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Kultur Zwei Frauen unterwegs: Birgit Minichmayr und Alexandra Maria Lara im Roadmovie „Töchter“
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05:30 05.10.2021
Alexandra Maria Lara (links) als Martha, Josef Bierbichler als Kurt und Birgit Minichmayr als Betty in einer Szene des Films „Töchter“.
Alexandra Maria Lara (links) als Martha, Josef Bierbichler als Kurt und Birgit Minichmayr als Betty in einer Szene des Films „Töchter“. Quelle: -/Warner Bros/dpa
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Zwei Frauen on the Road: Betty und Martha (Birgit Minichmayr und Alexandra Maria Lara) kennen sich seit über 20 Jahren. Die beiden Freundinnen stehen in der Mitte ihres Lebens. Martha ist verheiratet und arbeitet mit ihrem Mann angestrengt an der Familiengründung, während die biologische Uhr tickt. Betty hält sich als Single nach einem Klinikaufenthalt mit Antidepressiva bei Laune.

Gerade, als Betty in Italien auf den Altar steigt, um einen allzu lasziv am Kreuz hängenden Jesus näher unter die Lupe zu nehmen, klingelt das Handy. Martha bittet sie verzweifelt um Hilfe. Ihr kranker Vater Kurt (Josef Bierbichler) will in die Schweiz, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Martha hat schon seit Urzeiten nicht mehr hinterm Steuer gesessen, Betty soll den Alten zum Ziel chauffieren. Die beiden holen ihn in Dortmund ab, und los geht‘s im klapprigen Golf, Baujahr 1996, „20 Jahre unfallfrei“, wie Kurt stolz betont, der das Rauchverbot an Tankstellen für „neumodischen Mist“ hält und Zigaretten und Frauen für das ultimative Glück.

Bald stellt sich heraus: Der Kerl will seine Jugendliebe am Lago Maggiore wiedersehen, die ihn schon sehnsüchtig erwartet und liebevoll umtüddelt. Wer nun aber glaubt, das war‘s, irrt gewaltig. Jetzt geht das Roadmovie erst richtig los.

Ein bisschen wie „Thelma und Louise“

Die Frauen eint die ungeklärte Beziehung zu ihren Vätern. Martha fühlt sich nie richtig akzeptiert vom lausigen Erzeuger, Betty trauert ihrem Stiefvater nach, der von einem Tag auf den anderen verschwand, als sie zwölf war. Er soll seit Jahren tot sein. So simpel ist es nicht, und das folgende Abenteuer wird sie von Italien bis zur griechischen Insel Amorgos führen.

„Wird das hier ‚Thelma und Louise‘?“, fragte Betty zwischendurch ironisch. Nein, der größte Gesetzesverstoß liegt darin, mal über Friedhofsmauern zu klettern. Die unerwartete Reise ist jedoch gespickt mit Komplikationen. So manche Spur führt ins Nichts, so manche Fahrt in eine Sackgasse, so manche Hoffnung in die Irre. Aber irgendwann kommt auf der Kykladeninsel die Stunde der Wahrheit, gibt es kein Schönreden der Wirklichkeit mehr, heißt es Abschied nehmen von Illusionen.

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Regisseurin Nana Neul nähert sich in ihrer dritten Kinoarbeit mit Witz und Tiefe dem Roman von Lucy Fricke, mit der sie gemeinsam auch das Drehbuch schrieb. Betty als Off­-Er­zäh­le­rin wird zur starken Filmfigur. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Väter und die Erkenntnis, dass man sich seinen Wurzeln stellen muss.

Mit einer Freundin an der Seite geht alles besser. Irgendwann fragen sich die beiden ehrlich, wo sie mit Anfang 40 stehen. Das nicht perfekte, aber wunderbare Frauenduo trägt die Handlung. Tragik, Komik und Lässigkeit halten die Balance, während Gewissheiten bröckeln. Fabelhaft, wie am Ende im mediterranen Licht nach dem Innehalten das Leben mit Leichtigkeit und Lust wieder Fahrt aufnimmt. Darauf einen Ouzo!

„Töchter“, Regie: Nana Neul, mit Birgit Minichmayr, Alexandra Maria Lara und Josef Bierbichler, 121 Minuten, FSK 12

Von Margret Köhler/RND

Der Artikel "Zwei Frauen unterwegs: Birgit Minichmayr und Alexandra Maria Lara im Roadmovie „Töchter“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.