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Medien ARD-Sportkoordinator Balkausky zum Streit um Randsportarten im Fernsehen
Mehr Welt Medien ARD-Sportkoordinator Balkausky zum Streit um Randsportarten im Fernsehen
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18:31 09.03.2011
Axel Balkausky (49) war DSF-Chefredakteur und ist ARD-Sportkoordinator und NDR-Sportchef.
Axel Balkausky (49) war DSF-Chefredakteur und ist ARD-Sportkoordinator und NDR-Sportchef. Quelle: Handout
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Herr Balkausky, haben Sie eine Lieblingssportart?
Ich habe viele Lieblingssportarten. Aber da ich in der Jugend bei Werder Bremen Fußball gespielt habe, ist das schon eine besondere Lieblingssportart geblieben. Und durch mein Amt (Sportkoordinator der ARD – die Red.) habe ich auch die Wintersportarten schätzen gelernt.

Ausgerechnet Fußball und Wintersport: Zahlreiche Sportverbände haben ja zuletzt kritisiert, dass in der ARD kaum noch andere Sportarten stattfinden.
Ich finde diese Vorwürfe bemerkenswert. ARD und ZDF sind die Einzigen, die diesen anderen Sportarten ein Fenster im Programm bieten, sowohl live als auch in Zusammenfassungen. Wir sind da einzigartig, denn diese Sportarten werden nicht bei den Privaten und auch nicht bei den Sportspartensendern gezeigt. In dieser Runde hat sich übrigens auch der Präsident des Bobweltverbands zu Wort gemeldet, und ich denke, die können sich über zu wenig Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen überhaupt nicht beschweren.

Also können Sie die Kritik der Verbände nicht nachvollziehen?
Doch, kann ich. Jeder Verband möchte mehr Fernsehpräsenz, weil das der Sportart und den Sponsoren guttut. Aber wir haben in der ARD auch nicht unbegrenzt Sendeminuten zur Verfügung.

Wie hoch ist denn der Anteil der Sportberichterstattung am ARD-Gesamtprogamm?
Etwa acht Prozent im Programm der ARD sind Sportübertragungen, und dies übrigens nur in Jahren mit Fußball-Großereignissen und Olympischen Spielen. Ansonsten liegt der Anteil des Sports eher bei sechs Prozent. Mehr können wir auch nicht leisten, weil wir ja nicht unbegrenzt über Mittel und Personal verfügen. Dennoch habe wir im vergangenen Jahr 80 Sportarten im Ersten und in den dritten Programmen gezeigt.

Aber es gibt doch auch den Sendeauftrag. Wie definieren Sie den für die Sportberichterstattung?
Wir müssen die Breite des Sports abbilden, und das tun wir auch.

Ein Vorwurf ist, dass die ARD vor allem den Fußball abbildet.
Das stimmt hinten und vorne nicht. Im vergangenen Jahr waren 25 Prozent der Sportberichterstattung in der ARD Fußball. Von den restlichen 75 Prozent ist ein Viertel Wintersport, und der ganze Rest verteilt sich auf Sommersportarten.

Aber zu welchen Zeiten und in welchen Programmen laufen Randsportarten?
Dann, wenn sie stattfinden. Die Leichtathletik-EM 2010 ist in der Primetime gezeigt worden. Aber viele Sportarten finden nun einmal am Wochenende statt. Das ist ja nicht unsere Entscheidung. Die können wir dann eben nur am Wochenende, live oder in Zusammenfassungen, zeigen.

Weshalb der Sendeplatz am Sonnabend um 18 Uhr im Ersten, direkt vor der Bundesligaberichterstattung, für viele Sportverbände so attraktiv zu sein scheint. Aber da kommen Berichte aus der 3. Fußballliga.
Also, es wird immer so getan, als würde der Fußball die ganze Zeit regieren. 30 Sonnabende im Jahr stimmt das, aber an den anderen 20 Sonnabenden werden alle möglichen anderen Sportarten gezeigt.

Zum Beispiel Leichtathletik. Jetzt ist aber ein heftiger Streit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband entbrannt, weil die ARD die Weltmeisterschaft in diesem Jahr nicht übertragen wird.
Ich möchte betonen, dass wir die Einzigen sind, die Leichtathletik regelmäßig gezeigt haben und auch in Zukunft zeigen werden. Wir haben uns die Rechte an den deutschen Meisterschaften und den Europameisterschaften gesichert.

Aber ausgerechnet die Weltmeisterschaften, das wichtigste Ereignis, werden nicht gezeigt. Warum?
Wir haben bei den Rechteverhandlungen ein sehr hohes Angebot gemacht, was allerdings unter dem lag, das wir vor der vergangenen WM gemacht haben. Damals hatte die Kirch-Mediengruppe ganz massiv dagegen geboten und wollte sich die Rechte sichern. Die Leichtathletik ist für uns aber eine Kernsportart, die wir unterstützen wollen und gerne übertragen. Daher wollten wir die Rechte unbedingt halten. Außerdem gehörte damals zum Rechtepaket eine WM in Deutschland, und von der Wertigkeit sind Weltmeisterschaften in Daegue oder in Moskau natürlich nicht damit vergleichbar. So sind andere Vertragssummen entstanden. Dieses Mal hat der Internationale Leichtathletikverband die Rechte an eine Sportrechteagentur übertragen. Die haben vermutlich mehr Geld geboten und versuchen nun, diese Summe bei uns wieder einzutreiben.

Der frühere Präsident des Deutschen Leichtathletikverbands, Helmut Digel, hat vorgerechnet, dass die Übertragung eines Testspiels der Fußball-Nationalmannschaft teurer sei als die komplette Weltmeisterschaft in anderen Sportarten.
Die Zahlen von Herrn Digel stimmen nicht und sind absurd. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass wir 2009 eine Leichtathletik-WM in Berlin mit über 100 Kameras produziert haben. Ich glaube, einige der Leichtathleten haben sehr schnell vergessen, was wir da investiert haben.

Stichwort Investieren: Sie müssen als zuständiger Koordinator in den kommenden Jahren bei der Sportberichterstattung sparen, stimmt das?
Ja. Wir haben von der ARD Auflagen für 2011 und 2012 bekommen. Wir müssen zehn Millionen Euro pro Jahr einsparen, zum Beispiel beim Erwerb von Übertragungsrechten. Das hängt damit zusammen, dass die Einnahmen von ARD und ZDF insgesamt rückläufig sind.

In diesem Zusammenhang wurde sogar spekuliert, die ARD werde zukünftig eventuell auf die Übertragung der Olympischen Spiele verzichten.
Nein. Wir wollen die Rechte an den Olympischen Spielen unbedingt. Ganz klar. Aber auch hier gilt: Wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben.

Zur Fußball-Bundesliga: Derzeit werden zwei Modelle von der Deutschen Fußball-Liga für die Zeit nach der Saison 2012/2013 favorisiert, eines ohne „Sportschau“ am Sonnabend um 18.30 Uhr. Wie wahrscheinlich ist es, dass von 2013 an keine zeitnahen Bundesligazusammenfassungen mehr in der ARD zu sehen sein werden?
Das kann ich im Augenblick nicht sagen. Für uns ist ganz klar, dass wir die „Sportschau“ weiterhin haben wollen und dass sie auch ein wichtiges Gut für die Bundesligavereine ist. Warten wir mal ab, wie die Ausschreibung am Ende aussehen wird.

Interview: Patrick Hoffmann

Frerk Schenker 09.03.2011
09.03.2011