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Kultur Zero-Künstler Otto Piene gestorben
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10:03 18.07.2014
Der Zero-Künstler Otto Piene (86) ist am Donnerstag in Berlin gestorben. Quelle: dpa
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Berlin

Otto Piene fackelte Leinwände ab und ließ Blumen aus Feuer entstehen. Sein Pinsel waren Flammen. Er choreographierte „Lichtballette“ und schoss Helium-gefüllte Skulpturen in den Himmel. Am Donnerstag starb der weltweit bekannte Mitbegründer der Nachkriegskunstbewegung ZERO, im Alter von 86 Jahren in Berlin.

Dort hatte er erst einen Tag zuvor eine große Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie mit seinen Werken eröffnet. Und Piene hatte eigentlich auch noch viel vor. Er wollte am Samstag seine berühmten Himmelsskulpturen vom Dach der Nationalgalerie aufsteigen lassen. Mitten in den Vorbereitungen starb Piene. Er sei „so glücklich und zufrieden“ gewesen, sagten die, die ihn in den letzten Tagen begleitet hatten.

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In den großen Museen weltweit hängen heute Pienes Feuerblumen, doch eigentlich passt seine Kunst nicht in geschlossene Räume. Denn sie ist flüchtig, für den Augenblick gemacht. Sein Vorbild, so sagte er einmal, sei der Himmel - „der verändert sich auch ständig“. Kunst außerhalb der Museen war Piene immer wichtiger als die Enge von Galerien.
Piene, der im Alter einen markanten grau-weißen Rauschebart trug, war nicht nur ein Künstler, der mit dem Feuer spielte, sondern auch ein Philosoph. Geboren wurde er am 28. April 1928 in Bad Laasphe, und er wuchs in der ostwestfälischen Kleinstadt Lübbecke auf. Piene wurde geprägt durch die Dunkelheit des Zweiten Weltkriegs, den er als jugendlicher Flakhelfer erlebte. „Daraus wurde dieser enorme Impuls, etwas daraus zu machen“, sagte er.

Mit Heinz Mack gründete Piene Künstlergruppe ZERO

Zusammen mit Heinz Mack gründete Piene 1957 die Künstlergruppe ZERO, der sich später auch Günther Uecker anschloss. Die Gruppe forderte nach dem Krieg einen radikalen künstlerischen Neuanfang. Statt mit Farbe und Pinsel experimentierten die ZERO-Künstler mit neuen Materialien und mit den elementaren Kräften der Natur: Licht, Bewegung, Wind, Feuer, Luft, Energie.
Bis 1964 arbeitete Piene als Dozent an der Modeschule Düsseldorf, dann zog es ihn nach Amerika. „Der amerikanische Traum war wie Magie“, sagte er in einem Interview. An der Hochschule für technologische Forschung und Lehre, dem Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Boston, übernahm Piene 1974 das Center for Advanced Visual Studies (CAVS). 20 Jahre leitete er das Medienlabor für künstlerisch-optische Experimente. Seine Verbindung von Kunst, Natur, Wissenschaft und Technik ist bis heute richtungsweisend. Junge Künstler wie der Däne Olafur Eliasson oder Tomás Saraceno stehen mit ihren Grenzgängen zwischen Kunst und physikalischen Experimenten in der Tradition Pienes.

„Piene hat immer versucht, Grenzen aufzulösen - sowohl in der Kunst als auch geografisch“, sagte Tijs Visser, Leiter der ZERO Foundation in Düsseldorf. Piene war beteiligt an der Entwicklung neuer Kunstformen wie Medienkunst und Performances. Piene malte nicht das Licht, er ließ es malen. So entstanden „Lichträume“, „Lichtgeister“ und „Lichtballette“ aus sich bewegenden Raumprojektionen. Bunte Feuergouachen und Feuerblumen entstanden, wenn er mit brennbarer Farbe auf die Leinwand malte und sie anzündete.

Piene konnte Massen mit seiner „Sky Art“ begeistern. Berühmt ist der riesige Plastikregenbogen, den er bei den Olympischen Spielen in München 1972 in den Himmel steigen ließ. „Inflatables“, aufblasbare Skulpturen, nannte er seine Luftprojekte - stachelige weiße Sterne oder Blumen. Es dauerte oft Stunden, um die Helium-gefüllten Objekte in die Luft zu schießen, die nach kurzer Zeit schon wieder in sich zusammenfielen.

Der mehrfache Documenta-Teilnehmer Piene war sozusagen der Energieproduzent unter den Künstlern. „Es geht mir um die Übertragung von Energie“, sagte er einmal. In einer Zeit, in der alles kaputt war, habe er etwas schaffen wollen, „was als Ausdruck der Seele oder der geistigen Verständigung unter Menschen taugt“. Bis zu seinem Tod lebte der mit renommierten Kunstpreisen geehrte Piene mit seiner Frau Elizabeth Goldring-Piene auf einer Farm in Groton bei Boston. Oft war Piene aber auch zu Gast in Deutschland, vor allem in Düsseldorf.
Der Berliner Kurator Joachim Jäger nannte Piene einen „der großen Kunsterneuerer des 20. Jahrhunderts“. Seine Kunst erinnere an die künstlerische Aufbruchzeit der 1960er und 1970er Jahr, an die Visionen, Hoffnungen und Taten einer Generation, für die Piene stellvertretend stehe. Noch kurz vor seinem Tod hatte Piene gesagt, er genieße es besonders, seine Kunst wieder in Berlin zu zeigen. Hier habe er vor Jahrzehnten eine seiner ersten Einzelausstellungen gehabt. „Es schließt sich ein Kreis.“  

dpa

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