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Kultur Zwischen Tag und Morgen: Ulrich Tukur in Hannover
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19:20 20.09.2009
Von Rainer Wagner
Für ihn sind Gastspiele in Hannover Heimspiele: Ulrich Tukur. Quelle: Christian Burkert
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Der Mann hat die Hosen an, auch wenn er nur im Hemd auf die Bühne kommt, eine Kerze in der Hand, die ihm und uns Erhellung bringen soll. Schließlich geht es um die Nacht, weil die das Motto der diesjährigen Niedersächsischen Musiktage ist. Also zitiert Ulrich Tukur auf der Bühne des ausverkauften Theaters am Aegi erst einmal „Der Mond ist aufgegangen“ in der Axel-Hacke-Fassung (mit dem „weißen Neger Wumbaba“) und stimmt dann am Flügel eine „Traummusik“ an.

Und der erfolgreiche Schauspieler ­Tukur zieht sich nicht nur den Anzug an, sondern auch die Rolle des Musikers. Er ist – und das macht die Sache so raffiniert – ein respektabler Pianist (der Beethovens „Mondscheinsonate“ mit Elly-Ney-Attitüde intonieren kann) und Akkordeonist und zugleich ein Musikerdarsteller. Das trifft auch auf seine langjährigen Partner zu, die Rhythmus Boys, die nicht nur auf ihren Instrumenten mitspielen müssen, sondern auch als marionettenhafte Puppenweltbewohner agieren (Tukur hat sie aber in anderen Programmen schon mehr traktiert). Die drei treten auf wie die Dalton-Brüder der Tanzmusik: Kalle Mews wird als „vermutlich kleinster, aber gefährlichster Schlagzeuger Deutschlands“ angekündigt, Ulrich Meyer als der „fettigste Gitarrist Baden-Württembergs“ und Günter Märtens als „vermutlich größter Kontrabassist Europas“ (der längste dürfte er in jedem Fall sein).

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Für Tukur sind Gastspiele in Hannover immer auch Heimspiele. Weil er hier Abitur gemacht hat (und in der Wedemark wohnte), weil er gerne hannoversche Anspielungen einbaut und weil er hier ein treues Publikum hat. Dass die Sonne auch schon in seinem „Salto mortale“-Programm hinter den Dächern versank, weckt jetzt ebenso Nostalgiegefühle wie die Erinnerung daran, dass Franz Grothes „Ganz leise kommt die Nacht“ vor vier Jahren auch im Musiktage-Programm zum Thema „Krieg und Frieden“ zu hören war. Die Nacht kommt schließlich immer wieder.

Der Teilzeitwahlitaliener Tukur zitiert diesmal gerne Domenico Modugno. Er stimmt den Kriminaltango an, der uns erzählt, was „zwischen Tag und Morgen“ in der Taverne passiert. Er fährt „mit der letzten Straßenbahn“ geradewegs unter die „rote Laterne von St. Pauli“ und übersieht auch das „Nachtgespenst“ nicht.

Ganz zum Schluss gibt es dann noch „La Paloma“. Da kommen „Nacht und Sterne“ zwar nur in einer Liedzeile vor, aber immerhin heißt es: „Einmal muss es vorbei sein.“

Was das begeisterte Publikum nur deshalb akzeptiert, weil es darauf hoffen kann, dass Tukur immer wieder den Weg nach Hannover findet. Bei Tag und bei Nacht.

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