Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur a-ha auf dem Synthimandscharo
Mehr Welt Kultur a-ha auf dem Synthimandscharo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:56 13.06.2009
Von Uwe Janssen
Und der Glitzeranzug sitzt: Die Männer von a-ha. In der Mitte SängerMorten Harket. Quelle: Handout

Okay, über die grauen Glitzeranzüge muss man mal reden. Über die Posen auch. Und überhaupt: Diese Fotos gehen eigentlich so nicht. Nicht, wenn sie ernst gemeint sind.

Wer sich so für Werbefotos aufstellt wie die Band a-ha für ihr neues Album, muss das ironisch meinen im heutigen System Pop, in dem man sich entweder für coole Trendfassade oder totalen Stilbruch entscheiden muss, um wahrgenommen zu werden. Einfach nur albern unter einer Brücke rumstehen und in die Ferne blicken – geht nicht.

Es sei denn, die achtziger Jahre ziehen ihren letzten Trumpf: die kalkulierte, designte Peinlichkeit. Besser schlechter Geschmack als gar keiner. Wir haben eine Menge ertragen damals, und wer auf Fotos solche Plastikjoppen trägt und die Daumen in die Hosentasche steckt, lenkt den Blick unweigerlich in diese Bonbon- und Neondekade zurück.

Musikalisch rollt die Achtzigerwelle ja schon munter durch die Charts. Die ganz Neuen wie Polarkreis 18 ziehen sogar weiße Overalls an oder kommen mit bunten Föhnfrisuren wie La Roux, die Halbneuen wie die Killers treten mit ihrem Synthiepop als Hauptband bei „Rock am Ring“ auf, experimentieren wie Franz Ferdinand oder Mando Diao eifrig mit Keyboardsounds und tragen schmale Lederschlipse.

Und die Veteranen der Bewegung kommen als Väter der Klamotte zurück und werden als Helden gefeiert wie weiland Kraftwerk von der Techno- und Elektroszene. Pet Shop Boys, Depeche Mode und Simple Minds haben in diesem Jahr schon geliefert, Spandau Ballet will noch. Nun steht mit a-ha ein weiteres Starensemble der Achtziger am Start. Und feiert mit „Foot of the Mountain“ die alte Zeit und sich selbst.

Zwischen dem Überfliegerhit „Take on me“ (1985) mit seinem bahnbrechenden Musikvideo und heute liegen für a-ha rund 70 Millionen verkaufter Tonträger, ausverkaufte Tourneen, ein Bond-Song, Bandauflösung, Comeback und musikalisch ein Vierteljahrhundert behutsame Veränderung vom Synthie- bis zum Rockpop. Doch mit dem Rock war das so eine Sache: Sänger Morten Harket, der Mann mit dem ewigen Teenagergesicht, trällerte mit Falsettstimme wie ein norwegisches Burgfräulein über moderat verzerrten Gitarren und echtem Schlagzeug. Es wirkte wie verkleidet.

Nun sind sie mit „Foot of the Mountain“ genau zur rechten Zeit wieder da, wo alles begann. Am Fuß des Berges, im Basislager, wo viele elektronische Sherpas warten, um die Norweger auf ihren Hausberg, den Synthimandscharo, zu tragen. Dieser Berg hat keine steilen Hänge und Todeszonen, sondern ein ganz weiches Profil.

Das konnte a-ha immer schon: gute Popsongs schreiben, mit kurzen thematischen Tonfolgen wie Visitenkarten, Refrains, die im Ohr einrasten, und epischen Klangbildern, die melancholische bis euphorische Stimmung erzeugen. Gleich im ersten Song „Bandstand“ hupt einem so eine Melodie entgegen, die schon beim zweiten Hören wie eine gute Bekannte ist. Diese und keine andere ist die Musik zur Mädchenstimme des jungenhaften Sängers, der im Herbst 50 wird.

Alle zehn neuen Songs sind so, vollendete Weicheier, immer nah an der Kitschgrenze, aber selten drüber. Man muss sich dran gewöhnen, dass es diese Bombastschwelgerei wieder in ganzen Albumportionen gibt und nicht wie in den vergangenen 20 Jahren mal zwischendurch als augenzwinkernde Referenz an ein schönes, sorgsam verklärtes Damals.

Und man muss sich daran gewöhnen, dass diese Wiedergänger mehr Altmeister als Oldies sind, ernsthafte Wettbewerber in den Charts, die ihre Nachkömmlinge herausfordern. Mit den Waffen einer Synthie-Band. Keyboard gegen Keyboard. Hauptsache, der Glitzeranzug sitzt.

Wie die Straßen Hannovers zum „Niemandsland“ werden, zeigt Dries Verhoevens gleichnamige Theaterinszenierung. Ein Reisebericht.

Andreas Schinkel 12.06.2009

Kann Kunst demokratisch sein? Und gelingt es ihr, den Geschmack der Menschen zu spiegeln? Timm Ulrichs, seit 50 Jahren in Hannover beheimateter Konzeptkünstler, hat die Probe aufs Exempel gemacht. Für das Foyer des neuen VGH-Baus am Schiffgraben schuf er ein 90 Meter langes farbenfrohes Mosaik.

Johanna Di Blasi 11.06.2009

Auf eine abenteuerliche Reise in die Welt der fremden Nachbarn hat sich das Premierenpublikum von „Niemandsland“ in Hannover begeben.

12.06.2009