Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Zwei Komponisten teilen sich eine Professur
Mehr Welt Kultur Zwei Komponisten teilen sich eine Professur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 18.01.2013
Von Jutta Rinas
Rebecca Saunders ist, das ist ganz offensichtlich, Überzeugungstäterin in Sachen moderner Musik. Quelle: Anastassakis
Hannover

Es geht zu wie in einem Taubenschlag in dem eher karg wirkenden Raum in der hannoverschen Musikhochschule. Die Londonerin Rebecca Saunders und der in Köln geborene Oliver Schneller unterrichten an diesem Tag. Die beiden neuen Kompositionsprofessoren im Institut am Emmichplatz teilen sich die einzige Kompositionsprofessur in Niedersachsen. Am kommenden Donnerstag werden ihre Werke bei einem Antrittskonzert an der Musikhochschule zu hören sein.

Eines der erklärten Ziele der beiden Komponisten ist es, die Neue Musik breiter in der Musikhochschule zu verankern. Schneller und Saunders wollen nicht nur Spezialisten der Avantgardemusik ausbilden, sondern auch eher klassisch orientierte Studenten von Orchesterinstrumenten für ihre Sache begeistern. Es sei extrem wichtig, dass Komponisten und Musiker zusammenarbeiteten, sagt Rebecca Saunders: „Sie brauchen einander.“ Nach einer kurzen Pause fährt die temperamentvolle Frau mit den rotblonden Haaren voller Enthusiasmus fort: „Wenn unsere Kompositionsstudenten einen neuen Klang gefunden haben, sollen sie in den Überäumen ruhig mal an der Tür klopfen und fragen: ,Kannst du mir zeigen, wie das auf deinem Instrument geht?‘“

An diesem Tag klopft es oft an der Tür. Allerdings sind es diesmal nicht die Komponisten, sondern die anderen, die sich melden: Es geht um eine Orchesterprobe, um Unterricht mit einem Instrumentalisten und, und, und. Dass Saunders und Schneller so gefragt sind, kann man als Zeichen dafür interpretieren, dass der Wunsch der beiden, aus dem Elfenbeinturm der Avantgarde herauszutreten, an der Hochschule schon nach kurzer Zeit ein Stück weit Realität geworden ist.

Dabei soll es nicht bleiben. Die beiden wollen sich auch außerhalb des Institutes vernetzen: Kooperationen mit dem NDR, Musik 21, den Kunstfestspielen Herrenhausen oder Musikhochschulen wie Detmold oder Bremen sind geplant. „Wir wollen explizit auch über die Grenzen der Hochschule hinaus nach Niedersachsen hinein wirken“, sagt Oliver Schneller: „Es gibt Aufbruchsstimmung.“

Schneller und Saunders sind, das ist ganz offensichtlich, Überzeugungstäter in Sachen moderner Musik. Wenn man sie ein wenig provozierend fragt, ob es denn in der heutigen Zeit, in der es schon so viel Musik gibt, überhaupt noch neue Musik brauche, ergießt sich ein in der Sache sehr kluger, im Ton fast ein bisschen entrüsteter Strom an Argumenten über einen. Von der Notwendigkeit, sich in der Musik genau wie in anderen Künsten oder in der Forschung weiterzuentwickeln, sogar vom Grundrecht jeder Zeit auf eine eigene Klangsprache ist die Rede.

Schneller und Saunders sind Komponisten mit verschiedenen ästhetischen Profilen. Die 45-jährige Saunders, die unter anderem bei Wolfgang Rihm studierte, schafft musikalische Räume, in denen sie Klänge ähnlich intensiv auslotet wie Mark Rothko die Farben in der Malerei. Der 46-jährige Schneller dagegen, der unter anderem bei Tristan Murail lernte, kommt aus dem Bereich der Elektroakustik und leitet seine kompositorischen Ideen auch von außermusikalischen Phänomenen wie dem Klang fließenden Wassers ab. Beide glauben jedoch, dass sie ihre verschiedenen Vorstellungen in der Lehre produktiv nutzen können, zumal sie denselben Unterrichtsansatz verfolgen: Sie wollen nicht ihre persönliche Ästhetik vermitteln, sondern Studenten helfen, deren eigene Ideen zu schärfen und musikalisch umzusetzen. Warum schreibt man überhaupt, was für spezielle Klänge will man hören? Das seien Fragen, die den Unterricht prägten, sagt Saunders: „Jede Komposition ist auch eine Art Antwortsuche.“

Die Studenten in Hannover seien zudem sehr verschieden. Das merke schon an ihren Biografien. Manche kämen aus China oder Japan nach Hannover, andere seien mit gerade einmal 19 Jahren noch nie von zu Hause weggekommen. Ist die europäische Avantgarde in Asien so verbreitet, dass von dort nicht nur klassische Geiger oder Pianisten, sondern auch viele Komponisten nach Hannover kommen? Gerade die Japaner hätten ein „phantastisches zeitgenössisches Musikleben mit tollen Festivals“, sagt Saunders. „Sie sind mit der europäischen Avantgarde sehr vertraut.“

Das Antrittskonzert von Rebecca Saunders und Oliver Schneller beginnt am morgigen Donnerstag um 19.30 Uhr in der Musikhochschule. Karten kosten 6 und 8 Euro.

Ein lange verschollenes Gemälde wird in Hannover nach dem jüngsten Stand der Wissenschaft analysiert - Indizien deuten auf ein frühes Werk des Wiener Jugendstil-Meisters Gustav Klimt hin.

15.01.2013

Extremsport-Oldie Reinhold Messner hat im HAZ-Interview über Leben ein am Limit, seine Zeit bei den italienischen Grünen und den Unterschied zwischen ihm und dem Weltraumspringer Felix Baumgartner geplaudert.

18.01.2013

Neue Bücher von Frank Schirrmacher, Mo Yan und Elfriede Jelinek stehen 2013 auf der Liste der Neuerscheinungen im Buchmarkt.

Martina Sulner 18.01.2013