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Kultur Yusufs neues Album erscheint am 1. Mai
Mehr Welt Kultur Yusufs neues Album erscheint am 1. Mai
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22:27 28.04.2009
Von Uwe Janssen
Bringt ein neues Album raus: Yusuf Islam, früher bekannt als Cat Stevens. Quelle: Paolo Cocco/AFP
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Es ist dunkel. Die schmale Gasse wird von wenigen Straßenlaternen sparsam beleuchtet. In einem der Lichtkegel steht ein Mann und spielt Gitarre. Vor ihm steht ein alter Bulli, das Firmenlogo vorn ist durch ein Friedenszeichen ersetzt. Das Fahrzeug ist der „Peace Train“, und der durchreisende Mann des Friedens heißt Yusuf Islam. Als Künstler nennt er sich kurz Yusuf. Aber er ist Cat Stevens. Mehr denn je.

„Roadsinger“ heißt das Album mit dem melancholischen Cover, es folgt recht rasch auf seine Comebackplatte „An other Cup“, mit der er 2006 Millionen seiner alten Fans rund um den Erdball überraschte – und beglückte. War diese Wiederkehr noch eine vorsichtige, mit vielen religiösen und spirituellen Botschaften gespickte Annäherung des 1977 zum Islam konvertierten Briten an seine musikalische Vergangenheit, hat er nun ein ganz leises Folkalbum gemacht – als ob zwischen Songs wie Morning has broken“, „Moonshadow“, „Peace Train“ und heute nicht viel passiert wäre.

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„Fans sagten mir, dass sie mehr von mir an der Gitarre hören wollten“, verrät Yusuf, was eigentlich ein ebenso banaler wie feiner Grund ist, zu seinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren. Doch so einfach ist es dann doch wieder nicht. Nicht umsonst handeln die Songs vom Reisen, nicht nur von A nach B, sondern auch den inneren Reisen von einem Lebensabschnitt zum anderen. Reisen, die auch der inzwischen 60-Jährige hinter sich hat – und sich plötzlich zwischen allen Stühlen wiederfand. Als er 2004 von London nach Washington fliegen wollte, um die Sängerin Dolly Parton zu besuchen, nahmen die von den 9/11-Ereignissen sensibilisierten US-Behörden den aktiven Friedensbotschafter fest – Sicherheitsbedenken. „Vielleicht“, sagt Islam, „lag es an diesen welterschütternden Ereignissen, dass die Leute mich in diesem einseitigen Blick wahrnehmen wollten.“ In seiner alten Welt lösten Interviews, in denen er sich schwammig über seine Haltung zu Salman Rushdie, Blasphemie oder Frauen äußerte, immer wieder Verärgerung und Irritationen aus. „Ich werde oft missverstanden“, sagt er heute, „meine Welt ist grenzenfrei.“

Auch die Reise zum neuen Album war eine lange – und eine fast analoge Entwicklung zu seinen großen Zeiten in den Siebzigern. Genau wie „Tea for the Tillerman“ auf „Mona Bone Jakon“ aufbaute, brauchte er nun ein Album Anlauf, um wieder in die alte Spur zu finden. Nun ist er wieder der stille Erzähler, der seinen Zuhörern mit tiefem, leicht brüchigen Timbre kleine Geschichten in den Kopf malt. Geschichten vom Reisen, vom Nachhausekommen, von der Suche nach Glück. Die Songs sind autobiografisch, aber voller Metaphern, in denen jeder ein bisschen von sich entdecken kann. Das alles ist in der Generation iPod geradezu aufreizend unspektakulär, und vor allem ist es weit weg von Glaubensmissionen, bei denen einem auf wohlformulierten Umwegen tiefere Spiritualitäten untergejubelt werden sollen. Man möchte eigentlich gar nicht Yusuf sagen, weil man Cat Stevens hört. Es reichen ein paar Gitarrenakkorde und eine Textzeile, und schon ist man wieder in den Siebzigern. Im Schneidersitz. Im Wallegewand und mit blöder Frisur. Wer mit so wenig so viel auslösen kann, hat wirklich was gestemmt in der Musikgeschichte.

Hits hat das neue Album indes nicht zu bieten. Wer keine Zeit hat, dessen Freunde werden die Songs nicht. Wer allerdings in das Peace-Mobil steigt, den nimmt Yusuf mit auf eine sehr gemütliche, wenn auch mit gut 30 Minuten recht kurze Reise durchs Geschichtenland, in dem man auch Soulsänger James Morrsion und Hank Williams’ Enkelin Holly begegnet. Und einem alterslosen Barden namens Cat Stevens.

Im Herbst schon verschränken sich die Karrieren dieses Mannes dann endgültig. In England startet sein Musical „Moonshadow“. Die Reise geht weiter. Der Bulli läuft wieder. Und läuft. Und läuft. Und läuft.

Yusufs „Roadsinger“ erscheint am 1. Mai.