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12:22 19.11.2013
Von Imre Grimm
Foto: Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer hat Kollegin Linda Zervakis (Foto) bei einem „Sid-nei“ statt „Sid-ni“ erwischt.
Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer hat Kollegin Linda Zervakis (Foto) bei einem „Sid-nei“ statt „Sid-ni“ erwischt. Quelle: dpa
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Berlin

Als der liebe Gott die Buchstaben über die Erde verstreute, arbeitete er nicht sehr sorgfältig. Manche Regionen – nehmen wir Finnland – sind mit Umlauten klar überversorgt („Määränpäähänpääsy“). Anderswo – wie in Italien – herrscht dafür kein Mangel an Vokalen („O sole mio“). Und im Osten regiert der Konsonant. Der deutsche Satz „Der fleckige Windhund hat eine Handvoll Getreide verzehrt“ etwa heißt im Tschechischen: „Chrt pln skvrn zhltl hrst zrn.“ Vokale: null. Konsonanten: 24. Chance in Prozent, den Satz als deutscher TV-Nachrichtensprecher fehlerfrei über die Lippen zu bringen: null.

Nun geht’s in ARD und ZDF ja nicht täglich um „fleckige Windhunde“ aus Tschechien. Trotzdem haben die öffentlich-rechtlichen Moderatoren und Reporter den Anspruch, geographische Eigennamen („Eyjafjallajökull“), schwierige Städte („Worcestershire“) oder Personen („Michel Houellebecq“) sowie Fachwörter aus Musik, Medizin, Religion, Militär, Wissenschaft, Technik oder Sport korrekt auszusprechen. Dafür kann ihnen – anders als Zeitungsredaktionen – egal sein, wie man sie schreibt.

Bei der akustischen Akkuratesse („Barack“ oder „Bäräck“?) hilft seit 1997 die ARD-Aussprache-Datenbank (ADB). „Das funktioniert wie eine interne Wikipedia-Seite“, sagt Chef Roland Heinemann vom zuständigen Hessischen Rundfunk. Dort finden sich 340 000 „phonetische Stützräder“ als MP3-Datei. Jährlich kommen 20 000 Zweifelsfälle dazu. Die ADB sei „unser wichtigstes Hilfsmittel“, sagt „Tagesschau“-Chefsprecher Jan Hofer. Neulich hat er Kollegin Linda Zervakis bei einem „Sid-nei“ statt „Sid-ni“ erwischt. Die Datenbank hat immer recht. Recherchiert wird in Enzyklopädien, in ausländischen Botschaften oder bei Überseekollegen.

Aktuell arbeiten zehn HR-Mitarbeiter daran, die Datenbank für die Fußball-WM 2014 in Brasilien fitzumachen: Sie recherchieren und speichern 700 Spielernamen, dazu Schiedsrichter, Trainer, Stadien, Kosenamen. Die WM 2014 bietet allerhand akustische Stolpersteine. Es sind zum Beispiel – Tom Bartels, aufgemerkt! – folgende Spieler dabei: Benoit Assou-Ekotto, Sabri Lamouchi, Nwankwo Kanu, Rachidi Yekini, Emilio Izaguirre, Zvjezdan Misimovic, Miralem Pjanic, Marouane Felaini, Teofilo Gutierrez und Bastian Schweinsteiger. Viel Spaß, Reporter aus aller Welt. Nicht dabei sind dafür die folgenden sportlichen Zungenbrecher: Marc Gouiffe à Goufan, Nejmeddin Daghfous, Valerie Domovchiyski, Seyi Olajengbesi, Peniel Kokou Mlapa. Dorge Kouemaha und der frühere Wolfsburg-Profi Grafite, von dem bis heute niemand genau weiß, ob er „Grafitsch“, „Grafittö“, „Grafitschi“ oder „Grafitt“ heißt. Das ZDF hat übrigens keine Datenbank. Es verlässt sich auf die „Absprache zwischen den Mitarbeitern“.

Wer dringend noch einmal in die ARD-Datenbank reinhören sollte, ist „Tagesthemen“-Moderator Thomas Roth. Der sagte am Tag, als der Wulff-Prozess begann, gleich viermal „Hannohwer“ statt „Hannohfer“. Und wir wissen jetzt, wie sich die Kollegen aus „Jewer“ fühlen, Verzeihung: „Jefer“ natürlich.

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