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Medien Snoopy und das Rückgaberecht
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00:15 19.11.2015
Der US-Karikaturist Robert Sikoryak hat die Lizenzbedingungen zur Nutzung von Apples Musikdienst iTunes in einen Comic verpackt. Quelle: dpa/Montage
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Hannover

Ewig langer Text und unverständliche Sätze in Juristensprache: Allgemeine Geschäftsbedingungen, Endnutzerlizenzvereinbarungen und Datenschutzerklärungen sind der nervigste Teil bei Online-Einkäufen oder Anmeldungen in sozialen Netzwerken.

Dabei geht es auch anders: Der US-Karikaturist Robert Sikoryak hat zum Beispiel die Lizenzbedingungen zur Nutzung von Apples Musikdienst iTunes in einen Comic verpackt. Juristisch ist "iTunes Terms and Conditions" nicht belastbar, aber sehr aufschlussreich und unterhaltsam.

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Etwa 50 Seiten hat Sikoryak in seinem Tumblr-Blog "iTunestandc" schon gezeichnet, jede Episode orientiert sich am Stil eines anderen Zeichners. "Alle Vervielfältigungsrechte für Inhalte liegen bei Apple", informiert zum Beispiel ein bebrillter Computernerd, während ein an Hergés Struppi erinnernder Hund ihn auf ein Mumienmassengrab hinter einer apfelförmigen Tür aufmerksam macht. Und Charles M. Schulz’ Snoopy denkt vor seiner Hundehütte mit Apfellogo darüber nach, dass Vorbestellungen so lange widerrufen werden können, bis das Apple-Produkt auf dem Markt ist.

AGB sollen kundenfreundlicher werden

Verbraucherschützerin Carola Elbrecht findet die Comic-Idee genial, sieht darin allerdings kein Vorbild für Unternehmen: "Das ist ein Großprojekt, bei dem es eher um die Unterhaltung geht." Doch an der Ausgangslage sollten sich Firmen ein Beispiel nehmen und ihre AGB und Datenschutzrichtlinien kundenfreundlicher machen. Denn obwohl Internetnutzer gesetzlich verpflichtet sind, sich über die Vertragsbedingungen zu informieren, lesen nur etwa 47 Prozent das "Kleingedruckte", bei den Nutzern unter 30 Jahren ist es sogar nur jeder Vierte. Das ergab eine Studie des Bundesverbands Verbraucherzentrale. Als Hauptgrund gab eine große Mehrheit an, dass AGB zu lang und zu umständlich formuliert sind.

Schon seit Jahren kämpft die Verbraucherzentrale um verständlich formulierte AGB, zuletzt verklagte sie den Nachrichtendienst "Whats app", weil die Nutzer die Geschäftsbedingungen nur in englischer Juristensprache erhielten. Das Gericht wies die Klage ab, allerdings nur deshalb, weil die Verbraucherzentrale in diesem Fall kein Klagerecht besaß. "Einzelpersonen können aber dagegegen vorgehen", sagt Elbrecht.

"Für den Verbraucher unzumutbar"

Doch selbst wenn es die AGB in deutscher Sprache gibt, ist das Kernproblem nicht gelöst. "Ich habe mal eine Kinderspiel-App auf dem Smartphone getestet und musste 109-mal scrollen, ehe ich auf der letzten Seite der AGB angekommen war", erzählt Elbrecht. "Das ist für den Verbraucher unzumutbar." Ebenso wie das elfseitige Pamphlet, das Google-Nutzer bestätigen sollen. "Die Informationen sind wichtig, müssen aber wohldosiert sein."

Einige Initiativen versuchen bereits, ähnlich wie Comiczeichner Sikoryak, die AGB in eine leicht verständliche Struktur zu bringen. Die unter anderem vom "Time-Magazine" und "Zeit Online" geförderte Initiative "Terms of Service; Didn’t Read" fasst zum Beispiel das Wichtigste in den AGB beliebter Onlineanbieter wie Youtube, Twitter und Amazon zusammen und bewertet es. Auch das Justizministerium hat eine Fokusgruppe gebildet, die einen Musterbogen erstellen soll, auf dem die wichtigsten Datenschutzhinweise in knapper und verständlicher Form erklärt werden.

Verbraucherschützerin Elbrecht hat noch eine andere Idee, wie Unternehmen es ihren Kunden erleichtern können, sich mit den AGB zu befassen. "Es wäre etwa möglich, statt Text Piktogramme zu zeigen, hinter denen ein kurzer Text steht." Will der Nutzer also vor allem wissen, bis wann er ein Produkt zurückgeben kann, so muss er nicht minutenlang scrollen, sondern klickt einfach auf das entsprechende Bildchen für "Rückgaberechte".  

Von Isabel Christian

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