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11:44 15.01.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Kunstfieber
Kunstbeflissen: Ilka Theurich, Bernhard Kock, Sabine Kinast. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

"Ich liebe es zu hören, aber ich habe künstlerisch nichts zu sagen" – mit dieser bizarren Eröffnung legt die Künstlerin Ilka Theurich los. Und sagt dann doch so viel, als wollte sie demonstrieren, dass Künstlerdialoge ganz schön monologisch sein können. Aber eben auch: ganz schön. Denn in ebenso elegantem wie rasantem Wortgalopp führt sie die Gäste der Cumberlandschen Galerie durch ihre schillernd-vielfältige Künstlerexistenz.

Immerhin war die 44-Jährige schon Tischlerin und Requisiteurin am Theater, hat sich mit Regie, Musik und Tanz beschäftigt, bevor sie Performances auf die Beine gestellt hat. Während sie davon erzählt, sind Bilder ihrer Performance „Just by simply doing, I got a brother“ zu sehen. Dafür ist sie 2014 mit einem langen Schlepptau aus türkischen und griechischen Kinderkleidern 24 Stunden lang durch Nikosia, die Hauptstadt des geteilten Zypern, gezogen –  was wiederum bizarr genug war, um bei Griechen wie Türken Dialogbereitschaft auszulösen.

Performance, figürliche und abstrakte Malerei – das sind die drei Themen dieses Abends der Reihe „Kunstfieber“, zu der die Künstler Jost Merscher und Florian Fischer monatlich weitere hannoversche Künstler einladen. Vor Ilka Theurich ist diesmal Sabine Kinast drangekommen. Die 48-Jährige hat nach Jahren als Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin 2007 die  Malerei entdeckt. Sie malt reale Figuren in surreale Situationen hinein oder lässt sie akrobatisch zueinander in Kontakt treten. Das Malen sei ihr lieber als die Schauspielerei, gesteht sie im Gespräch mit Sarah Franke, der Moderatorin des Abends – weil man da statt seiner selbst nur ein Bild zeige.

Eher monologisch wird der Abend später mit dem Künstler Bernhard Kock, der in einer Beamerflut von Bildern seine abstrakte Kunst präsentiert. Vor fünf Jahren ist der 54-Jährige dazu übergegangen, Rasterbilder zu verfertigen, bei denen er die monotone Form der Quadrate zwischen sorgsam abgeklebten Rasterlinien ebenso penibel wie vielfältig mit Farbe füllt. Später konfrontiert er die Raster mit Diagonalen, inzwischen deuten auf seinen monochromen Flächen oft bloß noch Dreiecke oder Trapeze Linien an. „Ich gehe jetzt wieder zur gestischen Malerei über“, sagt Kock. Aha.

Kein Wunder, dass so verschiedene Künstler auch ihre Motivation sehr unterschiedlich erläutern. Für Sabine Kinast ist das Faszinosum der Kontakt zwischen den Figuren ihrer Malerei ebenso wie der zum Publikum. Für Bernhard Kock ist es der Moment, da der Pinsel die Farbe breit zieht. „Dann“, sagt er, „ist der Kontakt da.“ Weniger bescheiden antwortet Ilka Theurich: „Leidenschaft statt Leistung“, ruft sie aus – und bekennt: „Ich will provozieren zu Poesie und damit Berührung und Begegnung erzeugen.“ Na denn.

Nächster „Kunstfieber“-Abend am 3. Februar um 20 Uhr in der Cumberlandschen Galerie mit Dagmar und Thomas Helmbold,  Lotte Lindner und Till Steinbrenner.

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