline Peters als Eifel-Kommissarin Sophie Haas nicht tierisch ernst, sondern mit Humor ermittelt, braucht die ARD nun neue Krimikonzepte. Zunächst sollen im Herbst zwei neue Serien nach dem Motto smile and crime starten. Vorstellbar ist, dass nach dem montäglichen „Großstadtrevier“ zwei Produktionen am Dienstag und Mittwoch jeweils um 18.50 Uhr auf den Sender gehen.

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Das Signal hatte durchschlagende Wirkung in der Produzentenszene, die immer wieder die wachsende Monotonie öffentlich-rechtlicher Programme bemäkelte, weg von der guten Erzählhandlung hin zu billig konfektionierter Massenware wie Quiz. Und nun das! Die beiden neuen Serien sollen um die 13 Folgen lang sein, zwei weitere neue Produktionen sollen gleich im Anschluss starten, wenn die ersten durch sind und Pause machen müssen - also vier satte Aufträge.

Um die bewerben sich gleich diverse Firmen. Wer, das ist natürlich streng geheime Kommandosache. Unter der Hand wird gemunkelt, dass die Ufa-Gruppe gleich mehrere Hüte in den Ring geworfen hat. Zum Beispiel soll nach Brancheninformationen die Ufa Film & TV Produktion drei regional angesiedelte Konzepte entwickelt haben, mit Standorten in Sachsen, Berlin und in Bayern. Aber auch die Bavaria und ihre Töchter außerhalb der Zentrale in München sind da mit am Ball.

Auch die der Ufa-Firmengruppe angegliederte Phoenix Film ist in ihrer Entwicklung weit vorangeschritten. Der Titel ihrer geplanten Serie heißt „Friesisch herb“ und spielt in Nordfriesland. Die Absicht der ARD ist es, diese Projekte möglichst von der ARD-Werbung (die zwischen 18 und 20 Uhr läuft) und von der für die betreffende Region zuständigen Landesrundfunkanstalt finanzieren zu lassen - in diesem Fall wäre es der NDR. So könnte beispielsweise der NDR in seinem dritten Programm die Serie wiederholen.

Auch die christlich orientierte Produktionsfirma Eikon hat ein Serienmodell entwickelt, das im Kölner Raum platziert ist - Der Arbeitstitel lautet: „Henker und Richter“. Ziel der ARD ist es, möglichst an allen Werktagen nach dem Ende der täglichen Soap „Verbotene Liebe“ eine humorvolle Krimiserie zu senden - das wäre aber das Endausbaustadium einer Idee, die längst noch nicht der Realitätsprüfung standgehalten hat. Auch der exakte Start der ersten beiden Serien steht noch nicht fest. Die Produzenten scharren jedenfalls mit den Füßen, sie müssten im Frühjahr loslegen.

Der Schwerpunkt „Serie am Vorabend“ ist nichts Neues im System ARD. In den 90er Jahren wimmelte es nur so von Fiction. Mit „Berlin, Berlin“ und Felicitas Woll erntete die ARD noch Anfang 2000 recht ordentliche Marktanteile und gute Kritiken, mit „Türkisch für Anfänger“ nur noch gute Kritiken. Danach sank das Interesse am Vorabend mit Bruce-Darnell-Schminkshows und Kuppelformaten dramatisch. Oft gucken weniger als eine Million Menschen zu. Die Konkurrenz mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (RTL) und vor allem den ZDF-Serien ist erdrückend.

Niemand kann in der ARD derzeit die Kardinalfrage beantworten: Holen wir uns jemals das verloren gegangene Publikum zurück?

dpa